Prozess gegen ehemaligen Beamten

Ortstermin soll klären, ob Polizist Schlagstock einsetzte

Frankenberger Land. Nun folgt ein Ortstermin für das Gericht: Am vermeintlichen Tatort soll geklärt werden, ob die Aussagen der Zeugen, die im Prozess gegen einen ehemaligen Frankenberger Polizisten ausgesagt haben, plausibel sind.

Richterin Andrea Hülshorst gab am Dienstag dem Antrag von Anwalt Heinrich Göbel statt. „Mit dem Antrag haben sie bei mir offene Türen eingerannt“, sagte Hülshorst.

Damit ist die Verhandlung auch nach dem dritten Prozesstag nicht vorbei. Dem Polizisten wird vorgeworfen, einen Jugendlichen mit einem Schlagstock verprügelt zu haben. Vor Ort soll geklärt werden, welcher Zeuge wo stand und was die Personen damals, am Abend des 23. Oktober 2012, gesehen haben könnten. Auch Nachbarn, die die Jugendlichen gesehen hatten, sollen befragt werden.

Am Dienstag wurde der Polizist befragt, der die Jugendlichen zu der vorangegangenen Sachbeschädigung verhört hatte. Der 54-jährige Beamte hatte auch Aussagen der Jugendlichen zu der vermeintlichen Körperverletzung aufgenommen. Er konnte über die schriftlich festgehaltenen Aussagen hinaus aber nur wenige Angaben machen.

Göbel zweifelt an Aussagen

Göbel, der den angeklagten Polizisten verteidigt, zweifelte im Anschluss erneut die Glaubwürdigkeit des vermeintlichen Opfers an. Für den Juristen ist das Verhalten des heute 18-Jährigen „deutlich auffällig“, es gebe „Widersprüche über Widersprüche“. Seine Zweifel bekräftigte er damit, dass sich der damals Jugendliche bei der Vernehmung durch den Polizisten vor zwei Jahren nervös verhalten habe - das bestätigte auch der Polizeibeamte.

Auch bei der Verhandlung habe der 18-Jährige ständig zu Boden geschaut und oft gesagt: „Ich habe nichts gemacht“, obwohl er für die Sachbeschädigung bereits verurteilt worden war.

Weiterhin spielt nach Göbels Ansicht der Drogekonsum des Jugendlichen eine Rolle: Bereits vor zwei Jahren hatte er regelmäßig Alkohol getrunken und außerdem Marihuana konsumiert, wie er auch vor Gericht ausgesagt hatte. Nach dem Vorfall kamen weitere illegale Drogen hinzu, wie sowohl der 18-Jährige als auch die Mutter vor Gericht bestätigt hatten. Inzwischen sei er aber „clean“ und warte auf einen Therapieplatz, wie die Mutter ausgesagt hatte.

Auch an der Aussage des Jugendlichen, der die Attacke mit dem Schlagstock gesehen haben will, zweifelte Göbel. Dabei bezog er sich auf den vermeintlichen Einsatz von Pfefferspray. Hätte der Zeuge das Spray abbekommen, egal an welcher Stelle, so der Jurist, „dann wäre er für Minuten außer Gefecht gewesen.“ Dieser hatte aber ausgesagt, dass das Spray keine Auswirkungen gehabt hatte.

Deswegen forderte der Anwalt, die Glaubwürdigkeit von Opfer und Zeuge per Gutachten zu prüfen - eine Entscheidung verschob die Richterin auf einen weiteren Verhandlungstermin. (bdi)

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Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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