Wirtschaft im Frankenberger Land

Osborn stellt neuen Besen vor

+
Marketingchef Luis Hereza, Geschäftsführer Albrecht Teich, Bestandskontrolleur und Mitentwickler Karl-Heinz Ködding, Personalchef Ronald Stiehl, Verkaufschef Thorsten Hildebrand, Personalreferentin Michaela Theiß, Verkäufer Oliver Krautwald und Unternehme

Burgwald - Bei der Firma Osborn haben kreative Köpfe aus einer Abdichtbürste ein Kehrsystem für Landwirtschaft und Industrie entwickelt. Geschäftsführer Albrecht Teich sieht seine Mitarbeiter daher als wichtigstes Kapital.

„Es ist kein Hightech-Produkt, kein Iphone. Aber es ist clever“, so bewirbt Albrecht Teich das neueste Produkt des Burgwalder Unternehmens. Es nennt sich „Broomate“ und sieht aus wie ein gigantischer Besen mit roten Borsten. Der wird allerdings nicht an einem Holzstiel befestigt, sondern an einem Traktor oder einem Gabelstapler. So werde laut Teich aus diesen Fahrzeugen ein komplettes Kehrsystem, das eine Kehrmaschine überflüssig mache.

Bestandskontrolleur Karl-Heinz Ködding erklärt, dass der „Broomate“ ganz einfach mit dem Fahrzeug verbunden werden könne. Mit einer Fahrt werde eine Fläche dann geräumt und gleichzeitig gekehrt: Der Traktor schiebe mit dem Aufsatz etwa Silage, Schotter, Steine, Holz, Weizen oder Schnee vor sich her und kehre zugleich die darunterliegende Fläche. „Das funktioniert auf allen Flächen, weil sich die Borsten anpassen“, erklärt Ködding. Somit sei der neue Besen nicht nur für die Reinigung von Fabrikhallen, sondern auch für Landwirte und Kommunen multifunktional einsetzbar.

„Das ist eine Allzweckwaffe: Ein Gerät für viele Probleme“, wirbt Mario Waßmuth. Er ist Unternehmer, verkauft aber auch für Osborn den „Broomate“. Für verschiedene Supermärkte in Frankenberg und im Oberen Edertal habe Waßmuth den Winterdienst auf den Parkplätzen übernommen. „Ich brauche ein Drittel weniger Streusalz und ich mache keinen Asphalt oder Schotterweg kaputt, weil es keinen Abrieb gibt.“

Der „Broomate“ besteht aus vielen einzelnen, schmalen Bürsten. Wie Verkaufschef Thorsten Hildebrand verrät, sind es einfache Abdichtbürsten. Die schützen sonst, hinter die Haustür geschraubt, vor Zugluft. Die Mitarbeiter der Firma Osborn hätten diese Bürsten nun in neuem Zusammenhang betrachtet, aus anderen Blickwinkeln betrachtet und einen riesigen Besen gebaut.

Vielleicht war es Glück, dass Karl-Heinz Ködding an dem Projekt beteiligt war. Er arbeitet nicht nur bei Osborn, sondern ist auch Nebenerwerbslandwirt. In dem neuen Kehrsystem sah er eine Chance, Ställe auszukehren oder Getreidehallen abzuschieben. „Wer weiß, was wir sonst entwickelt hätten, wenn ein anderer Mitarbeiter beteiligt gewesen wäre“, sagt Hildebrand. „So reinigt die langweilige Abdichtbürste nun Fabrikhallen“, fasst er es knapp zusammen. Die Entwickler haben laut Hildebrand knapp ein drei Viertel Jahr an dem Produkt gefeilt. Mittlerweile sei es schon mehr als 100 Mal in der Umgebung verkauft worden.

„Bis vor sechs Monaten war die Landwirtschaft für uns kein wichtiger Industriezweig“, erklärt Hildebrand weiter. Das neue Produkt zeige aber, dass es vor der eigenen Haustüre des Burgwalder Unternehmens sehr gut funktioniere und sich bisher allein durch Mund-zu-Mund-Propaganda verkauft habe. „Wir haben gute Leute, die Ideen haben und neue Märkte suchen“, lobt Teich. Das sei das Kapital von Osborn. Daher investiere die Firma in das Personal und damit in die Zukunft. Denn der Wettbewerb sei hart: Bürsten aus China sind billiger. Bei Osborn gehe es daher um Qualität der Produkte, aber auch darum, neue Märkte zu erschließen. So habe sich etwa die Firma Apple gerade erst gemeldet: „Apple will ein kleines Entgratungswerkzeug für Gehäuse von uns haben“, eröffnet der Geschäftsführer.

Allerdings investiert Osborn auch in den Standort Burgwald: Mit einer Investitionssumme von rund einer Million Euro habe die Firma laut Teich die Produktionstechnik und die Labortechnik weiter ausgebaut. Alte Hallen aus Muna-Zeiten werden nach und nach erneuert und mit moderner Technik ausgestattet. Zu den Errungenschaften zählt etwa eine neue CNC-Fräsmaschine.

Investiert wird auch weiter in den neuen „Broomate“: „Der wird mich in den nächsten Monaten noch einiges kosten“, sagt Teich mit einem Augenzwinkern. Er ist sich sicher, dass seine Mitarbeiter „das Ding noch auf den Kopf stellen und die Bürsten länger und kürzer machen, mit Metall drin oder ohne“ und verschiedene Variationen und Funktionen ausgiebig durchtesten werden - und dadurch vielleicht wieder neue Märkte erschließen. „Mit diesem saugeilen Kehrsystem werden wir von Burgwald aus bald Hessen und von da aus den Rest der Republik erobern“, sagt Teich. Denn die Probleme der Landwirtschaft und Industrie, die Osborn mit dem „Broomate“ löse, seien in Burgwald die gleichen wie in Bayern.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare