Frankenberg

In ein paar Minuten zum Lebensretter

-  Mit einem Aufwand von wenigen Minuten lässt sich einem oder sogar mehreren anderen Menschen das Leben retten. Dennoch besitzen seit rund dreißig Jahren nur rund zehn Prozent der Deutschen einen Organspendeausweis.

Frankenberg. Die Gründe dafür lägen bestimmt nicht in der Aufklärung, mutmaßt Dieter Schaub, der ebenfalls seit dreißig Jahren Aufklärung für die Organspende betreibt. Dabei erinnert seine Mission an Don Quichottes Kampf gegen Windmühlen – Ausweise würden im Müll landen, Vorträge die Menschen nicht erreichen, erklärt er: Die meisten würden sich einfach nicht mit dem Thema auseinandersetzen wollen.  Manche hätten einen falschen Eindruck von der Organspende, weil die Organe nach dem Hirntod entnommen werden. Der Körper könne zu diesem Zeitpunkt nur noch mit Maschinen am Leben erhalten werden. Medizinisch gesehen sei der Hirntod mit dem Tod gleichzusetzen. Die Wiedererlangung des Bewusstseins sei ausgeschlossen, das Gehirn von der Durchblutung abgekoppelt und seine Zellen zerfallen. Wenn zwei unabhängige Ärzte den Patienten für hirntot erklärt hätten, könnten Organe entnommen werden. Aufgrund der wenigen Spenderausweise geschehe das jedoch viel zu selten. Hirntot In Deutschland wird die Organspende durch das Gesetz der „erweiterten Zustimmung“ geregelt. Bei Menschen, die keinen Organspenderausweis haben, muss die Familie entscheiden. Auf dem Organspendeausweis kann nicht nur festgelegt werden, ob man Organe spenden möchte, sondern auch welche. Bei fehlendem Ausweis werde die Familie von den behandelnden Ärzten aus Pietätsgründen allerdings oft nicht gefragt. Selbst wenn der Verstorbene eigentlich gerne jemandem durch seine Organe geholfen hätte, könne er das nicht mehr, erklärt Schaub. Es sei wohl die morbide Thematik, die viele Menschen abschreckt. Die wenigsten Menschen wollen sich mit ihrer Sterblichkeit auseinandersetzen. „Das ist verständlich: Wenn man gesund ist, dann will man vom Tod nichts hören“, sagt er. Doch eine Krankheit kann schnell kommen – Schaub hat das selbst erlebt. Vor neun Jahren wurde ihm eine zweite neue Niere gespendet. Ohne sie wäre er an die Dialyse gebunden. Nur weil ein anderer sich zu Lebzeiten dafür entschieden hat, den Organspendeausweis nicht wegzuwerfen, kann Dieter Schaub ein gutes Leben führen. Achtzehn Jahre lang musste er auf die insgesamt zwei Nieren warten – die Wartezeit für eine Niere in Deutschland betrage in der Regel sechs bis acht Jahre. Für viele Menschen, die auf ein Organ warten, darunter auch eine erhebliche Anzahl an Kindern, sei die Wartezeit zu lang. Viele würden sterben, obwohl eigentlich genügend Organe vorhanden wären. Fünf Minuten In Deutschland würden immer mehr Spenderorgane benötigt, weil die allgemeine Lebenserwartung gestiegen sei und mehr Transplantationen von den Medizinern infolge des technischen Fortschritts als durchführbar angesehen würden. Auch dadurch, dass weniger Verkehrsunfälle passieren, sei die Zahl der Spenderorgane zurückgegangen.Trotz breitflächiger Aufklärung sei die Zahl der Organspender in den vergangenen Jahren konstant niedrig geblieben. Schaub wünscht sich, dass durch seinen jahrelangen Einsatz wenigstens ein Leben gerettet werden kann. Jeder, der sich fünf Minuten Zeit nehme, einen Organspendeausweis auszufüllen, könne sich dasselbe wünschen. (gru)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare