Frankenberg

Partystimmung und pure Verführung

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- Frankenberg (ahi). Musical-Hits in Kammermusikbesetzung, nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Parkett: Vor dieser Herausforderung stand das sechsköpfige Ensemble der „Musical Mix-T(o)ur“.

Die Reihen in der Ederberglandhalle waren so licht wie sonst beim Auftritt eines obskuren Streich-Quartetts mit lauter unbekannten Größen auf dem Programmzettel. Denkbar schlechte Voraussetzungen für einen begeisternden Musical-Abend mit mitreißender Mitklatschatmosphäre.

Das kleine Ensemble ging trotzdem das Risiko ein und brach erfolgreich den Bann. Zunächst saßen die rund fünfzig Zuhörer aber wie gebannt auf ihren Stühlen bei „Ich gehöre nur mir“ aus „Elisabeth“. Gerry Weber gab Sissys Unabhängigkeitserklärung viel Wärme und Entschlossenheit und den unabdingbaren Hauch Unsicherheit mit auf dem Weg, die dieser Moment des Innehaltens braucht.

Ihr „letzter Tanz“ mit dem Tod (Peter Lannza) geriet zum bildstarken Ausrufezeichen beim ersten Höhepunkt des Abends. Zuvor hatte sich die Prinzipalin schon als kumpelhaft komische Sally Bowles beim eröffnenden Cabaret-Duett mit Verena Itze Sympathien erspielt. Die jüngere Kollegin sorgte dafür als langmähnige Rosi für „Skandal im Sperrbezirk“ und Mitklatschlaune beim Gang durchs Parkett.

Da die Sängerinnen auch bei den Broadway-Hits überwiegend die deutschen Versionen zum Besten gaben, kamen auch jene Zuhörer auf ihre Kosten, für die Englisch nicht zum Alltag gehört. „All that Jazz“ war eine der wenigen Ausnahmen, aber zum Verständnis der lasziven Performance von Annette Hessel war kein Englisch-Leistungskurs notwendig – zumal der Vortrag der Sängerin auch Verführung pur atmete. Als Kontrastprogramm zur überwältigenden Show als Sünderin gab die Sängerin eine nicht minder überzeugende Büßerin bei Maria Magdalenas „I don’t know how to love him“.

Die heiteren Momente kamen ebenfalls nicht zu kurz, so konnte sich „Küken“ Jasmin Düdder „Am Marterpfahl“ schon mal als singende Komödiantin Rücken an Rücken mit Mitküken Lara Lorenz profilieren, die für das „Farbenspiel des Windes“ aus Pocahontas noch einmal ins Indianerkostüm schlüpfte.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Samstag, 30. April.

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