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Passwörter wie Unterhosen behandeln

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Sich sicher im Internet zu bewegen – das ist es, was Schüler lernen sollen und wobei ihnen Lehrer und Eltern helfen müssen. Gute Passwörter, Vorsicht im Umgang mit Namen und Adressen, die Einhaltung von Regeln und gesunde Skepsis sind eine gute Mischung. Foto: dpa

Frankenberg - Die Kommunikationsplattform „Whats-App“ ist erst ab 16 Jahren freigegeben. Name und Geburtsdatum reichen schon für einen Identitätsdiebstahl. Und ein falscher Klick im Internet kann einen Jugendlichen sein gesamtes Konfirmationsgeld kosten. Dirk Virnich hatte einige erhellende Einsichten für Eltern parat.

Der Polizeihauptkommissar und Jugendkoordinator der Polizei im Landkreis informierte am Dienstagabend auf Einladung der Edertalschule in der Kulturhalle Eltern von Fünft- und Sechstklässlern über Gefahren, die eine Besonderheit aufweisen: denn mit Internet, Smartphone und sozialen Netzwerken wie Facebook oder „Wer kennt wen“ (WKW) kennen sich viele Kinder schon besser aus als ihre Eltern. Deshalb riet Virnich den Eltern: „Nehmen Sie Ihre Kinder mit ins Boot. Lassen Sie es sich von ihnen selbst erklären!“

Sichere Suchmaschinen

Damit Väter und Mütter sie trotzdem vor Gefahren schützen können, hatte Virnich zahlreiche konkrete Tipps parat. Seinen Vortrag ergänzte er mit Videosequenzen und Statistiken. Der Auftrag der Eltern sei es, ihre Kinder zu befähigen, richtig mit den entsprechenden Medien umzugehen. Virnich hatte ganz konkrete Tipps für verschiedene Themen parat:

l Computer: Eltern sollten den Rechner immer so einrichten, dass Kinder nur als Benutzer, nie aber als Administrator Zugang haben. Mit Schutzsoftwares und Suchmaschinen wie www.blinde-kuh.de oder www.frag-finn.de können Kinder gar nicht erst auf Seiten mit gefährdenden Inhalten gelangen. Spiele am PC müssen nicht grundsätzlich verteufelt werden, machte Virnich deutlich - aber Eltern sollten mit ihren Kindern eine feste Zeitspanne dafür vereinbaren, damit andere Hobbys und persönliche Kontakte nicht darunter leiden. Er warnte: „Wenn auf einem Spiel eine ‚18‘ steht, ist das die Altersfreigabe. Und wenn gar nichts draufsteht, ist es ganz sicher nicht für Kinder geeignet“. In Chats gelte die Regel, immer misstrauisch zu bleiben - das gilt besonders für junge Mädchen. Denn wer am anderen Ende sitzt, können sie nicht wissen. „Pädophile stellen zu 97 Prozent den Kontakt zu ihren Opfern über das Internet her“, betonte Virnich.

l Downloads: Bei allen Formen der virtuellen Kommunikation sollten Dateianhänge nur geöffnet werden, wenn der Absender bekannt ist. Im Umlauf sind politischer oder religiöser Extremismus, extreme Gewaltdarstellungen und Pornografie.

l Urheberrechte: Viele Eltern haben schon Mahnbriefe erhalten, weil illegal Musik oder Filme etwas heruntergeladen wurden. Virnich berichtete von einem Fall, in dem die Eltern die Strafzahlung und Anwaltskosten mit dem Konfirmationsgeld des Sohnes, der ein Musikalbum heruntergeladen hatte, verrechneten. Dem Jungen blieben am Ende 56 Euro. Virnich verwies auf die Möglichkeit, Musik legal herunterzuladen, etwa über Internetradios.

l Bildrechte: Fotos und Videos von anderen dürfen nur veröffentlicht werden, wenn die Abgebildeten ihr Einverständnis gegeben haben. „Wenn nicht, macht man sich schon strafbar“. „Die Verantwortung trägt der, der auf ‚Ok‘ klickt“, betonte der Hauptkommissar. Die Liste der möglichen Straftaten ist lang: Beleidigung, Bedrohung, Nötigung, Verletzung der Bild- und der Persönlichkeitsrechte oder Erpressung. Und die gelten auch für Jugendliche.

l Handys und Smartphones: Ein normales Handy reicht, wenn es dazu da ist, die Eltern zu erreichen. Schulpsychologen empfehlen Smartphones frühestens ab 15 Jahren, ergänzte Lehrerin Christina Lambach. Wer ein Smartphone besitzt, sollte auch eine Schutzsoftware aufspielen.

l Cybermobbing: Veränderte Fotos, falsche Profile, aber auch der Ausschluss aus Gruppen und damit aus der Gemeinschaft - mit virtuellen Werkzeugen sind Kinder leicht zu quälen. Dirk Virnich riet dringend, dagegen immer etwas zu unternehmen - und zwar in einer Gemeinschaft von mehreren. „Einer alleine ist sonst schnell das nächste Opfer.“

l Whats-App: Die Kommunikationsplattform wird mittlerweile von extrem vielen Schülern genutzt, ist aber eigentlich erst ab 16 Jahren erlaubt. Durch die Aufnahme in Gruppen erhalten Kinder der ETS bis zu 300 Nachrichten am Tag, berichtete Christina Lambach. Virnich empfahl, aus den Gruppen auszusteigen. Wichtige Infos wie Hausaufgaben können auch über eine SMS oder eine direkte Nachricht abgefragt werden.

l Passwörter: Dirk Virnich zog dafür den Vergleich mit Unterhosen heran: „Man teilt sie mit niemandem, wechselt sie regelmäßig und man sollte mehr als eins haben“. Außerdem sollten Passwörter möglichst lang sein, Sonderzeichen, Ziffern sowie Groß- und Kleinschreibung enthalten. Es sollte für jeden Zugang ein anderes Passwort geben. Virnich riet dringend: „Passwörter niemals weitergeben - auch nicht der besten Freundin“.

l Facebook: Eine einfache Faustregel kann dabei helfen, spontane Dummheiten zu vermeiden: „Nur posten, was ich auch für jeden sichtbar auf Papier an eine Hauswand kleben würde“. Zudem sollte immer die Einstellung gewählt werden, dass nur die eigenen Freunde sehen, was gepostet wird. Wer den Vor- und Nachnamen und seinen Wohnort - oder ein Detail wie die Edertalschule - auf Facebook nennt, ist ziemlich leicht auch im echten Leben zu finden, warnte Virnich. Telefon- und Handynummern sowie E-Mail-Adressen sollten dort niemals sichtbar sein.

l Sexting: Virnich legte den Eltern ans Herz, ihren Kindern ganz deutlich zu machen, dass Fotos oder gar Videos mit sexuellen Inhalten - also etwa Fotos in Unterwäsche oder gar Nacktbilder - niemals gemacht werden sollten. Auch die Weiterleitung solcher Inhalte kann, je nach Alter des Abgebildeten, bereits ein Straftatbestand sein. Solche Fotos sind langfristig über die biometrischen Merkmale auf die Person zurückzuführen.

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