Kabarettabend der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde zum 111-jährigen Bestehen

Pastor, Herr Bert und Pirat Jäck

Als Pastor hielt Frank Kampmann den Zuschauern den sprichwörtlichen Spiegel vor.

Frankenberg - Mit dem Vorurteil „Christen gehen zum Lachen in den Keller" hat Frank Kampmann alias Friedhelm Meisenkaiser am Samstagabend aufgeräumt: In einer atemlosen und witzigen Show brachte er sein Publikum zum Lachen, Singen, Nachdenken und Staunen.

Von der ersten Minute an riss Kampmann seine Zuhörer mit „Let me entertain you“ von den Stühlen, verkleidet als Hausmeister Friedhelm Maisenkaiser mit Hornbrille, Zahnprothese und Sprachfehler. Dass er der perfekte „Entertainer“ ist, bewies er mit einem Feuerwerk von witzigen Anekdoten, Witzen und Geschichten aus dem Leben: Mit frecher Rohrpott-Schnauze à la Paul Panzer beschrieb er zum Beispiel ein Hupkonzert, weil er mit dem Aufkleber „Hupe, wenn du Jesus liebst“ an einer grünen Ampel stand und die ungeduldigen Autofahrer hinter ihm „wohl alle Jesus liebten“.

Er verglich Kindergeburtstage von früher mit heute und stellte fest: „Früher gab‘s eine Einladung bemalt mit Filzstift, heute gibt’s eine MMS per Laptop auf Facebook“. Er bot Popcorn mit doppeltem Nutzen an, um es sich einerseits zum Schutz vor lauter Musik in die Ohren zu stecken und es andererseits hinterher zu essen. Doch schützen musste man sich wahrlich nicht, denn kaum wechselte „der Maisenkaiser“ wieder in die Rolle des Frank Kampmann, war authentisch christlicher Deutschrock zu hören.

Kampmann, der schon mit 13 Jahren als Keyboarder, Schlagzeuger und Sänger auf der Bühne stand, vermochte mit seiner Musik, der stimmungsvollen Beleuchtung und seiner Authentizität das Publikum zu bewegen und zu begeistern, mit eingängigen Songs wie „Welcome to Paradise“ erinnerte er dabei mit seiner kraftvollen Stimme und vollem Sound gar an Hartmut Engler von der Gruppe PUR. Selbst ein „Lagerfeuer-Lied“ wie „Laudato si“ klingt bei Kampmann wie tanzbarer Christ-Rock. Doch der sympathische Entertainer aus Essen ist nicht nur ein ausgezeichneter Musiker, Kabarettist, Alleinunterhalter und Verkleidungskünstler.

Er ist Vater von drei Kindern und ausgebildeter Sozialarbeiter mit dem Zusatzfach Kirche und Diakonie. Mit seiner Kunst will er auch christlichen Glauben vermitteln, spricht davon, das „Christsein zu leben, die Ärmel hochzukrempeln und Vorbildliches zu tun“ bedeutet. In kleinen Sequenzen gab er immer wieder Anleitung zum bewussten Glauben: Wenn einem „die Luft ausbleibt“ im stressigen Alltag, gebe Gott Hilfestellung. Eindrucksvoll demonstrierte er mit zwei Zuhörern eine derartige Hilfestellung beim Aufblasen eines langen Plastikschlauches. Erstaunlich auch der Versuch, vier Männer aus dem Publikum so auf Stühlen zu positionieren, dass sie liegend auf dem Hintermann auch kurz „sitzen“ blieben, als Kampmann ihnen die Stühle wegzog. Er demonstrierte damit die kurze Tragleistung irdischer Fundamente im Vergleich zur Tragleistung christlichen Glaubens.

Eines der Highlights des Abends war sicherlich, ein Lied aus der „Mundorgel“ in unterschiedlichen Stilrichtungen zu „performen“, und hier zeigte Kampmann sein feines Gespür für Effekte: „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“ in vielen internationalen Versionen inklusive einer Hip-Hop-Flaschen-Orgel-Version brachte das Publikum zum Toben. Er begann mit dem Kommentar: „Die Chinesen sind politisch noch nicht so weit wie wir, ihre Mauer steht noch“ und steigerte sich nach einer bayerischen Wirtshaus-Version des Chinesen-Lieds über eine türkische, griechische und Country-Version mit passendem Outfit bis zur „Herr Bert Grönemeyer“-Nummer: Eine typisch genuschelte Grönemeyer-Coverversion mutierte zu „Gebt den Kindern den Kontrabass“. Kampmann kopierte Grönemeyer mimisch und gesanglich wie kein Zweiter. Selbst wenn er nicht spricht, als „Der Pastor“ predigte Kampmann pantomimisch und hielt dem Publikum den sprichwörtlichen Spiegel vor. Auch in seiner Rolle als „Pirat Jäck Spärro“ begeisterte er mit seiner Flaschen-Orgel, als er darauf brillant und schlagkräftig die Titelmusik zu „Flug in die Karibik“ spielte.

Egal in welche Rolle Frank Kampmann schlüpfte: Er bot Comedy, Kirchenkabarett und Musik vom Feinsten und überzeugte dabei mit seiner Darstellung christlicher Werte. Die 180 Gäste im Gemeindehaus waren bewegt und begeistert und ließen ihren Gast nicht ohne Zugabe von der Bühne.

„Friedhelm Meisenkaiser“ ist bereits seit vielen Jahren bekannt durch etliche TV-Auftritte, Kinder-Musical-Projekte und CD-Produktionen.Am Samstag kam er erneut auf Einladung der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde nach Frankenberg, die ihr 111-jähriges Bestehen feiert (FZ berichtete). Zudem begeht der Verein „Schritt für Schritt e.V.“ seinen ersten Geburtstag.

von Dorothea Wagener

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