Patzers Grüne sind Gewinner des Tages

- Frankenberg (rou). Erst mit dem Einmarsch der Grünen ist Stimmung im Sitzungssaal des historischen Frankenberger Rathauses aufgekommen. Mit einem guten Ergebnis hatten Uwe Patzer und Co. gerechnet – nicht aber mit 19,2 Prozent und der Verdoppelung der Mandate.

Wie meistens bei Wahlen waren die Vertreter der Jungen Union die Ersten, die im Rathaus die Ergebnisse verfolgten. Ihr „Chef“ Thomas Müller war jedoch schon um 18.45 Uhr bedient, als sich abzeichnete, dass die CDU im Gegensatz zu den Grünen nicht als die Siegerin der Kommunalwahl hervorgehen würde. „Da kannst du dir die Hacken ablaufen, aber wenn in Berlin einer hustet, dann...“, sagte der auf Listenplatz zehn angetretene Nachwuchspolitiker, ohne den Satz zu beenden. Ähnlich argumentierte zwei Stunden später Bürgermeister Christian Engelhardt, als die Trendmeldung vollständig war: „Die Grünen sind die Gewinner des Tages“, stellte er fest und führte weiter aus, dass der einstigen Ökopartei offensichtlich die dramatischen Ereignisse in Japan und die deutschlandweite Debatte über Atomkraft Wählerstimmen beschert haben.

Dieser Einschätzung wollte Grünen-Chef Uwe Patzer nicht widersprechen. „Wir haben von den weltpolitischen Themen profitiert.“ Doch egal wie die 19,2 Prozent zustanden gekommen seien, „das ist ein supergeiles Ergebnis“. Mit vier statt der bislang drei Mandate in der Stadtverordnetenversammlung hätten die Grünen gerechnet, sagte der vor Freude taumelnde Stadtverbandsvorsitzende, der sich 2006 über 10,8 Prozent gefreut hatte. Dass es nun sechs, vielleicht sogar noch mehr werden könnten, mache ihn einfach „überglücklich“. Die erste Trendmeldung bestätige ihn im Wahlkampfkurs seiner Partei. „Die Schlingerpolitik in Berlin und in Frankenberg kommt bei den Bürgern nicht an. Wir haben klare und eindeutige Standpunkte bezogen, zur Schweinemast und zur Biogasanlage, und sind auch nicht umgefallen.“

Diese Standfestigkeit werde er in den nächsten Tagen bei den Koalitionsverhandlungen beibehalten, sagte Patzer und verwies auf seine 110 Kilogramm Körpergewicht. Mit einem Ziehen an beiden Armen rechnet er fest. Noch müssen 51,7 Prozent der Frankenberger Stimmen ausgezählt werden, doch schon jetzt steht fest, dass die Grünen die Mehrheitsbildung im Parlament bestimmen werden.

Für eine Fortsetzung der bisherigen Koalition aus CDU, FDP und Bürgerliste wird es mit ziemlicher Sicherheit nicht reichen. Alle drei Fraktionen haben einen Sitz verloren. Die CDU bleibt stärkste Frankenberger Kraft (38,5 Prozent oder zwölf Stimmen), hat vor fünf Jahren jedoch noch 42,1 Prozent der Wählerstimmen verbucht. Die FDP ist von 6,3 Prozent auf 2,9 Prozent abgerutscht, die Bürgerliste hat nach 9,8 Prozent im Jahr 2006 diesmal nur 7,1 Prozent der Stimmen eingefahren. Den Einzug ins Parlament verpasst hat hingegen die erstmals angetretene Piratenpartei.

Denkbar ist eine Neuauflage der „Zählgemeinschaft“ der Jahre 2001 bis 2006, als die Grünen mit der FDP und der CDU zusammenarbeiteten. Uwe Patzers Fraktion könnte allerdings auch der SPD zur „Regierungsverantwortung“ verhelfen, die mit einem fast unveränderten Ergebnis von 31,2 Prozent nach wie vor auf zehn Sitze kommt. Glücklich war deren Fraktionsvorsitzender Harald Rudolph dennoch nicht. „Der Einsatz unserer Partei im Wahlkampf spiegelt sich nicht wider“, sagte er sichtlich geknickt. Zumindest mit einem Mandat mehr hatte er durchaus gerechnet.

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