Open Air Classic in Frankenberg

Mit Pauken und Kleinwagen

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Frankenberg - Auch in der zehnten Auflage haben Orchester und Chöre der Bad Arolser Christian-Rauch-Schule und der Frankenberger Edertalschule gezeigt, wozu sie fähig sind - und welch große Bandbreite Schulmusik aktuell bietet. Vor allem, wenn sie sie Unterstützer wie die Familie Beil findet.

Das eigentlich Wertvolle des Open Air Classic liegt schon zurück: Die jungen Musiker haben in ihren jeweilgen Registern Anregungen bekommen von Musikern des Kasseler Staatsorchesters. Und sie durften mit Peter Zelienka vom hr-Sinfonieorchester zusammenarbeiten, einem versierten Dirigenten, der vor allem aus den Streichern noch einmal Nuancen mehr rausgeholt hat. All das ist für junge Musiker mindestens so wertvoll wie der eigentliche Auftritt vor einer Kulisse von 1000 Zuschauern.

Diese „Zugaben“ zum normalen Schulalltag sind möglich, weil sie von der Familie Beil gefördert wurden - wie auch das gesamte Classic Open Air nur dank dieses Engagements bestehen kann. Den Wert der Veranstaltung zeigt sich darin, dass sie mittlerweile Teil des „Kultursommers Nordhessen“ ist und damit Bedeutung weit über die Stadtgrenzen hinaus genießt.

Künstlerisch und musikalisch war die von Zelienka geleitete Feuervogel-Suide der Höhepunkt des Abends, der unter dem Motto „Auf dem Weg in die Moderne“ stand. Die beiden Jugendsinfonieorchester beeindruckten mit sehr exaktem, dynamischem Spiel und boten eine begeisternde Vielfalt der Klangfarben, die sich stetig steigerte bis zum impulsiven Finale.

Zelienka hatte beide Orchester auch zur Eröffnung bei Leroy Andersons „Typewriter“ mit sehr intensivem Dirigat geleitet, die restlichen Auftritte der Orchester teilten sich deren Leiter Reiner W. Böttcher und Markus Wagener. Im Wechsel führten sie auch druchs Programm. Grandios waren die Einzelleistungen: „Jugend musiziert“-Sieger Christian Traute spielte Lars Erik Larssons Posaunenkonzert, Louise Wachsmuth - amerikanische Gastschülerin an der Christian-Rauch-Schule - lud mit zwei Harfen-Etüden zum sanften Träumen ein. Das Arolser Orchester spielte auch „A Tribute to the King“ mit den bekanntesten Melodien von Elvis Presley.

Doch es geht auch ohne Orchester: Dominik Brandenstein sang „Hanging Tree“ und erzeugte die Musik komplett aus Samples und Loops, also sich wiederholenden Schleifen. Der Abiturient hatte dieses Stück auch bei der fachpraktischen Prüfung des Musik-Leistungskurses der Edertalschule gespielt - und ließ das Konzert endgültig den „Weg in die Moderne“ einschlagen. Als Verbeugung vor Initiator Günter Beil bezogen die Schlagzeuger beider Schulen einen Renault Twingo und verschiedene Autoteile in „Music for cars“ ein: Die rhytmische Improviation der Percussiongruppe sorgte für Beifallsstürme.

Die Schüler spielten in diesem Jahr eine stärkere Rolle mit mehr eigenständigen Ideen als gewohnt. Mit „Ein Tag in der Stadt“ leitete Dennis Fundheller den Musik-Leistungskurs der ETS durch eine Minimal-Music-Komposition der Abiturienten. Unter der Leitung von Torsten Herguth präsentierte die Big Band des Frankenberger Gymnasiums „Clocks“, „Fields of gold“ und „Happy“.

Nicht nur die Orchester, sondern auch die Chöre beider Schulen hatten sich für das Freiluft-Konzert zusammengeschlossen. Matthias Müller dirigierte, sein Bad Arolser Kollege Steffen Hause begleitete am Klavier. Mit mit einem Michael-Jackson-Medley und „Lord of the dance“ läuteten die Orchester schwungvoll das Ende ein. Die Zugabe markierten die Orchester nach lang anhaltendem Beifall mit der Musiker-Hymne des Rockmusikers John Miles „Music“. Als Sänger sprang Markus Krämer für den erkrankten Christian Durstewitz ein.

Günter Beil und Markus Wagener ehrten die Konzertmeisterinnen der vergangenen Jahre seit 2006 für ihr Mitwirken. Doch nicht nur ihnen galt der Dank: „Unheimlich stolz auf Euch alle“, sagte Stefan Hermes, Leiter der Edertalschule, in seiner Begrüßung zu den Musikern.

Von Mark Adel

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