Heizen mit Holz

Pellets trotz Billig-Öl begehrt

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Energie aus Holz: Pellets sind trotz des derzeit niedrigen Ölpreises weiter auf dem Vormarsch.Foto: pr

Frankenberg - Der Preis für Heizöl ist so niedrig wie schon lange nicht mehr, der Winter - wie auch jener im vergangenen Jahr - ist ausgesprochen mild. Der Markt für Holzpellets ist deshalb unter Druck: Es wird wenig nachgetankt, neue Öfen seltener bestellt.

Um 20 bis 30 Prozent ist der deutschlandweite Markt für Pellets geschrumpft, schätzt Jürgen Busch, Vertriebsleiter bei Ante-Holz für den modernen Brennstoff. Und freut sich zugleich: „Wir selbst haben unseren Verkauf von Pellets gesteigert“.

Wie bei den meisten Produkten gebe es auch bei Pellets zwei Möglichkeiten am Markt zu überstehen, erläutert Busch: ein unschlagbarer Preis und unschlagbare Qualität. „Ante hat sich eine qualitative Differenzierung auf die Fahne geschrieben“, sagt er. Das Unternehmen produziert an zwei seiner vier Standorte Pellets – in Rottleberode in Sachsen-Anhalt sowie in Somplar. Rund 120.000 Tonnen sind es im Jahr.

Und dass die Menge gegen den Markt nicht sinkt, liegt laut Busch auch an einem neuen Produkt: Pellets in HD-Qualität. Die Anlehnung an den Premium-Standard in Film und Fernsehen ist bewusst gewählt. Durch ein neues Herstellungsverfahren erreicht Ante nach eigenen Angaben „bis zu 75 Prozent Anteil im optimalen Verbrennungsgrad“ – soll heißen: Die neuen Pellets verbrennen besonders sauber, besonders effizient. „Wir senken den CO-Ausstoß auf diese Weise um bis zu 40 Prozent“, sagt Busch. Die Energieausbeute liege bei knapp fünf Kilowattstunden pro Kilogramm Pellets. Hinzu kommen laut Busch geringere Wartungskosten: Das neue Produktionsverfahren trennt die Pellets millimetergenau ab. Das macht es den Ansaug-Anlagen leichter, das Brennmaterial aus der Kammer zu holen.

Technische Probleme – schlimmstenfalls eine Verstopfung der Anlage – sollen so verhindert werden; auch das senke Kosten. „Dieser Ansatz hat sich für uns als richtige Strategie erwiesen“, bilanziert Busch.

Doch er sieht trotz ordentlicher eigener Auftragslage das Marktumfeld schwierig: Der sinkende Ölpreis schwäche den finanziellen Vorteil von Pellets gegenüber der konventionellen Heizmethode ab. Durchschnittlich liege dieser Preisvorteil bei 30 bis 40 Prozent, schmelze aber spürbar. „Wer Pelletöfen hat, kauft natürlich auch weiterhin Pellets“, sagt Busch, „aber es werden derzeit einfach weniger Öfen gekauft“, schränkt er ein. Für den Hersteller von Holzprodukten gestaltet sich das Wachstum also deutlich langsamer.

Auch Michael Lay, Geschäftsführer des Allendorfer Baustoffhandels Balzer, berichtet von einer seit Jahren wachsenden Nachfrage nach Pelletöfen – also jenen Kaminöfen, die Zimmer beheizen können. Moderne Geräte können in die Zentralheizung mit eingebunden werden. Der momentan niedrige Heizölpreis wirke sich nicht auf die Nachfrage aus: „Da wird eher langfristig gedacht.“

Einen Einschnitt beim Verkauf der Pellets habe es im vergangenen Jahr aufgrund des milden Winters gegeben. „Insgesamt ist die Nachfrage aber anhaltend gut, weil immer mehr Leute auf Pellets umgestiegen sind.“ Deutlich gestiegen sei jüngst die Nachfrage nach Heizöl – doch der Tiefpunkt des Ölpreises sei vermutlich schon überschritten.

Jörg Schmidt, Sprecher der Allendorfer Viessmann-Werke, berichtet hingegen, wie auch Busch, von einem derzeit vergleichsweise geringem Interesse an Heizkesseln für Festbrennstoffe – also nicht nur für Pellets, sondern auch für Scheitholz und Hackschnitzel. Der Anteil von Pelletkesseln am Marktvolumen liege bei etwa fünf Prozent. Grund sei der derzeit niedrige Preis für Heizöl. „Wer eine Ölheizung hat und eigentlich investieren wollte, wartet noch mit dem Austausch“, erklärt Schmidt. Es sei aber damit zu rechnen, dass die Heizölpreise wieder steigen.

Davon geht auch Ante-Vertriebsleiter Busch aus. „Deshalb bleiben Pellets ein hochinteressanter Markt.“ Die Marktbedingungen seien derzeit nicht einfach. Dennoch sei das Unternehmen mit Pelletproduktion und -Verkauf zufrieden. 2001 stieg Ante in den Markt ein, „und wir wollen in diesem Markt weiterhin klar wachsen“.

Das will auch die Konkurrenz aus dem Ausland, die das heimische Unternehmen deutlich spüre. Für den Verbraucher sei das gut, für die Hersteller weniger, denn: „So sinken natürlich die Preise“. Da ist es sinnvoll, dass Ante nicht nur in der Region und ganz Deutschland verkauft, sondern auch auf Märkten wie Frankreich oder Italien. „Italien ist derzeit der größte Markt für Pellet-Kaminöfen“, erklärt der Vertriebsleiter. In den wärmeren Ländern gebe es oftmals keine Heizung in den Häusern, „da reicht ein Ofen im Wohnbereich zum Heizen schon aus“, sagt Busch. Und da sich Pellets und klassisches Scheitholz preislich wenig nehmen, sieht er Vorteile für das Press-Produkt: sauberere Verbrennung, automatische Zufuhr in den Ofen – und kein Hacken.

Von Malte Glotz und Mark Adel

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