Interview

Pfarrer Harald Wahl: So lassen sich Christi Himmelfahrt und Vatertag verbinden

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Vater und Sohn mit Familienportrait im Garten: Harald Wahl sitzt mit seinem 18-jährigen Sohn Johannes auf der Holzbank, die Ehefrau Henriette Quapp-Wahl ihm zum 20. Hochzeitstag geschenkt hat. Es fehlen die anderen vier Kinder Jonathan (16), Charlotte (13), Pauline (9) und Josephine (7).

Frankenau. Heute verbringen viele Familien gemeinsam den Feiertag: Die einen feiern Vatertag, die anderen Christi Himmelfahrt – oder beides. Wir sprachen mit Harald Wahl, Pfarrer von Frankenau, darüber, ob der christliche Hintergrund des heutigen Tages heutzutage überhaupt noch eine Rolle spielt.

Zudem sprachen wir darüber, welche Bedeutung Väter in unserer Gesellschaft heute haben und wie er seine Rolle als fünffacher Vater interpretiert.

Herr Wahl, wie feiern Sie als Vater mit ihren Kindern Vatertag?

Wahl: Wir feiern Christi Himmelfahrt als fröhlichen Tag mit der ganzen Familie auf der Quernst. Wir frühstücken morgens schön, dann packen wir unsere Sachen. Seit vielen Jahren, seit es die Quernst-Kapelle im Nationalpark gibt, feiern wir dort oben den Familiengottesdienst, zwei unserer Kinder spielen im Posaunenchor mit.

Und wie feiern Sie diesen Tag als Pfarrer?

Wahl: Für gewöhnlich mit einem Himmelfahrts-Gottesdienst, damit meine ich die vielen Gottesdienste, die an schönen Orten als Freiluftgottesdienste auf Bergen und an Bächen, in Gärten und in Parks stattfinden. Das Schöne ist: Ob bei Hagel oder Sonnenschein, wir feiern bei jedem Wetter auf der Quernst.

Haben Sie das Gefühl, dass der Feiertag nur noch als Anlass zum Feiern und "Saufen" genutzt wird?

Wahl: Es gibt sicher Bewegungen, bei denen der Tag als Tag mit ganz erhöhtem Alkoholkonsum missbraucht wird. Doch im ländlichen Raum ist die Tradition stärker geworden, Christi Himmelfahrt zu feiern. Seitdem kommen auch mehr Jugendliche dazu. Aber die Väter können auf der Quernst nach dem Gottesdienst herzlich gerne einen Frühschoppen machen und fröhlich sein.

Spielt der christliche Hintergrund, die Rückkehr Jesu zu seinem Vater 40 Tage nach Ostern, überhaupt noch eine Rolle? 

Wahl: Ja, denn Christi Himmelfahrt kann als Vatertag gedeutet werden. Religionsphänomenologisch ist Christi Himmelfahrt die Wiedervereinigung des aus sich selbst in der Gestalt eines Menschen herausgegangenen Gottes zum Zeichen des Glaubens. Vatertag so verstanden heißt: Jesus kehrt zum himmlischen Vater heim, schenkt mir eine himmlische Hoffnung und Glaubensfreude zum Leben.

Was ist Ihre Einschätzung zur Rolle des Vaters in unserer Gesellschaft: Fehlt Kindern, die erst im Kindergarten und dann in der Grundschule vor allem mit Erzieherinnen zu tun haben, die männliche Vorbild- und Bezugsperson? 

Wahl: Selbstverständlich fehlen sie: Sowohl in der Krippe als auch in den Kindertagesstätten. Wir hatten vor kurzem einen Praktikanten in unserem Kindergarten. Wir merken an der Reaktion der Kinder, wie stark sie sich an der männlichen Person orientieren. Ein anderes Beispiel: Wir hatten mal einen Hausmeister, der hat Spielzeug repariert hat. Da waren Mädchen und Jungen um ihn herum, die sich an ihm orientiert haben. Aber sie fehlen besonders händeringend in Familien, wo der Vater nicht vorkommt oder nicht präsent ist.

Von Nina Nickoll

Wie Pfarrer Wahl die Bedeutung des Vaters für die Erziehung in Zeiten von Patch-Work-Familien und immer mehr Alleinerziehenden beurteilt und welche "Vaterrolle" er bei seinen Kindern erfüllen will, lesen Sie in der gedruckten Donnerstagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine/HNA Waldeckische Allgemeine.

Termin: Himmelfahrtsgottesdienst heute auf der Quernst bei Frankenau, Beginn 11 Uhr.

Quelle: HNA

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