Frankenberger und Schreufaer Seelsorgerin wechselt nach Marburg

Pfarrerin Caroline Miesner am Sonntag verabschiedet

Frankenberg-Schreufa. - Die beliebte Pfarrerin Caroline Miesner wurde am Sonntag vion ihrer Kirchengemeinde in Schreufa verabschiedet.

Frankenberg-Schreufa. In der kleinen, schmucken Fachwerkkirche, Baujahr 1690, wurde am Sonntag Abschied gefeiert, ohne Tränen aber mit einem Hauch von Wehmut: Pfarrerin Caroline Miesner verlässt die Kirchengemeinde nach sechs Jahren bester Zusammenarbeit und frönt fortan theologischen Wissenschaften in Marburg. Das Dorf der Nuhne-Gänse lässt sie nur ungern gehen. In ihrer letzten Predigt definierte Miesner die Kirche als Gebäude und als Ort der Freude und Geborgenheit „mitten im Dorf“. Kirche, das seien aber auch die Menschen, die hier zusammenkommen. „Jeder Stein ist anders, doch jeder Stein wird gebraucht – und Jesus wird zum Eckstein, denn er ist der Grund unserer Hoffnung“. Ein Pfarrerwechsel schade deshalb nichts, denn es komme auf die Lebendigkeit der Gemeinde an „und nicht so sehr auf den theologischen Experten“. Dessen ungeachtet sei die dankbar, „dass Schreufa meine erste Gemeinde war“. Sie habe hier eine lebendige, offenen und erlebnisfähige Gemeinde vorgefunden: „Eine Zeit, in der ich glücklich war.“ – Kirchenvorstandsmitglied Marlene Duda unterstich, Caroline Miesner habe die Herzen der Schreufaer erobert, der Großen und der Kleinen, der Kranken und der Trauernden. Sie habe die Vereine miteinbezogen und auch die Finanzen sorgfältig verwaltet. Dekanin Petra Hegmann betonte, Abschied und Neuanfang gehörten zum Leben: „Caroline Miesner hat gut zu uns gepasst, wir verlieren sie ungern.“ Sie stets Einsatzbereitschaft gezeigt, über ein hohes Maß an theologischer Reflektion verfügt und Organisationstalent bewiesen. Anschließend wurde die Scheidende gesegnet und aus ihren Pflichten in Schreufa und Frankenberg entlassen. Vor der Kirchentür musste die Miesner viele Hände schütteln und immer wieder beteuern, dass man sich nicht aus den Augen verlieren wolle. Bei einem Empfang im Dorfgemeinschaftshaus präsentierte der Männergesangverein unter Dirigent Günter Retzlig Liedvorträge, unter anderem „Das ist der Tag des Herrn…“ Pfarrer Holland-Letz würdigte die Arbeit seiner Kollegen im Namen des Gesamtverbands: „Sie war eine Pfarrerin der leisen Töne, die sich aber sehr gut durchsetzen konnte.“ Dann stellte sich ein „Projektchor“ aus Pfarrern und Kirchenvorständen; an der Gitarre Holland-Letz. Der „Abschieds-Song für Caroline“ traf voll ins Schwarze – großer Beifall im Saal. Grußworte sprachen Pfarrerin Felicitas Wickert von der Pfarrkonferenz, Erster Stadtrat Willi Naumann, Gisela Eurig von der „Frankenberger Tafel“ und der langjährige Ortsvorsteher Fritz Dehnhardt.Musikalisch Umrahmt wurde die kirchliche Feier vom Frankenberg Flötenkreis unter der Leitung von Eva Jerrentrup und dem Frankenberger Posaunenchor, an der Orgel spielte Kantor Daniel Gárdonyi. Willkommen geheißen wurde auch die frühere Dekanin Ute Zöllner, die inzwischen in Kassel lebt. (gi-)

Pfarrerin Caroline Miesner hat ihren verantwortungsvollen Beruf stets mit der nötigen Ernsthaftigkeit, aber auch mit Freude erfüllt. Der Funke zur Gemeinde sprang von Anfang an über. Fünf Fragen an die scheidende Sympathieträgerin.

  1. Bei Ihrer Antrittspredigt im Mai 2006 sagten Sie: „Ich freue mich auf Begegnungen, um Neues zu entdecken und Menschen kennen zu lernen. […] Ich wünsche mir, dass ich die verborgenen Möglichkeiten sehe.“ Haben sich diese Wünsche erfüllt?

Ja, ich denke schon. ‚Alles wirkliche Leben ist Begegnung‘, sagte Martin Buber. Und ich habe in den sechs Jahren viele interessante, bewegende und bereichernde Begegnungen gehabt. Sicher werde ich mit einer ganzen Reihe von Gemeindegliedern auch weiterhin Kontakt haben. Was die verborgenen Möglichkeiten betrifft, so konnte ich durchaus neue Dinge versuchen. Besonders habe ich mich übers Zustandekommen der Krabbelgottesdienste in Schreufa gefreut, aber auch darüber, dass sich in meinem ersten Konfirmandenjahrgang erstmals Jugendliche fanden, die die Jugendleiter-Card gemacht und sich zu kompetenten, ehrenamtlichen Mitarbeitern haben ausbilden lassen. Und ich war auch froh darüber, dass unter der Koordination von Dekanin Zöllner die Frankenberger Tafel entstanden ist, und ich mitwirken konnte.

  1. Was war Ihre größte Herausforderung in einem Dorf und einer Kleinstadt?

Egal ob Dorf, Klein- oder Großstadt, die größte Herausforderung einer Pfarrerin ist es, den Menschen, gerecht zu werden und so zu predigen, dass es verständlich ist und in die jeweils aktuelle Situation spricht. Die damalige Dekanin Ute Zöllner sagte bei Ihrer Einführung: „Anfängerinnen dürfen auch mal Fehler machen.“ Ist Ihnen das auch mal passiert?Ja, durchaus, zum Beispiel in der Liturgie. Ich erinnere mich noch an einen Gottesdienst in der Liebfrauenkirche, in dem Küster Koch beim Lied vor der Predigt zu mir nach vorne kam und fragte: „Sprechen wir den heute gar kein Glaubensbekenntnis?“ Das haben wir natürlich schleunigst nachgeholt. Fehler zu machen, ist notwendig, um zu lernen. Und wer sich seiner Fehler bewusst ist, kann gnädiger mit den Fehlern Anderer umgehen…

  1. Was werden Sie am meisten vermissen, und was wird ihnen fehlen?

Die Arbeit mit den Menschen und die schönen Kirchen in Frankenberg und Schreufa.

Die kleine Johanna hat in Frankenberg das Laufen gelernt. Ein „Meilenstein“ für die ganze Familie?

Ja, auf jeden Fall. Es ist wirklich schön zu beobachten, wie ein Kind die ersten Schritte macht. Es gibt viele schöne Familienerinnerungen, die sich mit Frankenberg verbinden. Etwa die Erinnerung an unsere Hochzeit, an Johannas Taufe in Schreufa oder an den Moment, in dem wir mit ihr aus der Klinik nach Hause gekommen sind und sie das erste Mal in der alten Wiege geschlafen hat, die mir eine Kirchenvorsteherin ausgeliehen hatte. Ein wenig erschöpft habe ich dann zur Zeitung gegriffen und konnte mich über Mones-Kolumne freuen, in der er Johanna als neue Frankenbergerin begrüßt wurde...

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