Barbara Geisse aus Reddighausen ist ehrenamtliche Pflegebegleiterin im Marburger Hinterland

Sie hat ein Ohr für die Pflegenden

Ortstermin bei Familie Scheld: Pflegebegleiterin Barbara Geisse (links) fragt nach, wie geholfen werden kann. Foto: Wegst

BIEDENKOPF/Reddighausen. Barbara Geisse aus Reddighausen kann gut zuhören. Und sie weiß, was Pflege bedeutet. Fast zehn Jahre lang hat sie ihre an Alzheimer erkrankte Mutter betreut. Heute ist sie ehrenamtliche Pflegebegleiterin im Marburg-Biedenkopfer Hinterland.

Ortstermin bei Familie Scheld in Biedenkopf-Eckels-hausen: Barbara Geisse sitzt mit Gertrud Scheld (71) am Küchentisch. Heute morgen ist der 75-jährige Ehemann gestürzt. Sein Knöchel scheint verstaucht zu sein. Vielleicht braucht er in Zukunft einen Rollator für die Spaziergänge.

Seit drei Jahren pflegt Gertrud Scheld ihren an Demenz erkrankten Ehemann Herbert. Seitdem kann sie sich nicht mehr so wie früher mit ihrem Mann unterhalten: „Ich muss jetzt immer für zwei Menschen denken und organisieren“, sagt die 71-Jährige. Mit Barbara Geisse zu sprechen, tue ihr gut.

Schließlich kommt Gertrud Scheld selbst kaum noch aus dem Haus. Sogar ihren geliebten Chor musste sie in den vergangenen Monaten dauernd ausfallen lassen. Sie selbst ist nämlich auch nicht gesund. Seit einer Operation im vergangenen Sommer stecken zehn Schrauben in ihrem Rücken. Barbara Geisse besuchte sie im Krankenhaus.

Sie kommen nur auf Wunsch

Die 58-jährige Buchhalterin gehört zu den 28 ehrenamtlichen Pflegebegleitern im Kreis Marburg-Biedenkopf. Unter Trägerschaft der Alzheimer- Gesellschaft Marburg-Biedenkopf entlasten sie allerdings nicht durch Mithilfe bei der Pflege. Die durch eine Schulung vorbereiteten Freiwilligen kümmern sich als persönliche Ansprechpartner um die pflegenden Angehörigen. Freilich wird das kostenlose Angebot niemandem aufgedrückt. Die Pflegebegleiter kommen nur auf Wunsch.

„Am wichtigsten ist das Zuhören und Wertschätzen“, sagt die Geschäftsführerin der Alzheimer-Gesellschaft, Angela Schönemann. Schließlich seien die meisten Menschen nicht darauf vorbereitet, dass Familienmitglieder pflegebedürftig werden: Der Partner ist nicht mehr so wie vorher. Pflegedienste, medizinische Hilfe, Fahrten und Finanzen müssen organisiert werden. Wenn dann noch Konflikte in den Familien aufbrechen, kommen viele Pflegende an ihre Grenzen.

Schließlich seien viele sehr isoliert, erzählt Schönemann. Freunde und Bekannte ziehen sich oft zurück. Und die Pflegenden haben kaum Zeit, etwas zu unternehmen. Da hilft es, mit den Pflegebegleitern zu sprechen: „Für die Angehörigen ist es gut zu wissen, dass es jemanden gibt, den man anrufen kann, wenn es brennt“, erklärt Projektinitiatorin Heide Sänger. Zudem kennen sich die Pflegebegleiter gut aus. Bei praktischen Problemen können sie Tipps geben oder bei der Formulierung von Anträgen helfen. Sie wissen von Angehörigen-Cafés, Info-Nachmittagen und Betreuungsgruppen.

Und sie machen Mut, damit die Pflegenden „nicht im Jammertal versinken“. Sie ermuntern dazu, neue Dinge auszuprobieren. Es gebe auch noch schöne Stunden mit den Kranken, weiß Heide Sänger. Zugleich bräuchten die Angehörigen Zeit für sich selbst. So war Gertrud Scheld kürzlich seit langem wieder bei einem Konzert. Den Anstoß gab Pflegebegleiterin Barbara Geisse.

Von Gesa Coordes

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare