Hatzfelder Unternehmen Geo-Bohrtechnik gräbt sich so tief in die Erde wie nie zuvor

Der Planet liefert die Wärme für das Eigenheim

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Der Geschäftsführer der Geo-Bohrtechnik aus Hatzfeld, Nicolai Weber, präsentiert die Sonde, die in das Bohrloch eingelassen wird. Foto: Marco Steber

Hatzfeld - Die Bohrtechnik hat sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt. Neue Techniken ermöglichen schnelleres und umweltfreundlicheres Bohren. Das Hatzfelder Unternehmen Geo-Bohrtechnik hat dafür einiges investiert.

Pro Jahr eine Strecke von 40 Kilometern: Das ist nicht nur die ungefähre Entfernung von Frankenberg nach Marburg, sondern auch die Strecke, die die Bohrer des Hatzfelder Unternehmens Geo-Bohrtechnik in dieser Zeit in die Tiefe Bohren.

180 bis 200 Mal schicken die Mitarbeiter der Firma Bohrköpfe ins Erdreich, sagt Geschäftsführer Nicolai Weber. Auf einer Baustelle in Gladenbach geht es gleich dreifach 140 Meter in die Tiefe. Vor einigen Wochen sind die Bohrer des Unternehmens in einem Testlauf rund 350 Meter ins Erdreich vorgedrungen - dabei sei durchaus noch mehr drin gewesen, berichtet Weber.

Doch wozu sind die Bohrungen überhaupt gut? Das Zauberwort lautet: Erdwärme. Diese bietet dem Kunden die Möglichkeit, die eigene Wärmeversorgung und damit die Versorgung mit Warmwasser kostengünstiger zu gestalten. „Wenn die Anlage korrekt ausgelegt wird, lassen sich mindestens 50 Prozent im Vergleich zu einer normalen Öl- oder Gasheizung einsparen. „Die Energie kommt vom Erdkern“, sagt Weber. Die Quelle der Bohrung spielt dabei eine wichtige Rolle. Die Bohrpunkte werden anhand geologischer und hydrogeologischer Karten ermittelt. Mit Hilfe des Untergrund-Profils kann ermittelt werden, wie viel Energie dem Boden entnommen werden kann.

„Die Leute glauben, bei festem Untergrund würde eine Bohrung nicht funktionieren“, sagt Weber. Dabei stimmt das nicht: Das Bohrgestänge muss schließlich nicht nur in die Erde, sondern auch wieder heraus, um anschließend eine Sonde einzuführen. Ist der Untergrund weich, besteht die Gefahr, dass Kies oder Sand in das Bohrloch - den sogenannten Ringraum - einfällt. Dann muss entweder nachgebohrt werden, oder ein Schutzrohr kommt vorbeugend zum Einsatz.

Ist das Loch gebohrt, wird die Sonde eingeführt. Die Sonde ist ein sogenannter Wärmetauscher, der aus einem hoch rissfesten Kunststoff-Rohrbündel besteht: Zwei Leitungen führen in das Erdreich und zwei zurück an die Oberfläche. Die Sonde nimmt die Hitze des Planeten auf. Ist sie im Boden, dann wird der Ringraum mit einem speziellen Tonzement von unten nach oben verfüllt.

Während des Bohrvorgangs werden alle drei Meter Proben des Untergrunds entnommen - als Schlamm: Im Wasser, dass während der Bohrung verwendet wird, spült die Proben an die Oberfläche. Früher seien Hammerbohrungen mit Hilfe eines Kompressors üblich gewesen, sagt Weber. Heute setze das Unternehmen auf Spühlbohrungen. Diese seien ökologischer und auch günstiger: Für eine Bohrung genügt ein Baucontainer voller Wasser.

Das Wasser wird durch eine Pumpe zum Bohrloch geführt und fließt anschließend wieder zurück in den Container. Der Bohrschlamm setzt sich im Container ab. Sind die Bohrungen beendet, wird das Wasser erst wieder in das Kanalnetz eingepumpt, wenn sich der gesamte Bohrschlamm abgesetzt hat. Dies geschehe auch in Absprache mit dem Kanalnetzbetreiber.

Nicolai Weber bietet nicht nur Bohrungen an, sondern übernimmt auch die Behördengänge für seine Kunden. Ein Festpreis gibt dem Kunden Planungssicherheit.

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle sowie KfW-Bank bieten für Nutzer von Geothermie günstige Kredite. Weber rät seinen Kunden, sich über Fördermöglichkeiten zu informieren. Bei Altbauten sollten sich die Kunden ebenfalls darüber im Klaren sein, dass der Garten durch das schwere Gerät in Mitleidenschaft gezogen werden kann.

Denn schwer ist die Technik seit jeher - auch wenn Nicolai Weber sie stets auf dem neuesten Stand hält. In den vergangenen Jahren hat der Unternehmer viel investiert: Zwei neue Bohrgeräte stehen ihm seit September vergangenen Jahres zu Verfügung. Am liebsten setzt er sie bei Neubauten ein - denn dann zerstören sie auch keine seit Jahren liebevoll gepflegten Gärten. (ste)

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