Frankenberg

Podiumsdiskussion der Frankenberger SPD über die Biogasanlage

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- Frankenberg (-sg-). In der knapp dreistündigen, sachlichen Diskussion tauschten Gegner und Befürworter Argumente aus.

Drohen Staus und Verkehrsunfälle auf der Kreisstraße 117? Wie groß ist die Gefahr durch Bakterien? Müssen bunte Wiesen Mais-Monokulturen weichen? Eine lebhafte Debatte über die geplante Biogasanlage nahe der Burgwald-Kaserne entwickelte sich am Donnerstag Abend bei der Podiumsdiskussion „Biogasanlage – erneuerbare Energien im Fokus“ des SPD-Ortsvereins. Die etwa 90 Besucher in der Ederberglandhalle löcherten vier Fachleute mit kritischen Fragen. Zuvor gab das Quartett jedoch eine Einführung. Dr. Walter Stinner stellte das 2008 gegründete und dem Bundesumweltministerium unterstellte Deutsche Biomasse-Forschungszentrum in Leipzig vor, das forscht, Ergebnisse bündelt und weltweit berät. Schwerpunkte seien Bioenergiesysteme, die Erzeugung von Biogas und Biokraftstoffen sowie die Verbrennung und Vergasung von Biomasse. Ausdrücklich sagte er nichts zur Frankenberger Anlage, da er Faktoren wie das Verkehrskonzept und die heimischen Anbaustrukturen nicht kenne. – Der Geschäftsführer der Frankenberger Energiegesellschaft, Karl-Heinz Schleiter, stellte die EGF als modernen „Energiedienstleister“ vor. Wie berichtet, will sie mit dem Waldeck-Frankenberger Maschinenring und einem Industriebetrieb die Anlage bauen und betreiben. Drei Standorte kämen in Frage: im Westen Röddenaus, zwischen Röddenau und Frankenberg und der an der Kaserne, der auch der beste sei. Rund 90 Vertragslandwirte aus Frankenberg, Frankenau, Burgwald, Haina, Rosenthal und Allendorf sollen auf rund 480 Hektar Mais, Getreide und „Ganzpflanzensilage“ anbauen und der Anlage liefern. Die Preise würden nach der Entwicklung der Rohstoff- und Energiepreise festgelegt, sagte Schleiter – „mit einem Deckel nach oben und unten“. Auf seinem Hof in Friedrichshausen laufe schon seit 20 Jahren eine Biogasanlage, dennoch habe er sich der Bürgerinitiative „Biogasfreie Familienstadt“ angeschlossen, sagte Ernst van Bentum. Gründe: Die Milchviehbetriebe befürchteten höhere Pachtpreise für Land, wenn für die geplante Anlage mehr Energiepflanzen angebaut werden. Die Gefahr von Mais-Monokulturen drohe, was Wildschweine und Ratten anlocke, während die Artenvielfalt sinke. Es gebe Verkehrsprobleme wegen der Anlieferung, Anwohner befürchteten zudem sinkende Immobilienpreise. Und die Anlage laufe nicht klimagasneutral. Für die Landwirte biete die Anlage die Chance, andere Pflanzen anzubauen und sie anderes zu vermarkten, sagte der Geschäftsführer des Kreisbauernverbands, Matthias Eckel. Die Belieferung der Anlage könne den Betrieben Arbeitsspitzen nehmen, Fruchtfolgen entzerren und ein breiteres Anbauspektrum eröffnen. Daher scheine das Angebot lukrativ, die Anlage sei „eine Chance für die Region und für die Landwirte“. Er gehe nicht davon aus, dass die Milchviehhaltung durch sie beeinträchtigt werde. Außerdem hält er es für denkbar, dass sich durch Gesetzesänderungen auf den Höfen kleinere Biogasanlagen rechneten, die Gülle verwerten. Für die würden keine Anbauflächen benötigt.Der Moderator der Runde, der Agrarwissenschaftler Dr. Hendrik Sommer, stellte Rahmenbedingungen wie das Erneuerbare-Energien-Gesetz oder das integrierte Energie- und Klimaschutzprogramm der Bundesregierung vor. Er verwies auf den kleinen Anteil, den die Abgaben für erneuerbare Energien am Strompreis ausmachten. Für Frankenberg mahnte er ein Gesamtkonzept der Energieversorgung an, um die Klimaziele vor Ort erreichen zu können.

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