Frankenberg

Polizei setzt Blendgranate ein: Festnahme auf Supermarkt-Parkplatz

- Frankenberg (r). Was war das denn, fragten sich am Donnerstagmittag etliche Frankenberger: Ein lauter Knall schallte durch die Stadt. Eine Explosion? Die Polizei beantwortete erst am Freitag die Frage: Bei der Festnahme von drei mutmaßlichen Bandenmitgliedern kam eine Blendgranate zum Einsatz.

Spektakulärer Polizeieinsatz am helllichten Tag auf dem Parkplatz vor dem Aldi-Markt in der Ruhrstraße. Nach dem Einsatz eines „kriminaltaktischen Ablenkungsmanövers“ nahm die Marburger Kriminalpolizei um 13.45 Uhr drei polizeibekannte Männer fest. Nach Auskunft des Marburger Polizeisprechers Martin Ahlich leisteten sie keinen Widerstand. Entgegen anderslautenden Gerüchten seien bei der Festnahme auch keine Schüsse gefallen.

Die drei Männer stehen nach Polizeiangaben unter dem dringenden Verdacht, gemeinschaftlich als Bande seit mindestens Mai diesen Jahres „fortgesetzt und gewerbsmäßig Ladendiebstähle begangen zu haben“. Sie sollen dabei grundsätzlich alles gestohlen haben, „was sie bekommen konnten“.

Nach der Festnahme durchsuchten die Beamten die Wohnungen der drei Männer und stellten dabei neuwertige, verpackte Waren im Gesamtwert von mehreren Tausend Euro sicher. Am Freitag sollten die Tatverdächtigen dem Haftrichter vorgeführten werden.

Zeugen aus vorangegangenen Ladendiebstählen hatten die Fahnder der Marburger Kriminalpolizei auf die Spur der in Gladenbach wohnenden Tatverdächtigen gebracht. Martin Ahlich: „Die Ermittlungen ließen sehr schnell den Verdacht aufkommen, dass die nicht berufstätigen Männer sich durch fortgesetzte und gewerbsmäßige Diebstähle finanzieren.“ Die Kripo brachte unter anderem in Erfahrung, dass alle Drei abwechselnd seit Mai wöchentlich ein bis zwei knapp 20 Kilogramm schwere Pakte nach Georgien verschickt haben. Ein solches Paket beschlagnahmte die Polizei: Es enthielt neue und originalverpackte Waren, offensichtliches Diebesgut, im Wert von fast 800 Euro.

Eine Observation der Männer erhärtete den Verdacht. Am Donnerstag besuchten sie zunächst einen Lebensmitteldiscounter in Dautphe, dann zwei weitere Märkte in Allendorf-Battenfeld und schließlich unmittelbar vor der Festnahme erneut zwei Geschäfte der gleichen Ketten in Frankenberg. Die Männer gingen nach Polizeiangaben dabei sehr professionell und arbeitsteilig vor und verloren dabei nie den Kontakt zueinander. Sie verließen keinen Laden, ohne eine Kleinigkeit zu kaufen. Zuvor hatten sie sich ihre speziell für den Diebstahl hergerichtete Kleidung mit vielen Taschen, weiten Ärmeln und gegen ein Durchfallen gesichertes Innenleben mit allem möglichen, vorwiegend aber teuren Hygienemitteln und Drogerieartikeln vollgestopft. Die Beute leerten sie dann ungeniert an dem abseits des Parkplatzes geparkten Auto.

Bei der Festnahme in Frankenberg stellten die Beamten Waren im Wert von annähernd 300 Euro sicher. Ein gefundener „Spickzettel“ enthielt insgesamt elf Anschriften der bevorzugten Läden eines Lebensmitteldiscounters in Mittelhessen, Nordhessen und im Westerwald. Die Marburger Kriminalpolizei hat keine Zweifel, dass die Festgenommenen vorhatten, genau diesen Geschäften am gestrigen Freitag einen Besuch mit dem alleinigen Ziel abzustatten, Ladendiebstähle zu begehen.

Bei ihren Vernehmungen hüllten sich die Männer ins Schweigen und machten von ihrem Recht Gebrauch, sich nur über einen Anwalt zu äußern. Die Ermittlungen dauern laut Polizeisprecher Martin Ahlich an.

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