Frankenberg

Polizei warnt vor dubiosem Branchenbuch

- Frankenberg (jos). Zahlreiche Gewerbetreibende im Landkreis haben in diesen Tagen offenbar Post von der „Gewerbeauskunft-Zentrale“ bekommen. Die Polizei warnt vor diesem Unternehmen und rät dazu, den Brief einfach wegzuwerfen.

Das massenhaft per Post versandte Anschreiben der „Gewerbeauskunft-Zentrale“ erwecke auf den ersten Blick den Eindruck eines amtlichen Schreibens, erläuterte Polizeisprecher Volker König auf WLZ-FZ-Nachfrage. Die Adressaten sollen offenbar denken, sie halten einen Brief der staatlichen Arbeits- oder Gewerbeaufsicht in den Händen. In Wirklichkeit handele es sich aber um ein dubioses Angebot eines Gewerbebetriebs, so König. Sein Ratschlag deshalb: sofort in den Papierkorb mit dem Schreiben. Das empfiehlt auch Gerhard Brühl, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Schon seit Längerem hat er immer mal wieder mit der „Gewerbeauskunft-Zentrale“ zu tun. Denn über die Innung erhalten Mitgliedsbetriebe Tipps, wie sie aus dem Vertrag mit dem dubiosen Anbieter eines Internet-Branchenbuchs wieder herauskommen können. Grundsätzlich habe die Kreishandwerkerschaft durchaus Erfolge aufzuweisen, was die Kündigung des Vertrages angeht. Aber, so Brühl: Wer einmal unterschrieben hat, komme so einfach nicht wieder aus der „Falle“ heraus. Und der Schaden beträgt dann rund tausend Euro. Das Prinzip funktioniert so: Auf der Vorderseite des Schreibens werde der Anschein der Gebührenfreiheit erweckt, so Polizeisprecher König. Die Daten des Gewerbebetriebs sind bereits eingetragen, die Adressaten sollen bloß noch eine Unterschrift leisten und das Papier an eine kostenlose Faxnummer senden. Erst die Rückseite mache klar, wo das Problem liegt. Denn dort steht geschrieben, dass der Adressat einen 24-Monats-Vertrag eingeht und für einen Eintrag in einem Internet-Branchenbuch unterm Strich knapp tausend Euro zahlen muss. „Wer das Schreiben ausfüllt und zurückschickt, der geht einen Vertrag ein“, warnt Polizeisprecher König. Verschiedene Gerichte hätten das Vorgehen der „Gewerbeauskunft-Zentrale“ unterschiedlich gewertet. „Es ist eine rechtliche Grauzone“, erläutert König. Ob es sich um Betrug handle oder nicht, diese Frage sei nicht eindeutig zu beantworten. Entsprechende Ermittlungen habe die Polizei in Waldeck-Frankenberg bislang noch nicht aufgenommen. Wer den Vertrag in den vergangenen Tagen unterschrieben hat, dem rät König dringend dazu, vom allgemeinen Widerrufsrecht Gebrauch zu machen. Danach darf der Verbraucher innerhalb von 14 Tagen von dem Vertrag zurücktreten. Sollte es dafür schon zu spät sein, verweist König an die zuständige Handwerkskammer oder rät dazu, sich Hilfe bei einem Anwalt zu suchen. Hinter dem zweifelhaften Angebot steckt laut Impressum der Internetseite www.gewerbeauskunft-zentrale.de ein gewisser Sebastian Cyperski mit einer GWE-Wirtschaftsinformations GmbH in Düsseldorf. Cyperski ist im Internet kein Unbekannter. In diversen Foren wird vor dem Angebot gewarnt, auch im Fernsehen gab es unlängst einen Beitrag.Berichtet wird auch, dass Gewerbetreibende, die zunächst nicht auf das Schreiben reagiert haben, teilweise mit einem zweiten Brief „erinnert“ worden sind. Vom Briefumschlag bis zum Barcode und dem Adressfeld soll dieses Schreiben offenbar wiederum Eindruck schinden – denn es ist wie eine behördliche Mahnung aufgemacht. Und wiederum gilt der Rat von Polizei und Kreishandwerkerschaft: wegwerfen und bloß nicht antworten.

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