Vorwurf: Mit Schlagstock mehrfach zugeschlagen

Polizeibeamter wegen Körperverletzung angeklagt

Frankenberger Land. Wegen Körperverletzung muss sich ein 34 Jahre alter Polizist vor Gericht verantworten. Er soll einen 16-Jährigen mit einem Schlagstock im Gesicht verletzt haben.

In dem Verfahren, in dem sich ein 34 Jahre alter Polizeibeamter wegen Körperverletzungen gegen einen 16 Jahre alten Jugendlichen vor Gericht verantworten muss, kommt es immer doller: Hatte der Angeklagte am 10. Februar einen Ortstermin mit rund 20 Beteiligten platzen lassen, weil er angeblich mit seiner Freundin kochte - das Telefon sei wegen Schwierigkeiten mit dem Internet abgeschaltet gewesen - so tischte er beim fünften Fortsetzungstermin dem Frankenberger Amtsgericht einen völlig anderen Tatort auf.

Er habe sich die Örtlichkeiten noch einmal angeschaut und sei zu dem Ergebnis gekommen, dass sich die handgreifliche Auseinandersetzung mit dem 16-jährigen Jugendlichen nicht im Bereich Mühlenweg/Wiesenweg zugetragen habe, sondern vielmehr in den Straßen Am Mühlrain/Am Niederfeld, sagte der Angeklagte am Mittwoch. Selbst seinen Verteidiger hatte er erst am Morgen der Sitzung mit dieser Version konfrontiert.

Der ansonsten durchaus wortgewandten Staatsanwältin Kerstin Brinkmeier fehlten „ein bisschen die Worte“. Brinkmeier: „Von einem Polizeibeamten so eine Nummer - das ist schon ein starkes Stück!“

Vorgeworfen wird dem 34 Jahre alten, inzwischen versetzten Polizeibeamten, dass er am 22. Oktober 2012 einem damals 16-Jährigen mit einem Schlagstock mehrfach ins Gesicht geschlagen haben soll (HNA berichtete).

Eine Gruppe Jugendlicher soll zuvor, offensichtlich mit Alkohol im Blut, Straßenschilder und Leuchtpfosten in Röddenau aus der Verankerung gerissen haben. Als der 16-Jährige von Polizeibeamten durchsucht werden sollte, riss er sich los und versuchte zu flüchten. Danach gab es ein Handgemenge. Der Polizist gab an, selbst geschlagen und getreten worden zu sein. Ob eine Verletzung am Kopf des Jugendlichen durch den Schlagstock oder einen anderen Gegenstand ausgelöst wurde, ist umstritten. Die bisher vernommenen Zeugen konnten überwiegend wenig zur Aufklärung beitragen.

In dieses Bild passte auch ein 22-Jähriger, der am am Mittwoch vernommen wurde. Er berief sich zunächst auf sein „sehr gutes Gedächtnis“, konnte sich sogar an die Marke der Flasche Wodka-Feige erinnern, die er für sich und die anderen Jugendlichen gekauft hatte. Der 22-Jährige behauptete, das mutmaßliche Opfer „seit einem Dreivierteljahr nicht mehr gesehen“ zu haben. „Nein, eigentlich nicht“, antwortete er auf die Nachfrage von Richterin Andrea Hülshorst, ob er in letzter Zeit „irgendwie Kontakt“ mit dem mutmaßlichen Opfer gehabt habe.

Beide sollen nach Angaben des Angeklagten jedoch vor etwa vier Wochen an einer Tankstelle zusammen gesehen worden sein. Weiterhin standen beide am 29. Juli 2014 in wegen anderer Delikte vor Gericht.

Das Verfahren wird mit einem erneuten Ortstermin am 4. März fortgesetzt. (off)

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Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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