Truhen aus der Vergangenheit

Prachtvolle Truhen wiederentdeckt

Barbara Betz-Böttner hat nach historischer Technik der Truhenmaler Miniaturen von Truhen angefertigt, die sie zum Verkauf anbietet – die Originale hingegen sind unverkäuflich.Fotos: vk

Frankenberg - In Gesindetruhen haben fleißige Mägde ihr Hab und Gut aufbewahrt. Heute sind die früheren Alltagsgegenstände selten geworden. Ganz besondere Exemplare gibt es in Schreufa zu bestaunen.

Aus der Zeit, als in Hessen Mägde ihre Wertsachen in kleinen, schmuckvoll bemalten Holztruhen zu ihrer ersten „Stellung“ in Bauernhäusern transportierten, stammen die Gesindetruhen. Das Viermündener Künstlerpaar Stephan­ Böttner und Barbara Betz-Böttner hat diese Truhen, die in großen Stückzahlen in Thüringen produziert und nach Hessen eingeführt wurden, wiederentdeckt und zu sammeln begonnen. Ein Vortrag im Frankenberger Geschichtsverein im Mai dieses Jahres gab den Anstoß, dass sich von überall her Besitzer solcher schlichter Möbelstücke meldeten. Daraus ist in kurzer Zeit in Frankenberg Hessens größte Sammlung von Gesindetruhen entstanden, die am Samstag, 24. November, und an den Adventssamstagen zu vier Tagen der offenen Tür jeweils in der Zeit von 10 bis 13 Uhr im Atelier der Familie Böttner im Unternehmenspark Nord, Otto-­Stoelcker-Straße 19, zu sehen ist.

Frauengeschichte

„Diese Gesindetruhen spiegeln ein Stück vergessener Frauengeschichte wider, der wir nachzuspüren versucht haben“, sagt die Kunstpädagogin Barbara Betz-Böttner. Sie bewundert die schlichte, aber für sie „sehr beeindruckende Farb- und Formensprache“ der kleinen Holzmöbel und hat daher begonnen, die Handbemalung der historischen Stücke zu restaurieren.

Der Holzgestalter Stephan Böttner kümmert sich in seiner Werkstatt um die Erhaltung der teilweise schon stark angegriffenen Fichtenteile - viele Truhen standen Jahre oder Jahrzehnte unbeachtet und vergessen auf Dachböden herum. Viele Hundert Möbelstücke müssen darüber hinaus im vergangenen Jahrhundert zerschlagen, zersägt und verheizt worden sein - ein unwiederbringlicher Verlust für die Sammler.

Truhen sind unverkäuflich

Die historischen Gesindetruhen im Atelier sind allesamt unverkäuflich, darauf legen die Böttners Wert. Getreu der Technik der Truhenmaler des 19. Jahrhunderts hat das Künstlerpaar aus Schreufa jedoch kleine Miniaturtruhen gestaltet, die als praktische Kästchen für Accessoires, Wertsachen oder Schmuck verwendet werden können. Auch farbenprächtige Holzgrußkarten oder Miniaturtruhen-Frontbretter können im Atelier der Böttners erworben werden.

„Die Truhen haben eine­ schlichte, aber einzigartige Farb- und Formensprache, von der eine beruhigende, fast meditative Wirkung ausgeht“, sagt die Kunstpädagogin Betz-Böttner und spürt dabei „Wellness für Auge und Seele“. Es ist vor allem die Wiedersichtbarmachung dieser Wirkung, die aus den in Schreufa zusammengetragenen, bis dahin fast vergessenen und wenig wertgeschätzten Gesindetruhen interessante historische Exponate macht.(vk)

Die Ausstellung im Atelier Böttner in der Otto-Stoelcker-Straße 19 ist an den nächsten fünf Samstagen jeweils von 10 bis 13 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist zur Schau frei.

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