Sammelbehälter wird gebaut

Protestaktion gegen Güllebecken in Frankenau hat Landwirte nicht umgestimmt

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Die Hoffnung stirbt zuletzt: (von links) Rainer Lange, Sigrid Briel und Ortsvorsteher Claude Pilger mit den Unterschriftenlisten, mit denen sie sich am Standort des geplanten Güllesammelbehälters oberhalb Frankenaus postiert haben.

Nachdem die Baugenehmigung für das geplante Gülle-Sammelbecken in Frankenau jetzt erteilt wurde, will die Bauherrengemeinschaft um Olaf Fackiner ihr Vorhaben - trotz einer Protestaktion - auch angehen. 

Frankenau - Sie haben bis zum Schluss darauf gehofft, durch ihre Protestaktion den Bau des Güllesammelbehälters oberhalb Frankenaus verhindern zu können. Doch am Ende haben auch die 327 vom Frankenauer Ortsbeirat gesammelten Unterschriften die Bauherrengemeinschaft um Olaf Fackiner nicht umstimmen können: „Die Baugenehmigung ist erteilt. Das Ding wird jetzt auch gebaut“, kündigte der Dainroder Landwirt auf Nachfrage an.

Wie bereits berichtet, will Olaf Fackiner mit zwei weiteren Berufskollegen ein Güllebecken in der Gemarkung Am Steckenwald bauen.

Der Frankenauer Ortsbeirat habe noch ein weiteres Gespräch mit Olaf Fackiner gesucht, bei dem auch die Unterschriftenlisten übergeben werden sollten. Einem Treffen habe dieser aber nicht zugestimmt, sagte Rainer Lange vom Ortsbeirat.

„So müssen die Unterschriften, mit denen wir appellieren wollten, den Sammelbehälter in der eigenen Feldflur von Dainrode oder der des benachbarten Dörnholzhausens zu bauen, leider symbolisch übergeben werden“, bedauerte er und ergänzte: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Jetzt sei die Enttäuschung groß, so Lange.

Wie bereits in dem Begleitbrief zur Unterschriftenaktion ausgeführt, seien die Bewohner der Kerngemeinde stolz darauf, dass ihre Vorfahren den Großteil ihrer landwirtschaftlichen Flächen über Generationen extensiv, also ohne Kunstdünger und ohne Gülle, nur mit wenig Stallmist und Jauche bewirtschaftet haben.

„Das ist die Grundlage für den Artenreichtum an Blühpflanzen, Insekten, Vögeln und Kriechtieren in ihrer heutigen Kulturlandschaft“, sagte Rainer Lange. Das sei ebenfalls Grundlage für das Prädikat Arche-Region, das Frankenau als erste Region in Hessen und zweite Region in Deutschland, 2014 verliehen worden sei.

„Der Einsatz von Gülle verhindert Artenreichtum, weil sich wenige konkurrenzstarke Gräser und Pflanzen durchsetzen“, heißt es weiter in dem vom Ortsbeirat verfassten Schreiben. Dadurch werde der Naturkreislauf unterbrochen und es stelle sich eine artenarme Agrarsteppe ein. Konventionelle Landwirtschaft auf nährstoffarmen Böden wie in Frankenau mache wenig Sinn.

Es sei ein sehr hoher Einsatz von Dünger in Form von Gülle notwendig, um wirtschaftliche Ernteerträge einfahren zu können, kritisieren die Gegner des Güllesammelbehälters. Der Überschuss an Gülle drohe in Grund – und Trinkwasser ausgespült zu werden. 

Das sagt Olaf Fackiner von der Bauherrengemeinschaft dazu: 

Die Unterschriften sind zum Teil auf bedenkliche Weise eingeholt worden“, sagt Olaf Fackiner. So seien Landwirte, die nicht unterschrieben haben, massiv unter Druck gesetzt worden. „Und mir und anderen Landwirten wurden Pachtverhältnisse über Flächen nach Jahrzehnten gekündigt, wobei die Großeltern, die ursprünglich Verpächter waren, gar nicht wussten, wo das Problem liegt“, kritisiert Fackiner. „Deshalb nehme ich keine Unterschriften entgegen.“ 

Ein Gesprächsangebot des Ortsbeirates sei von ihm nur hinsichtlich des Güllebehälters abgelehnt worden. Eine von ihm vorgeschlagene Diskussionsrunde auf seinem Hof sei seitens des Ortsbeirats nicht gewünscht worden. Grundsätzlich sei der Bau des Güllebeckens nicht sein persönlicher Wunsch, sondern gesetzlich erforderlich. „Die Schaffung von mehr Lagerraum ist aufgrund von erhöhten Umweltauflagen gesetzlich vorgeschrieben und gilt gleichermaßen für Bio- und konventionelle Betriebe“. Bei dem Behälter in Frankenau seien neben konventionellen Betrieben auch zwei Biobetriebe beteiligt. „Es kommt nicht mehr Gülle als bisher nach Frankenau, kann aber pflanzenverfügbar ausgebracht werden“, sagte Fackiner.

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