Trio soll mit Geschäftsidee einer Sicherheitsschleuse Anleger betrogen haben

Prozess um 100 000 Euro

Marburg/Frankenberg. Mit der Geschäftsidee einer Sicherheitsschleuse, die Sprengstoffe auch in kleinsten Mengen erkennt, wollten zwei Männer und eine Frau mit ihrer Firma im Frankenberger Land Geld verdienen. Vor dem Marburger Amtsgericht müssen sie sich nun verantworten, weil sie Anleger um ihr Geld gebracht haben sollen – die Schleuse habe gar nicht funktioniert, so der Vorwurf.

Bereits nach 90 Minuten setzte das Gericht die Verhandlung aus, zu weit lagen die Vorwürfe der Anklage und Einlassung der Angeklagten auseinander, die sich als gänzlich unschuldig bezeichneten: Das Gerät sei voll funktionsfähig, zahlreiche Interessenten aus dem Ausland könnten dies bestätigen. Die Anklage wirft dem 63-Jährigen Firmengründer, seiner 46-jährigen Ehefrau und dem inzwischen 70-jährigen ehemaligen Geschäftsführer vor, Ende 2008 die Anleger um mehr als 100 000 Euro betrogen zu haben. Sie hätten ihnen gefälschte Unterlagen mit vermeintlichen Auftraggebern vorgelegt haben, die bereits mehr als 600 Millionen Euro investieren wollten. Darunter seien eine Zollstation in Polen, eine Bank in Mazedonien sowie eine Sicherheitsfirma aus Moskau gewesen.

Zudem geht die Anklage davon aus, dass sich der Geschäftsführer und der Inhaber als faktischer Geschäftsführer der Insolvenzverschleppung schuldig gemacht haben, da das Unternehmen bereits im April 2008, zwei Monate nach der Gründung, zahlungsunfähig gewesen sei.

Der 63-Jährige wies alle Anklagepunkte von sich. Das Konzept sei voll funktionsfähig gewesen. Man habe mit einem renommierten Institut in Berlin zusammengearbeitet, so der Angeklagte. Dieses habe ein Messgerät entwickelt. Im Frankenberger Land sei ein Absaugsystem gebaut worden, mit dem kleinste Partikel aus Kleidung über einen Filter zu der Messung abgesaugt werden könnte. Er selbst sei das Opfer, weil die mutmaßlich Geschädigten nur ein Drittel der zugesagten Summe gezahlt hätten. So sei die wirtschaftliche Schieflage entstanden, die später zur Insolvenz geführt habe. In der Anfangszeit sei die Zahlungsunfähigkeit noch nicht eingetreten, beteuerte der Angeklagte. Die Frau hob hervor, dass sie keinesfalls 50 000 Euro, wie es die Staatsanwaltschaft behaupte, auf ihr eigenes Konto überwiesen habe. Vielmehr habe einer der Investoren, als er schließlich Geschäftsführer wurde, das Geld vereinbarungsgemäß ausgezahlt. Die Summe habe sie zuvor aus einem Privatkredit ins Unternehmen gesteckt.

Die 70-Jährige, der in Bielefeld lebt, gab an, bei den Gesprächen gar nicht anwesend gewesen zu sein. Als Geschäftsführer habe er nur mit seiner Marketingerfahrung und seinen guten Sprachkenntnissen bei der Anlegergewinnung mitwirken sollen.

Bis September hat die Verteidigung nun Zeit, Zeugen zu benennen und Beweisanträge zu stellen. Mit einem neuen Verfahren ist frühestens Anfang 2013 zu rechnen. (kse/bf)

Quelle: HNA

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