Kinder berichten Unfassbares

Prozess: 48-jähriger Mann soll seine Kinder missbraucht haben

Marburg. Der zweite Prozesstag gegen einen 48-jährigen Marburger, der seine sieben im Haus lebenden Kinder sowie Frau und Schwägerin jahrelang misshandelt sowie seine älteste Tochter und ein Nachbarskind regelmäßig missbraucht und vergewaltigt haben soll, befasste sich mit den Aussagen von zwei Töchtern des Angeklagten.

Was auf den Videobändern von der richterlichen Vernehmung einer 16-Jährigen und einer Zehnjährigen zu hören war, verschlug den Zuhörern die Sprache.

Beide Mädchen sagten übereinstimmend, dass der Vater alle Kinder sowie die Mutter und die mit im Haushalt lebende Tante regelmäßig brutal geschlagen habe. So berichteten beide, dass der Vater der 16-Jährigen beim Mittagessen ein Fleischbeil an das Handgelenk gehalten habe und drohte, ihr die Hände abzuhacken, weil er sie verdächtigte, ihn bestohlen zu haben.

Die meiste Prügel habe der älteste Bruder bekommen sowie die 2005 geborene Schwester, „weil die nicht richtig gegessen hat“. Der Tante habe der Vater einmal ein heißes Bügeleisen ins Gesicht gedrückt, Mutter und Tante häufig mit Fäusten geschlagen. „Das hat weh getan“, sagte die Zehnjährige.

Beide berichteten, dass sie keinen Kontakt mit anderen Kindern haben durften und nur unter Aufsicht auf dem Wäscheplatz spielen durften. Seit Sommer 2008 habe der Vater die heute 16-Jährige zum Sex gezwungen, berichtete diese. Damals sei sie 14 gewesen.

 „Ich hatte in der siebten Klasse ein schlechtes Zeugnis bekommen. Am Zeugnistag musste ich mit ins Schlafzimmer gehen.“ Dort habe der Vater sie gezwungen, ihn oral zu befriedigen. Bald darauf habe er sie auch zum Geschlechtsverkehr gezwungen, von da an bis zur Anzeige habe sie ihm regelmäßig mittwochs zu Willen sein müssen.

„Da war unser ältester Bruder bis 21 Uhr bei der Feuerwehr“, bestätigte die Jüngere. Da sei der Vater dann immer mit der Mutter, der Tante und der Schwester ins Schlafzimmer gegangen. Die 16-Jährige berichtete, sie, Mutter und Tante seien auch gezwungen worden, gegenseitig sexuelle Handlungen vorzunehmen, bei denen der Vater zugesehen oder mitgemacht habe.

Angeklagter beschimpfte seine Tochter

„Das war besonders eklig“, sagte sie. Sie berichtete von Details, die sie sich nicht, wie der Angeklagte immer wieder behauptete, aus Pornofilmen angeeignet haben kann, wie vor Gericht festgestellt wurde. Der Angeklagte versicherte immer wieder lautstark, die Ältere lüge und habe der Jüngeren „eingeredet“, was sie aussagen solle. Er schimpfte, sein Opfer hure „überall herum“ und bezeichnete sie gegenüber Polizeibeamten als „Fotze“.

Richter Thomas Wolf berichtete, dass die Tante schriftlich ihre Aussage gegen den Angeklagten vom Oktober vergangenen Jahres zurückgenommen habe. Sie schreibe, sie sei unter Druck gesetzt worden, gegen den Mann auszusagen. Kurz nach seiner Verhaftung hatte der Angeklagte im Juni 2009 über seinen Anwalt ein umfassendes Geständnis ankündigen lassen.

Tatsächlich hatte er jedoch nur „Erklärungen“ für einige der Vorwürfe geliefert. So sei die Verbrennung seiner Schwägerin mit dem Bügeleisen „ein Versehen“ gewesen. Seine Tochter habe ihn überredet, sich vor ihr auszuziehen und habe ihn anfassen wollen. Im Gericht erklärte der Angeklagte, sein damaliger Anwalt habe ihm geraten, einige Kleinigkeiten zuzugeben, damit er aus der Haft entlassen werde.

Richter Wolf berichtete von einem Brief der ältesten Tochter an einen ehemaligen Lehrer, in dem diese auch den Bruder des Missbrauchs an ihr und zwei Schwestern bezichtigte. Der bestellte Betreuer der Kinder sagte, dass er die Betreuung des ältesten Sohnes „wegen Interessenkollision“ abgegeben habe. Der Prozess wird fortgesetzt. (ky)

Quelle: HNA

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