15 Monate Haft auf Bewährung

Prügel und Nazi-Grölereien in Kassel: Obdachloser verurteilt

Kassel/Korbach. 15 Monate Haft - drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt - und 100 Stunden gemeinnützige Arbeit: Damit ahndete die Richterin die gefährliche Körperverletzung und das Gröhlen von Nazi-Sprüchen in Kassel durch einen 48-Jährigen.

Der gebürtige Korbacher war am 25. September 2017 reichlich betrunken durch die Kasseler Innenstadt getorkelt und hatte dabei „Sieg heil“ gebrüllt und den Hitler-Gruß gezeigt.

„Das konnte ich nicht ertragen und da habe ich ihm – zugegeben nicht sehr freundlich – gesagt, er soll mit den Nazi-Sprüchen aufhören“, erläuterte am Montag ein 53-jähriger Zeuge vor Gericht. Der war am ersten Prozesstag nicht gekommen und diesmal daher im Streifenwagen zum Gericht eskortiert worden.

Schon von seinem Äußeren ist der Zeuge, ein in Kassel recht bekannter Straßenmusiker mit Pferdeschwanz und putzigen Klamotten, sozusagen der natürliche Feind von Menschen mit rechtsextremen Weltbild.

„Das ging alles ratz-fatz und rasent schnell, ich habe es gar nicht richtig mitbekommen“, erklärte der hagere, hochgewachsene Mann. Zweimal sei er durch die Luft geflogen und auf den Asphalt gekracht, vermutlich mit einer Judo-Technik.

Schlüsselbeinbruch und mehrere Rippenbrüche

Der Angeklagte hatte angegeben, rund 20 Jahre diesen Kampfsport ausgeübt zu haben. Der Straßenmusiker erlitt einen Schlüsselbeinbruch und mehrere Rippenbrüche und lag eine Woche im Krankenhaus. Richterin Hahn sprach von potenziell lebensbedrohlichen Verletzungen.

Zwei Monate später hatte der Angeklagte beim Weihnachtsmarkt laut Gutachten rund drei Liter Glühwein getankt, als drei türkisch aussehende junge Männer an ihm vorbeigingen. Er soll „Ausländer raus“ gebrüllt haben und, was er bestreitet, eine Glühweintasse nach den Männern geworfen und einen am Knöchel verletzt haben.

Die Männer waren allerdings Polizeibeamte in Zivil, die den Angeklagten dingfest machten. „Da haben Sie Glück gehabt, dass das Polizisten waren“, erklärte die Richterin. „Der Türsteher im A7 sieht genauso aus und dann hätte es vermutlich eine blutige Nase gegeben.“

Verurteilter ist obdachlos

Die auch von Staatsanwältin Richter im Prozess geforderten 15 Monate bezeichnete Richterin Hahn als sehr moderat. „Hitlergruß und Nazi-Sprüche wollen wir nicht haben“, sagte sie zum Angeklagten, der sich das mit verschränkten Armen und hochrotem Gesicht anhörte.

Ins Urteil floss auch die damals schwierige Lebenssituation des Angeklagten ein, der obdachlos war und bei beiden Taten erheblich unter Alkoholeinfluss stand.

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