Wespen breiten sich aus

Pusten macht sie aggressiv

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In diesem Jahr gibt es so viele Wespen wie lange nicht mehr. Die Insekten, die für viele Menschen kleine Plagegeister darstellen, erfüllen jedoch einen wichtigen Zweck.

Frankenberger Land - Für viele sind Wespen Störenfriede, doch die Insekten haben auch ihre guten Seiten. Und auch ihr Verhalten ist nicht zwingend aggressiv. Einige Dinge sollte man im Umgang mit den Insekten beachten.

Sie sind die stetigen ungebetenen Gäste an der Kaffeetafel im Freien: Viele empfinden Wespen nicht nur als lästig, sondern reagieren panisch und riskieren so, gestochen zu werden.

Doch besteht überhaupt Grund dazu, Angst zu haben? Bernd Hannover vom Nabu Waldeck-Frankenberg und Michael Funk, Vorsitzender des Kreisimkervereins Frankenberg, klären auf und geben Tipps und Tricks zum Umgang mit den Insekten

Verkannte Nützlinge

Als „Müllabfuhr der Natur“ bezeichnet Funk die Wespen. „Sie fressen Aas und Abfälle, sind also nützliche Tiere, die ihre Berechtigung in der Natur haben“, sagt der Imker.

Sind Wespen aggressiv?

Von allein sind Wespen überhaupt nicht aggressiv und stechen nur im äußersten Notfall, wenn sie sich in ihrem Leben bedroht fühlen. Auch wenn die unter Naturschutz stehenden Hornissen viel größer als Wespen sind, ist ihr Stich, wenn es soweit kommt, nicht schlimmer: „Ob Wespe oder Hornisse: Die Schmerzen nach einem Stich sind die gleichen“, sagt Hannover.

Das richtige Verhalten

Nähert sich eine Wespe, sollten hektische Bewegungen vermieden werden. Auf gar keinen Fall sollte man nach dem Tier schlagen oder es anpusten. „Unser Atem enthält Kohlendioxid, der die Wespe aggressiv macht“, erklärt Hannover.

Was hilft gegen Schmerz?

Laut Hannover ist kühlen das einzig Sinnvolle nach einem Stich: „Dadurch ziehen sich die Adern zusammen und das Gift kann sich nicht so schnell verteilen.“ Zumal der Stich auch sehr heiß werde. Es bringe nichts, wenn man versuche, das Gift auszusaugen, da es zu schnell im Körper sei. Neben Kühlen helfe auch, eine aufgeschnittene Zwiebel auf den Stich zu legen. „Einerseits kühlt es die Stelle, andererseits wirken die ätherischen Öle entzündungshemmend“, erklärt Funk.

Was Wespen anlockt

Wespen werden vor allem von süßen Lebensmitteln und Getränken angezogen. „Am besten deckt man sein Glas mit einem Bierdeckel ab“, rät Hannover. Eine andere Möglichkeit ist, einen Klecks seines Getränks in sicherer Entfernung auf den Tisch zu geben. „Dann sind die Wespen abgelenkt und lassen mein Glas in Ruhe.“

Das Nest

Die hängenden kugelförmigen Nester sind zwischen zehn und 15 Zentimeter breit. „Je nach Art kann das Nest einer Hornisse auch schon mal die Größe eines Kürbises erreichen, wenn sie beispielsweise in Gartenhütten ungestört sind“, sagt Funk. Es ist so filigran, dass es bei einer Umsiedlung zerfällt.

Ab Oktober ausgeflogen

Besteht keine starke Behinderung, sollte man das Nest nicht entfernen, raten Hannover und Funk. Je nach Wetterlage sind die Tiere Anfang oder Mitte Oktober ausgeflogen. Dann lässt sich das Nest, das grundsätzlich kein zweites Mal besiedelt wird, gefahrlos entfernen.

„Es gibt zwei Gründe für die große Population“, sagt Dr. Kai Füldner, Leiter des Naturkundemuseums in Kassel. Begünstigt hätte die Vermehrung einerseits der relativ konstante Winter. Weil es keine großen Temperatursprünge gegeben habe, hätten viele Wespenköniginnen überlebt. Zudem hätten diese, als sie im Frühjahr mit dem Nestbau begonnen haben, gute Wetterbedingungen gehabt. „Wenn es zu nass und kalt ist, saufen die Nester in der Erde ab oder die Tiere verpilzen“, sagt Füldner. Entsprechend groß sind die Völker, die mehr als 10 000 Tiere umfassen können. Sie leben neben Erdnestern unter Dachziegeln, in Rollokästen oder hinter Hausdämmungen, die sie zerfressen, um Platz zu haben.

Die Feuerwehr kümmere sich nur noch selten um die Entfernung von Nestern, sagt Stefan Stross, stellvertretender Stadtbrandinspektor in Frankenberg. Nur wenn absolute Gefahr im Verzug sei, greife man ein. „Zu 99 Prozent wird auch kein Nest mehr zerstört, sondern es findet eine Umsiedlung durch speziell ausgebildete Kräfte der Feuerwehr statt“, berichtet Stross.

Bei Schädlingsbekämpfern laufen derzeit die Telefone heiß: „Ich erhalte gerade fast nur Anfragen wegen Wespen“, sagt Dirk Berghöfer, der Niederlassungen in Edertal und Kassel hat. Auch Ingmar Zech-Schlee von der Schädlingsbekämpfung Pro Defensio in Wohratal bestätigt: „Dieses Jahr ist es exrtem, wir rücken vier Mal am Tag aus.“ In den Landkreis Waldeck- Frankenberg würden sie zwei bis drei Mal pro Woche gerufen. (bal/gsk)

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