Frankenau

Q-Fieber: Weitere Schafherde infiziert

- Frankenau (jos). Bei mehreren Schafen einer kleinen Frankenauer Herde ist das Q-Fieber-Bakterium nachgewiesen worden. Ralf Nöchel vom Veterinäramt des Landkreises geht von einer „typischen Naturherdinfektion“ aus. Das Gesundheitsamt hat zum Schutz der Bevölkerung eine Sofortverfügung erlassen.

Alle Schaf- und Ziegenhalter aus dem Frankenauer Stadtgebiet haben am Samstag Post vom Gesundheitsamt erhalten: Die Kreisbehörde hat laut Auskunft ihrer Leiterin Hannelore Wendt per Sofortverfügung festgelegt, dass sämtliche Frankenauer Schafe und Ziegen einen Mindestabstand von 500 Metern zur Wohnbebauung einhalten müssen. Trächtige Tiere müssen zum Lammen generell in Ställe gebracht werden. Hintergrund: Bei der Geburt von Jungtieren werden laut wissenschaftlicher Erkenntnisse die meisten der gefährlichen Keime ausgeschieden.

Die Verfügung sei eine Vorsichtsmaßnahme zum Schutz der Bevölkerung, erklärte Wendt am Sonntag auf WLZ-FZ-Nachfrage. Ein 500-Meter-Abstand wird von Behörden in der Regel nur für tatsächlich infizierte Herden erlassen. Bis weitere Tiere der insgesamt 37 Frankenauer Schaf- und Ziegen-Herden auf das Q-Fieber getestet sind, gelte die Verfügung für alle, so Wendt.Nachgewiesen habe das Veterinäramt das Q-Fieber bei Tieren einer insgesamt rund 50 Schafe zählenden Herde in Frankenau. „Es wurden Proben genommen bei Schafen, die gelammt haben“, erklärte Wendt. Vorsorglich gelte die Verfügung auch für die Tierhalter in den Stadtteilen. Grundsätzlich könnten sich zwar auch Rinder und Wildtiere infizieren. „Die meisten Auswirkungen auf die Menschen hat es aber durch infizierte Schafherden gegeben“, berichtete Wendt.

Unter großem Protest der Frankenauer waren am Freitag vor einer Woche rund 100 trächtige Schafe einer mit dem Q-Fieber infizierten Herde aus Mittelhessen nach Frankenau gebracht worden. Das Regierungspräsidium Darmstadt hatte erlassen, dass Schäfer Holger Backhaus die Tiere zum Lammen in seinen Stall nach Frankenau bringen muss. Dass diese aus dem Raum Gießen/Lahn-Dill „importierten Tiere“ die Frankenauer Schafe, bei denen das Bakterium nun nachgewiesen wurde, angesteckt haben könnten, hält die Leiterin des Gesundheitsamtes für ausgeschlossen.

„Es handelt sich um eine typische Naturherdinfektion“, sagte Amtstierarzt Ralf Nöchel am Sonntag auf WLZ-FZ-Nachfrage. Das Bakterium sei in der Wildpopulation vorhanden, die Zecken seien Überträger. „Deshalb ist es auch falsch, immer nur auf den Schafen herumzuhacken“, sagte Nöchel. Der Q-Fieber-Erreger komme überall vor, betonte der Mitarbeiter des Veterinäramtes. Frankenaus Bürgermeister Björn Brede hatte genau wie zahlreiche weitere Kommunalpolitiker, Bürger und Landwirte bei ihrem Protest gegen den Schaftransport aus Mittelhessen propagiert, dass Frankenau als „Q-Fieber-frei“ gelte. Dazu sagte Amtstierarzt Nöchel gestern auf Nachfrage: „Keine Region Deutschlands kann sich Q-Fieber-frei nennen.“

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