Gericht verhängt Bewährungsstrafen gegen ehemalige Bilderrahmen-Geschäftsführer

Sie räumen Bilanzfälschung ein

Marburg. Zu Bewährungsstrafen von sieben beziehungsweise 13 Monaten hat das Marburger Landgericht zwei ehemalige Geschäftsführer eines Bilderrahmenherstellers aus dem Frankenberger Land verurteilt. Sie hatten am dritten Verhandlungstag den Großteil der angeklagten Vorwürfe eingeräumt. Die Männer haben sich der Insolvenzantragsverschleppung schuldig gemacht.

Verantworten müssen sich die beiden 58-Jährigen, weil sie unter anderem Bilanzen gefälscht haben sollen. Nicht existente Warenbestände sollten über die Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit hinwegtäuschen. So behaupteten die Angeklagten, bei einem Lohnunternehmer in Ungarn seien Leisten für die Rahmenherstellung im Wert von 1,8 Millionen Euro vorhanden gewesen, an die man wegen der Insolvenz dieses Unternehmens aber nicht mehr herankomme. Dass es sich um sehr viel Ware gehandelt habe, erklärten sie mit dem großen Sortiments ihrer Firma, Aufträge hätten nur so pünktlich erledigt werden können.

Noch vor dem Geständnis hatte der ehemalige Geschäftsführer des ungarischen Unternehmens als Zeuge berichtet, dass die deutsche Firma durchaus bei ihm ein Lager unterhalten habe. Welchen Wert die Leisten gehabt hätten, wisse er jedoch nicht. Er räumte ein, dass er alles ohne Rücksprache „verschrottet“ habe, weil er die Halle aufgrund eigener Haftung schnell an den Vermieter habe übergeben müssen.

Zuvor hatte ein Sachverständiger erklärt, dass die Angaben von Einkäufen und angegebenen Warenbestand in einer Vielzahl von Fällen mathematisch gar nicht möglich gewesen seien. Unlogisch sei es auch, dass trotz großer Bestände immer wieder kleine Mengen hinzugekauft worden seien. Das mache ein wirtschaftlich angeschlagenes Unternehmen normalerweise nicht, es fehle an Plausibilität. Das könne dafür sprechen, dass die Lagerbestände doch kleiner gewesen seien.

In der Buchführung habe es eine ganze Reihe weiterer Ungereimtheiten gegeben. Rechnungen seien häufig ins falsche Jahr gebucht worden, sagte der Fachmann.

Letztendlich blieb dem Gericht aufgrund der Geständnisse eine weitere, umfangreichere Beweisaufnahme erspart. Die Kammer unter Vorsitz von Richter Carsten Paul verurteilte einen der Angeklagten, der 2007 aus dem Unternehmen ausgeschieden war, zu neun Monaten Haft auf Bewährung. Der andere Geschäftsführer, der zusätzlich für die Nichterstellung einer Bilanz verantwortlich war, erhielt 13 Monate.

Teilweise eingestellt

Eingestellt wurden die Verfahren wegen Betrugs und Kreditbetrugs. Laut Anklage sollten die Männer mit gefälschten Bilanzen ihre Bank von einer Umschuldung überzeugt haben. Die Urteile sind bereits rechtskräftig, weil alle Beteiligten den Verzicht auf Rechtsmittel erklärten. (kse)

Quelle: HNA

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