Amtszeit beginnt am 1. September

Amtskette übergeben: Ralf Gutheil neuer Bürgermeister in Bad Wildungen

Volker Zimmermann (rechts) überreicht die Amtskette an seinen Nachfolger Ralf Gutheil.

Bad Wildungen. Vor großer Zuschauerkulisse in der Wandelhalle wurde am Montagabend der neue Bad Wildunger Bürgermeister Ralf Gutheil in sein Amt eingeführt.

„Suchet der Stadt Bestes: Das beziehe ich nicht nur auf meine Person, sondern auch auf die Kommunalpolitik und die Mitarbeiter der Stadt.“ Das sagte der neue Wildunger Bürgermeister Ralf Gutheil nach seiner Amtseinführung am Montagabend in der Wandelhalle vor dem Parlament und einem großen Publikum. 

Er versprach allen ein „kooperatives Vorgehen“, ob innerhalb der städtischen Grenzen oder im Umgang mit den Nachbarkommunen.

Zeitnah Lösungsvorschläge

Er freue sich sehr auf seine neue Aufgabe, auf Anregungen und Ideen aus Reihen der Bürgerschaft „in einer lebenswerten Stadt mit großem Potenzial.“ 

Der Sozialdemokrat will „zeitnah Lösungsvorschläge für wichtige Themen der Stadtpolitik vorlegen.“ Als Beispiel nannte er das Heloponte, weil die Möglichkeit, europäische Fördergelder für das Projekt zu beantragen, 2021 auslaufe.

So befand sich der neue Rathauschef gedanklich schon mittendrin in seiner Aufgabe, obwohl seine Amtszeit offiziell erst am 1. September beginnt. Wenige Augenblicke zuvor hatte ihm Stadtverordnetenvorsteher Dr. Edgar Schmal den Amtseid abgenommen, Amtsvorgänger Volker Zimmermann ihm die Ernennungsurkunde ausgehändigt und die Amtskette über die Schultern gelegt.

Gutheil dankte Zimmermann für dessen Einsatz zum Wohl der Stadt und für die Unterstützung in der Übergangsphase: „Unsere Wege werden sich kreuzen, da Sie für den Heilbäderverband tätig werden. Gemeinsam überlegen wir dann sicher, was wir positiv bewegen können.“

Schmal überreichte als Einstandsgeschenk an Gutheil einen Brieföffner im Design einer Fechtwaffe: „Zum Einsatz in der Kommunalpolitik, aber mit feiner Klinge, denn der Brieföffner ähnelt eher einem Florett als dem Säbel.“ 

Schmal sicherte Gutheil eine „positiv-kritische Begleitung“ seitens der städtischen Gremien zu. Die Fähigkeit zur konstruktiven Zusammenarbeit mit ihnen sei entscheidend für den Erfolg des Bürgermeisters. Als geborener und aufgewachsener Wildunger mit jahrelanger Erfahrung als Stadtverordneter trete Gutheil das wichtigste Amt an, das eine Stadt zu vergeben habe.

"Als Bürgermeister zwischen den Stühlen"

Die heimische SPD-Bundestagsabgeordnete Esther Dilcher, die vorigen Herbst ihr Mandat gewann, unterstrich das „grundsätzliche Vertrauen“, das sie in alle politisch Handelnden setze, ob haupt- oder nebenamtlich und unabhängig von der Ebene. Hass-Post mache sie darum traurig, „denn wir alle suchen das Beste für die Gemeinschaft.“ Über den Weg zum Ziel gebe es verschiedene Ansichten.

Burgwalds Bürgermeister Lothar Koch begrüßte den neuen Kollegen im Namen der Kreisversammlung des Städte- und Gemeindebundes. Heiter-ironisch warnte er Gutheil vor dem neuen Amt: „Als Bürgermeister sitzen wir zwischen den Stühlen. Wie immer Sie es angehen, es wird irgendwie falsch sein.“

Sichtlich bewegend für Ralf Gutheil war das letzte in der Reihe der Grußworte. Roland Lorenz aus Baunatal richtete es an seinen Neffen und neuen Wildunger Bürgermeister, den Sohn seiner früh verstorbenen Schwester. Er wünschte ihm alles Gute für die Suche nach dem Besten für seine Stadt.

Für Zimmermann einen Koffer für Berlin

„Seine Wahl vor 12 Jahren war eine Überraschung und als er im März nicht wiedergewählt wurde, war das ebenso überraschend“, begann Stadtverordnetenvorsteher Dr. Edgar Schmal seine Abschiedsrede an den scheidenden Bürgermeister Volker Zimmermann.

 Schmal  dankte ihm für die geleistete Arbeit im Dienst der Stadt und gab ihm namens der Stadtverordnetenversammlung einen Koffer für den Neustart in Berlin mit auf den Weg. Eine Wildunger Schlute finde sich ebenso darin wie die städtischen Haushalte von 2007 und 2018 oder ein Heloponte-Plakat.

 Schmal gab einen Überblick über die großen Themen, denen sich Volker Zimmermann stellte. Die Kritiker der Hotelpläne am Kurhaus-Standort erinnerte er daran, dass die städtischen Gremien hier keinesfalls übereilt handelten. Nach der Übernahme des Staatsbades durch die Stadt habe das Parlament von Beginn an versucht, das Kurhaus in private Hände zu übergeben.

 Die Kommunalpolitik wisse , wohin sie wolle, aber sie erreiche ihr Ziel nicht immer. Ein großer Schritt Schwierig auch der Fall Heloponte, mit dem man sich seit 2010 intensiv beschäftige. „Wir haben 400 000 Euro für Planungskosten ausgegeben“, aber nach Vorlage von insgesamt 21 Varianten und drastisch gestiegenen Kostenschätzungen „wissen wir nicht, was wir machen sollen“, räumte Schmal ein. 

In der Verkehrsführung, ebenfalls einer Daueraufgabe, „ist uns ein großer Schritt gelungen.“ Durch das Abschaffen des Einbahn-Stadtrings in der Innenstadt sei die Belastung gesenkt, der Verkehr beruhigt und seine Führung verbessert worden. Das Scharnier sei gelungen: modern, offen, transparent. 

"Lebenswertes Umfeld" 

Volker Zimmermann setzte in seiner Rede weitere Schwerpunkte: „Ein lebenswertes Umfeld für Familien mit jungen Kindern lag mir am Herzen.“ Er freute sich über gestiegene Zahlen bei Einwohnern und Gästen.. 

Die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den benachbarten Kommunen sei ihm ein großes Anliegen gewesen.

 Zimmermann verwies auf eine gute Haushaltslage mit reduzierten Schulden und hoher Rücklage, die er an seinen Nachfolger übergebe. Eine „funktionierende Stadtgesellschaft“ sei aus seiner Sicht bei all dem das Entscheidende. Sie habe sich in Bad Wildungen 2015 besonders bewährt, als die Aufnahme von 700 Flüchtlingen, die heute in der Stadt leben, in einer gemeinsamen Anstrengung gelungen sei: mit Hilfe von Vereinen und vielen, vielen ehrenamtlichen Helfern. 

„Sollte ich Sie mal geärgert haben, versuchen Sie es zu vergessen“, verabschiedete sich Zimmermann von Kommunalpolitikern und Publikum: „Ich werde des Öfteren zurückkehren, aber keine Angst: Ratschläge erteile ich nicht, sondern werde nur Gutes sagen.“ 

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