Deutsche Textil-Recyclingwerke in Burgwald

Recycling in alten Frick-Hallen

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Viktor Nowakowski ist der Geschäftsführer der „Deutschen Textil-Recyclingwerke“. Deutschlandweit hat er zehn Niederlassungen, die er von Burgwald aus leitet. Überall werden täglich Tonnen von Altkleidern vorsortiert.Foto: Patricia Kutsch

Burgwald - Das Geschäft mit Altkleidern wächst und deshalb wächst auch die Burgwalder Firma "Deutsche Textil-Recyclingwerke". Das Unternehmen hat die große Frick-Halle und das Wohnhaus in der Ringstraße gekauft.

Von der alten Frick-Halle in Burgwald aus wird das komplette Unternehmen mit seinen neun weiteren Niederlassungen deutschlandweit gesteuert. Viktor Nowakowski hat das Unternehmen vor sieben Jahren begonnen aufzubauen – seiner Meinung nach ist es heute das größte Unternehmen im Altkleider-Geschäft. „Wir haben deutschlandweit 12000 Container stehen“, erklärt er. Die stehen entweder auf Privatgrundstücken oder Flächen der Kommunen – gegen Miete.

Ursprünglich hat Nowakowski das Unternehmen in Lahntal eröffnet. „Wir sind damals stark expandiert und hatten keine Zeit zum Bauen.“ Daher musste ein geeignetes leerstehendes Gebäude gefunden werden. Das fand Nowakowski Anfang 2012 in Burgwald in der alten Frick-Halle „Auf den Rödern“. Seit Mai haben die „Deutschen Textilrecycling-Werke“ (DTRW) nochmal ein größeres Gebäude – 300 Meter vom bisherigen entfernt: Die ehemaligen Frick-Hallen in der Ringstraße und das zugehörige Wohngebäude hat Nowakowski gekauft. Die alte Halle „Auf den Rödern“ hat das Unternehmen zwischenzeitlich komplett verlassen und an die Allendorfer Firma „Ropal“ vermietet (die FZ berichtete).

5 Prozent bleiben im Land

„Wir mussten schon wieder umziehen, weil die Flächen für unsere stetig wachsende Verwaltung nicht mehr gereicht haben“, erklärte Nowakowski. Mittlerweile hat er 70 Angestellte: Bürokaufleute, Betriebswirte, Juristen, Disponenten, Kraftfahrer und Lagerarbeiter zählen dazu. Derzeit werden zudem zwei junge Menschen im Büromanagement ausgebildet. „Für nächstes Jahr haben wir auch noch Ausbildungsplätze frei“, sagte Nowakowski, der im Alter von fünf Jahren mit seiner Familie von Kasachstan nach Marburg zog.

Weil die DTRW mittlerweile viele Angestellte aus Burgwald habe, habe Nowakowski sich auch in der Region nach einer größeren Halle umgesehen und schnell für die weitere Frick-Halle entschieden. „Wir haben jetzt Büros auf zwei Etagen und 2000 Quadratmetern. Wir sind es gar nicht gewohnt, dass noch Büros frei sind.“ Platz zum expandieren biete das neue Grundstück auch – denn das zugehörige Wohngebäude steht noch komplett leer.

Das 15000 Quadratmeter große Grundstück hat der Geschäftsführer Anfang des Jahres gekauft und zunächst von innen saniert. Die Außensanierung des mit Lila verzierten Gebäudes soll noch folgen. „Nach dem Umzug stand erstmal alles Kopf“, sagte Nowakowski mit einem Lachen. „Bis die Technik funktionierte und jeder wusste, wer in diesem riesigen Gebäude wo sitzt, hat es ein wenig gedauert.“ Jetzt sei Ruhe eingekehrt und der Betrieb laufe wieder auf voller Leistungsfähigkeit. Jeden Tag fahren neun Kraftfahrer ihre Route und liefern die Altkleider in Burgwald an. „Dann wird der Müll aussortiert und Textilien und Schuhe werden getrennt“, erklärt der verheiratete Vater eines Kindes. Ebenso arbeiten die neun auf ganz Deutschland verteilten Logistikzentren. In den Niederlassungen werden Altkleider gesammelt, vorsortiert und dann von Sortierbetrieben aufgekauft.

Nach Burgwald komme jeden Tag ein Sattelzug, der die von Millionen von Deutschen ausrangierten Kleider abholt. Diese Betriebe sortieren die Kleidung laut Nowakowski dann nach Qualität – die schlechtesten Textilien kommen als Putzlappen zurück nach Deutschland, die meiste Kleidung geht nach Afrika. Die Hauptsortierländer sind laut Nowakowski Polen und Holland.

Rund 95 Prozent der in Deutschland gesammelten Kleider gehen laut dem 29-Jährigen ins Ausland. Das sei jedoch völlig logisch: „83 Millionen Menschen schmeißen weg und es gibt rund 2,5 Millionen bedürftige.“ Nach Angaben von Nowakowski verkaufen daher auch karitative Altkleidersammler, wie Kirchen beispielsweise, weiter an Sammler wie DTRW. „Immer mehr Kommunen sammeln auch selbst“, erklärte Nowakowski. Denn die Preise für Altkleider steigen. „Es ist ein heiß umkämpftes Gewerbe.“ Dahinter stünden aber auch viele Arbeitsplätze: „Was wir hier mit 70 Leuten sammeln, sortieren später 2000 Menschen. Hinzu kommen die Menschen, die die Altkleider transportieren und weiterverkaufen.“

760000 Tonnen Altkleider

Nach einer Studie werden in Deutschland rund 760000 Tonnen Altkleider im Jahr weggeworfen. Rund drei Prozent davon sind laut Nowakowski neuwertig – die meisten noch mit Etikett.

Konkurrenz hat der 29-Jährige innerhalb der eigenen Familie: Sein drei Jahre älterer Bruder Jakob Nowakowski besitzt ebenfalls ein Altkleider-Unternehmen. Nach dessen Vorbild hat Nowakowski sich mit 21 Jahren selbstständig gemacht – und dafür sein Studium in Wirtschafts- und Ingenieurswesen abgebrochen. „Es macht einfach Spaß mein Unternehmen wachsen zu sehen. Es ist wie eine Blume, die man pflegt und gießt.“

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