Ellershausen

Regierungspräsidium stimmt der Umfahrung der Bärenmühle zu

- Das Regierungspräsidium in Kassel als Oberste Naturschutzbehörde hat der Umfahrung der Bärenmühle zugestimmt und die Finanzierung des Projektes ist zum größten Teil gesichert. Das letzte Wort haben jedoch die Stadtverordneten, die im September entscheiden müssen, ob der Sperrvermerk für die Baumaßnahme aufgehoben wird.

Mehr als 20 Zuschauer waren am Mittwochabend zur Ortsbeiratssitzung in Ellershausen gekommen, um zu erfahren, wie es mit der geplanten und nicht unumstrittenen Umfahrung der Bärenmühle weitergeht. Unter ihnen waren auch Vertreter der heimischen Naturschutzverbände.

Karl-Heinz Bastet vom NABU kritisierte, dass die Planungen „unter einem Deckmantel“ abgelaufen seien. Auch Ortsvorsteher Metz warf Bürgermeister Dr. Reinhard Kubat vor, dass der Ortsbeirat keine Informationen bekommen habe. Kubat rechtfertigte dies damit, dass einige relevante Fragen bisher nicht geklärt gewesen seien, darunter die der Finanzierung.

Karl-Heinz Bastet fragte auch nach einem Gesamtkonzept für die Verkehrsführung im Lengeltal, das die Naturschutzverbände mehrfach angeregt hatten. Er erhielt keine Antwort. Auf die Frage nach einer Verkehrszählung antwortete Kubat allerdings fast hitzig, dass es keine Zählung gegeben habe – bei anderen, teureren Projekten wie dem Ausbau des Hohlen Wegs jedoch auch nicht. So wie der Wegebau sonst die Landwirtschaft unterstütze, handele es sich beim Ausbau der Straße und der Umfahrung der Bärenmühle um Wirtschaftshilfe für einen Betrieb. „Und wer das verneint, der lügt“, sagte Kubat.

Christiane Kohl, die die Bärenmühle gemeinsam mit ihrer Schwester Bettina restauriert und zu einem Landhotel umgebaut hat, erläuterte am Mittwochabend, warum ihr eine Umfahrung des Ensembles so wichtig ist. Im Lengeltal sei mittlerweile weit mehr Verkehr zu verzeichnen als noch vor zehn Jahren. Oft liefen Kinder der Urlaubsgäste auf dem Hof hin und her. „Ein einziges Auto kann zu einer Tragödie führen“, betonte Christiane Kohl. Zudem sei die versicherungsrechtliche Situation völlig ungeklärt – allein dadurch sei bereits ein öffentliches Interesse an einer Umfahrung gegeben; auch danach hatte Bastet gefragt. „Es geht nicht darum, wie viele Fahrzeuge über den Hof fahren, sondern wie diese Fahrzeuge fahren“, bekräftigte Christiane Kohl, die Zahl der Fahrzeuge und der Schwerlasttransporte im Lengeltal sei aber „ganz gravierend“.

Von Beginn an hatten sich die Naturschutzverbände gegen die Umfahrung und vor allem gegen den Neubau einer Brücke ausgesprochen, weil ein Teil der neuen Trasse durch Naturschutzgebiet führt. Das Regierungspräsidium habe dem Bauprojekt aber zugestimmt, da „keine nachhaltige Beeinflussung der Arten“ vorliege, berichtete Bürgermeister Reinhard Kubat.

Doch noch ist der Neubau nicht endgültig beschlossen. Im Haushalt der Stadt ist das Projekt mit einem Sperrvermerk versehen. Diesen muss die Stadtverordnetenversammlung erst aufheben, damit der Auftrag vergeben werden kann. Dennoch stellte Kubat die Finanzierung als gesichert dar: Bei kalkulierten Kosten von 256 000 Euro rechnet er mit einer Förderung von 80 Prozent durch das Land. Auch Hessen-Forst und der Landkreis würden sich mit Zuschüssen an den Kosten beteiligen, sagte Kubat. Ein weiterer Anteil kommt von der Familie Kohl. Dennoch werde auch die Stadt „in die Tasche greifen müssen“. Allerdings werden nach Aussage von Kubat „deutlich weniger Kosten“ anfallen als für den Radweg zwischen Geismar und Ellershausen, der rund 40 000 Euro gekostet hat. Für die Bewohner des Lengeltals, die Naturschutzverbände, Behörden und Fraktionsvorsitzenden findet am Mittwoch, 2. September, ein „runder Tisch“ statt. Beginn ist um 19 Uhr im Sitzungszimmer des Fran­kenauer Rathauses.

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