Samen in Wipfeln ernten · Forstamt pflanzt in der Region nicht heimische Weißtanne an

Reiche Zapfenernte im Wald bei Eifa

In der Baumkrone pflückt Bernd Strasser ausgewählte Tannenzapfen für die Saatgut-Ernte.

Hatzfeld-Eifa - In luftiger Höhe waren drei speziell ausgebildete Zapfenpflücker aus Süddeutschland im Nadelholzwald bei Eifa unterwegs, um die ausgewählten Zapfen der Weißtanne zu ernten.

Erstmals wurde im Flurort Buchholz mit seinem mehr als hundertjährigen Weißtannen-Bestand Saatgut geerntet. Das Ergebnis: insgesamt 1,5 Tonnen Tannenzapfen.

„Seit 300 Jahren wird bei uns nachhaltige Forstwirtschaft betrieben“, erklärt Frank Röbert vom Frankenberger Forstamt. Damals seien die durch Waldweide und Übernutzung ausgeplünderten Wälder hauptsächlich mit Nadelholz-Saatgut wieder aufgeforstet worden. „Heute ist es Ziel, Mischbestände mit geeigneten Baumarten zu gründen oder zu erweitern.“ Im Gegensatz zum Landwirt, der jedes Jahr wieder neu über die Bepflanzung entscheiden kann, legt sich der Forstwirt für mindestens 100 Jahre, bei Eichen sogar für über 200 Jahre, fest.

„Wir wissen nicht“, sagt Röbert, „was die Zukunft für neue klimatische Standort-Bedingungen bringt“. Im Sinne der Risiko-Minimierung und der Biodiversität sei es deshalb Strategie, möglichst vielen geeigneten Baumarten eine Chance zu geben. Dazu zählt im Forstamtsbereich Frankenberg auch die Weißtanne. Diese Baumart hat ihr Optimum im Schwarzwald und in den Vogesen, ist also in unseren Wäldern von Natur nicht heimisch und selten.

Anteil für Frankenberg

Der Forstbeamte weist auf die einzelnen vor rund 100 Jahren in unserer Region angepflanzten Weißtannen-Bestände hin, die sich aufgrund ihres Wuchses als standortgerecht bewährt haben. Die Weißtanne unterscheidet sich von der häufig angepflanzten Fichte hauptsächlich durch die aufrecht stehenden Zapfen. Diese zerfallen bei Samenreife an den Ästen. Deshalb sind im Unterschied zur Fichte auch keine Zapfen zu finden. Das Zapfenpflücken selbst kann nur in einem schmalen Zeitfenster im August stattfinden, denn die Samen in den Zapfen müssen ein gewisses Reifestadium haben, dürfen aber nicht vollreif sein.

„Im Forstamt Frankenberg sind in einem Auswahlverfahren für das Herkunftsgebiet Westdeutsches Bergland zwei Bestände bei Eifa für die Beerntung vom zuständigen Regierungspräsidium Kassel zugelassen worden“, berichtet Röbert. Für die Ernte des Saatguts selbst gibt es ein strenges Verfahren. Danach kommen nur bestimmte Bäume in anerkannten Beständen in Frage, um die beste Qualität hinsichtlich der genetischen Beschaffenheit des Saatguts gewährleisten zu können. So kann auch der Nachweis vom einzelnen Samen über die Anzucht bis zur späteren Baumschulpflanze nachvollzogen werden.

Die geernteten Zapfen kommen in die Samendarre Hanau. Dort werden die Samen mit einem speziellen Verfahren aus dem Zapfen gewonnen und für die Anzucht vorbereitet. In einem Zapfen befinden sich rund 50 Samen. Nicht alle sind keimfähig. Sollte jeder zweite Samen später auch zu einer Pflanze herangezogen werden könne, sei dies ein Erfolg. „Davon wünscht sich dann das Forstamt Frankenberg auch einen Anteil“, sagt Röbert.

Von Peter Bienhaus

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