Reiherbach noch fünf Jahre nach Düngemittelskandal belastet

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Trügerische Idylle: Im Reiherbach bei Waldeck sind auch noch fünf Jahre nach dem Düngemittelskandal Chemikalien.

Waldeck. Er plätschert idyllisch Richtung Vorstaubecken, doch das schöne Bild trügt. Fünf Jahre nach dem Düngemittelskandal finden sich weiterhin unerwünschte Chemikalien im Reiherbach, einem Zufluss des Edersees – und nicht nur dort.

PFC lautet die Abkürzung für die von Menschen hergestellte Klasse der „per- oder polyfluorierten Chemikalien“, die das Umweltbundesamt als gesundheitsschädlich einstuft. SPD-Stadtverordnete Julia Schaller richtete an Waldecks Bürgermeister Jörg Feldmann in der vorigen Parlamentssitzung eine Anfrage dazu. Ihr war aufgefallen, dass der Haushalt 2015 Geld bereit stellt, sowohl für Trinkwasserankauf zur Versorgung von Nieder-Werbe als auch für häufigere Untersuchungen auf PFC. Ihre Frage: Haben sich die Werte im Vergleich zu den Vorjahren verändert? „Tendenziell leicht verschlechtert“, antwortete Feldmann.

Zudem habe sich die Zahl der gemessenen Werte erhöht. Alle drei Monate entnehmen die Experten Proben aus der Reiherbachquelle an der „Pumpstation Uferstraße“. Denn nicht nur der Bach weist PFC auf, sondern auch die Reiherbachquelle, die bis vor fünf Jahren den Ort mit Trinkwasser versorgte. Damals fanden Fachbüros erstmals die Chemikalien in der Quelle, und der Magistrat beendete die Förderung bis auf Weiteres. Seitdem kauft die Stadt das Wasser für Nieder-Werbe an.

Als Ursache für die Verschmutzung ermittelten die Behörden damals kontaminierten Klärschlamm, der als Dünger auf eine Ackerfläche ausgebracht worden war.

Es überrascht weniger, dass aus diesem Gebiet bis heute PFC in den Bach vordringen, aber die Belastung der Quelle gibt der Stadtverwaltung Rätsel auf, räumt Feldmann ein: „Sie entspringt über dem Reiherbach. Die Chemikalien können aber nicht nach oben wandern.“

Eine Erklärung für die Belastung könnte im Wildwechsel liegen, vermutet die Stadtverwaltung. Vielleicht tränken Tiere aus dem belasteten Bach, wanderten in die Höhe, und über ihren Urin kämen die Chemikalien ins Wasser.

Es wäre auch möglich, dass die Belastung der Quelle nichts mit der des Baches zu tun hat. Die PFC können in Kläranlagen und der Natur praktisch nicht abgebaut werden, reichern sich in Organismen an – und werden massenhaft in der Industrie eingesetzt, warnt das Umweltbundesamt auf seiner Internetseite. Nieder-Werbe markiert vielleicht die Spitze des Eisberges.

Quelle: HNA

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