Amtsgericht befasst sich mit Schuldfrage nach Autounfall bei Eifa 2013

Rekonstruktion mit Hindernissen

+
Bei einem Autounfall im Oktober 2013 bei Eifa wurde ein heute 54-jähriger Mann aus der Gemeinde Burgwald schwer verletzt. Vor dem Amtsgericht ging es um die Schuldfrage.Archivfoto: Adel

Hatzfeld/Frankenberg - Im Oktober 2013 kam es bei Eifa zu einem schweren Verkehrsunfall. Gestern ging es vor dem Frankenberger Amtsgericht um die Frage, ob der Auflieger eines Lkw auf die Gegenfahrbahn geraten war und der Fahrer den Unfall verursacht hatte.

Die Staatsanwaltschaft warf dem 64-jährigen Mann fahrlässige Körperverletzung vor. Der Lkw-Fahrer wiederum beteuerte seine Unschuld.

Am Abend des 9. Oktober 2013 kam es auf der Bundesstraße 253 kurz hinter Eifa zu dem folgenschweren Unfall.

In einem Zivilprozess hat der Geschädigte bereits Recht bekommen. Das Landgericht in Marburg machte den Lkw-Fahrer als Unfallverursacher aus, so dass dieser oder sein Arbeitgeber für den entstandenen Schaden und mögliches Schmerzensgeld aufkommen müssen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Auch das Amtsgericht in Frankenberg musste sich nun im Strafprozess mit der Schuldfrage beschäftigen - und sich dabei vor allem auf das Gutachten eines Sachverständigen berufen, das einige Monate nach dem Unfall erstellt worden ist. Denn die Aussagen des Angeklagten und des Geschädigten waren gegensätzlich.

Der Lkw-Fahrer gab an, ganz normal auf der Straße unterwegs gewesen zu sein, als er plötzlich einen Knall wahrgenommen hätte. Er habe daraufhin gestoppt und sei zunächst von einem Getriebeschaden ausgegangen. Dann sah er, dass der Auflieger beschädigt war. Wie das Auto dort reingefahren sein konnte, sei ihm unerklärlich gewesen. Wegen Dunkelheit und Nässe sei er ohnehin vorsichtig gefahren.

Der Autofahrer, der als Zeuge aussagte, konnte sich an Details nicht erinnern. Es sei plötzlich ziemlich hell gewesen, er habe sich deshalb am rechten Fahrbahnrand orientiert. Dann sei das Auto vom Auflieger des Lkw erfasst worden. Eine frühere Aussage, dass sich der Sattelschlepper zu drei Viertel auf der Gegenfahrbahn befand, konnte der Burgwalder nicht mehr bestätigen. „Aber ich bin mir ganz sicher, dass ich nicht auf die Gegenfahrbahn gekommen bin“, erklärte der 54-Jährige.

Ist also der Autofahrer frontal in den Auflieger auf der Gegenfahrbahn gefahren - oder befand sich der Lkw auf der Spur des Autofahrers? Letztere Version unterstützte ein Sachverständiger, der ein Gutachten vor allem anhand von Fotos und Videos aus der Presse erstellt hat. Am Unfallort war er selbst erst drei Monate nach dem Unglück. Geringes Bild- und Videomaterial und fehlende Ausmessungen der Polizei hätten die Rekonstruktion jedoch erschwert. Doch anhand der Lage der Splitter und der Drehung des Autos ging der Sachverständige davon aus, dass sich der Auflieger auf der Gegenfahrbahn befand. Wahrscheinlich in einem Moment der Unachtsamkeit sei der Lkw-Fahrer auf die Gegenfahrbahn geraten und habe gegengelenkt. Während das Führerhaus wieder auf der eigentlichen Spur war, befand sich der Auflieger noch auf der Spur des entgegenkommenden Autofahrers.

Diese Darstellung teilte der Verteidiger nicht. Er erklärte, dass der Auflieger beim Gegenlenken eine andere Bewegung hätte machen müssen, als vom Gutachter dargestellt. Er stellte einen Beweisantrag und forderte ein Obergutachten. Das lehnte Richterin Andrea Hülshorst jedoch ab. „Die Fahrlässigkeit war verhältnismäßig gering“, erklärte sie - doch die Schuld sah sie beim Angeklagten. Der Mann wurde letztendlich zu einer Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu je 35 Euro verurteilt. (tt)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare