Bottendorf

385 Rekurten treten zu Gelöbnis an

- Burgwald-Bottendorf (rou). Insgesamt 385 Rekruten aus drei Bundeswehrstandorten haben am Donnerstagabend auf dem Bottendorfer Sportplatz gelobt, „der Bundesrepublik treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“.

Das feierliche Gelöbnis der Rekruten aus den Standorten Frankenberg, Rotenburg/Fulda und Neustadt/Hessen war der Höhepunkt des zweiten Bottendorfer Festtages. Hunderte Familienangehörige der jungen Soldaten und viele Bottendorfer sowie mit dem Frankenberger Bataillon Elektronische Kampfführung 932 verbundene Menschen verfolgten bei herrlichem Wetter die Veranstaltung, die in dieser Form das vorerst letzte Mal in der Gemeinde Burgwald stattgefunden haben könnte. Hintergrund sind die Gedankenspiele des Verteidigungsministers, die Wehrpflicht auszusetzen. Sollte die allgemeine Wehrpflicht tatsächlich vorübergehend „ruhen“, würden künftig nur noch die Rekruten zum Gelöbnis antreten, die sich freiwillig verpflichtet haben. Öffentliche Großveranstaltungen mit bis zu 1000 jungen Soldaten und weit mehr als 1000 Zuschauern – wie gestern Abend – könnten dann der Vergangenheit angehören. Die Standortschließungen in den vergangenen Jahren und das bereits veränderte Rekrutierungsverfahren mit der Verkürzung der Wehrpflicht von zehn auf sechs Monate sowie der Reduzierung der verpflichteten Wehrdienstleistenden spiegelte sich gestern Abend bereits in der Zahl der Rekruten wieder: mit 385 jungen Soldatinnen und Soldaten traten weniger Rekruten bei einem feierlichen Gelöbnis an als noch vor einigen Jahren bei Veranstaltungen im Frankenberger Land an. Die Rekruten, die am 1. Juli ihren Grundwehrdienst angetreten haben, gehörten der 6. Kompanie des Feldjägerbataillons 251 aus Rotenburg, der 3. und 4. Kompanie des Führungsunterstützungsbataillon 286 in Neustadt und der 7. Kompanie des Bataillons für Elektronische Kampfführung in Frankenberg an. Die aus Bottendorf stammende Soldatin Birte Jannermann erläuterte den Zuschauern per Lautsprecherdurchsage den Ablauf des Gelöbnisses. Nach der Meldung der Gelöbnisaufstellung schritten der Kommandeur des EloKa-Bataillons 932, Oberstleutnant Thomas Mauer, Burgwalds Bürgermeister Lothar Koch und Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke zu den Klängen des Präsentiermarsches die Front ab. Danach traten die Fahnenabordnungen in die Mitte des Platzes. Die vorgetretenen Rekruten legten stellvertretend für alle Soldaten ihre linke Hand auf die Fahne und sprachen gemeinsam mit allen anderen Rekruten die Gelöbnisformel. Mit der Nationalhymne und der Bekräftigung des Treuebekenntnisses per Handschlag endete die feierliche Zeremonie, die vom Heeresmusikkorps II aus Kassel musikalisch umrahmt wurde. Die Profi-Musiker aus Nordhessen hatten vor dem Gelöbnis ein Platzkonzert gegeben. Außerdem fand ein ökumenischer Gottesdienst statt. Bürgermeister Lothar Koch wies in seinem Grußwort auf die enge Verbundenheit der Gemeinde mit der Burgwaldkaserne hin. „Bottendorf zählt zu den Dorfgemeinschaften, die in den vergangenen fast 50 Jahren Hunderte von Bundeswehrangehörigen freundlich aufgenommen haben.“ Diese Offenheit den Soldaten gegenüber verdeutliche sich auch darin, dass sich in fast allen Bottendorfer Vereinen und auch in den politischen Gruppierungen Bundeswehrangehörige engagieren würden. „Die Bundeswehr ist daher anerkannter und selbstverständlicher Bestandteil des öffentlichen Lebens und die Menschen in unserer Region bekennen sich zur Bundeswehr und zu unseren Soldaten.“ Der Bürgermeister wünschte den Soldaten, dass „sie von ihren Aufgaben und Einsätzen stets gesund und unversehrt zurückkehren. Uns allen wünsche ich, dass wir auch auch in den kommenden Jahrzehnten in Freiheit und Frieden in einem demokratischen Rechtsstaat leben können.“ Damit sich dieser Wunsch erfülle, „benötigen wir eine einsatzbereite Bundeswehr mit gut ausgebildeten und motivierten Soldaten“. Kommandeur Thomas Mauer dankte Koch für sein Bekenntnis zur Bundeswehr. „Das tut uns Soldaten gut; gerade weil immer wieder Teile aus Politik und Gesellschaft in dieser Frage gespalten erscheinen.“ Er verwies darauf, dass auch die Wehrpflicht nicht unumstritten sei. „Ich bin mir absolut sicher, dass sich die vielfältigen Veränderungen und Entwicklungen in unserer Gesellschaft nur mit Hilfe der allgemeinen Wehrpflicht in die Bundeswehr integrieren lassen.“ Durch die Wehrpflicht bleibe die Bürgernähe erhalten und die Bundeswehr bleibe ein wahrnehmbarer Teil der Gesellschaft, sagte Mauer und hielt ein Plädoyer für die Beibehaltung des bisherigen Rekrutierungsverfahrens. Den Soldaten versicherte er, dass kein Grundwehrdienstleistender zu Auslandseinsätzen herangezogen würde. „Aber, jeder Auslandseinsatz ist nur realisierbar, weil Grundwehrdienstleistende im Inland ein wesentlichen Beitrag zum Grundbetrieb der Bundeswehr leisten und damit die Durchhaltefähigkeit unserer Streitkräfte in den Auslandseinsätzen sicherstellen.“Die eigentliche Gelöbnisrede hielt der Kasseler Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke, der selber gedient hat. Die Bundeswehr als Wehrpflichtarmee bezeichnete er als die beste Form für Deutschland. „Haushaltszwänge dürfen nicht der Grund dafür sein, an diesem Konzept herumzudoktern“, sagte er. Für ihn komme die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht jedenfalls nicht in Frage.

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