Konzert in Frankenberg

Resonanzreich und filigran

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Kontrabassist Jens Bomhardt und Pianist Roberto Paruzzo setzen klangvolle Akzente bei ihrem Konzert in der Ederberglandhalle. Sie interpretierten eigene Arrangements und kontrastreiche Soli.Foto: Armin Hennig

Frankenberg - Zu einem einem ungewöhnlichen Hörerlebnis hatte der Kulturring Frankenberg in die Ederberglandhalle geladen. Zum Heimspiel von Kontrabassist Jens Bomhardt fanden sich ungewöhnlich viel Publikum für einen Kammermusikabend ein.

Mit seinem virtuosen Spiel und differenzierten Interpretationen von Meisterwerken aus Barock und Romantik zog der aus Frankenberg stammende Solo-Kontrabassist des NDR die 80 Zuhörer in seinen Bann.

Mit ruhigem Strich über die Saiten des eigens Marco Nolli für ihn angefertigten 7/8-Basses eröffnete Jens Bomhardt das Programm mit dem Largo aus Henry Eccles „Sonata Undecimo“ von 1720. Im weiteren Verlauf seiner differenzierten Interpretation des Kopfsatzes brachte er die zahlreichen Nuancen zum Klingen. Mit eben deutlich mehr Resonanz und einer größerer Schwingungsenergie als bei der Violine, die der Komponist ursprünglich im Sinn gehabt hatte. Aber zu keiner Zeit klang er schwerfälliger.

Erster Beweis dafür war das lebhafte „Corrente - Staccato Allegro“. Bei der springenden Begleitung setzte Roberto Paruzzo am Klavier seinerseits erste Akzente. Das elegische Adagio und das dynamische Presto bildete ein weiteres reizvolles Gegensatzpaar, ehe die beiden Musiker das große Buch der Romantik aufschlugen.

Dabei erwies sich die Kontrabass-Version der „Drei Fantasiestücke“ von Robert Schumann als Herzstück der ersten Hälfte. Im ständig intensiver werdenden melodische Strom von „Zartheit mit Ausdruck“ entwickelte Jens Bomhardt auf seinen vier Saiten ein breites Ausdrucksspektrum. Die wirbelnde Piano-Eröffnung von „Lebhaft, leicht“ kontrastierte mit dem sanfteren mit dem Bogen bestrittenen zweiten Thema. Ganz, ganz sanft ließ das Duo das zweite Fantasiestück ausklingen. „Rasch und mit Feuer“ lauteten die Anforderungen des Komponisten für den dritten Teil, den die beiden Musiker ganz im Sinne des Komponisten zum Vortrag brachten.

Die erste ganz auf die Möglichkeiten des Instruments ausgerichtete Originalkomposition war Giovanni Bottesinis „Allegro di Concerto Alla Mendelssohn“, ein dankbares Virtuosenstück mit längeren Solopartien und zahlreichen Gelegenheiten für den Bassisten, sich mit technischen Raffinessen und gestalterischen Finessen von seiner besten Saite zu zeigen.

Eingerahmt wurde die interpretatorische Glanzleistung von einer stürmischen Eröffnung und einem furiosen Finale.

Die zweite Hälfte eröffnete Roberto Paruzzo, denn César Franck hatte in seiner Violinsonate den Pianisten vom Begleiter zum Mitspieler befördert, der auch das letzte Wort haben sollte. Mit seinen zart perlenden Läufen bildete der Mann am Klavier „Recitativo-Fantasia - Ben Moderato“ das grazile Gegengewicht zum ausführlichen Solopart des dritten Satzes der Bearbeitung von Jens Bomhardt. Der spielte als Solist auch noch die feinsten Nuancen, der im Grenzbereich zum Impressionismus angesiedelten Komposition an und übertraf bei der Ausgestaltung tatsächlich noch die hohen Maßstäbe, die er vor der Pause bei Bottesinis Virtuosenstück bereits gesetzt hatte. Der komponierende Kontrabassist aus Italien kam bei der Zugabe noch einmal zur Geltung. Seine Elegia in Re ertönte als sanfter Abschluss unter ein rundum gelungenes Konzert, das vom Publikum mit ungewohnt lang anhaltendem Beifall gewürdigt wurde.

von Armin Hennig

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