Reddighausen/Frankenberg

Retter des „Hammers“ im Ruhestand

- Hatzfeld-Reddighausen/Frankenberg (da). Aus der Insolvenz heraus hat Gerhard Zirener den „Reddighäuser Hammer“ zu einem führenden Hersteller von Schmiedeteilen für landwirtschaftliche Geräte aufgebaut.

Am Freitag verabschiedete er sich in der Frankenberger Ederberglandhalle von Mitarbeitern, Kunden, Mitbewerbern und der Gesco-AG, zu der der „Hammer“ seit vier Jahren gehört. Künftig hat der 66-jährige Dillenburger mehr Zeit für Ehefrau Karin, die beiden Kinder, fünf Enkel und zwei Urenkel.. Vor 50 Jahren, am 1. April 1960, begann er seine Ausbildung zum Industriekaufmann bei der Frank-Gruppe in Dillenburg. Er lernte auch Buchhaltung und technische Bereiche kennen und wechselte bald in den Vertrieb von Herden und Öfen. Er wurde Produktmanager und kam 1982 nach Reddighausen. Der „Reddighäuser Hammer“ gehörte zur Frank-Gruppe. 1994 meldete die Muttergesellschaft Insolvenz an. Gemeinsam mit Heinz Georg entschied sich Zirener, den „Hammer“ zu übernehmen. Das Vorhaben glückte – Frank-Produkte sind heute in der ganzen Welt gefragt. Gerhard Zirener kümmerte sich weiterhin um den Vertrieb. „Ohne diese Rettungsaktion hätte der Reddighäuser Hammer keine Zukunft gehabt“, sagte Robert Spartmann, Vorstandsmitglied der Gesco AG. Zirener und Georg hatten ihre Anteile vor vier Jahren verkauft: Gesco ist spezialisiert auf Firmen, denen Nachfolger fehlen. Heinz Georg ging vor drei Jahren in den Ruhestand. Alleiniger Geschäftsführer ist künftig Andreas Mosler. Das Unternehmen beschäftigt 150 Mitarbeiter in Reddighausen, außerdem rund 100 Menschen in Ungarn. Eine Vertriebsgesellschaft besteht in der Ukraine. Spartmann würdigte Zireners Verdienste und wünschte ihm alles Gute für den Ruhestand: „Das ist schön für jemanden, der so viele Interessen hat und gerne auf Reisen geht.“ Es sei deshalb nicht nur eine Verabschiedung, sondern auch eine „Willkommensfeier für einen neuen Lebensabschnitt“. Auch Hatzfelds Bürgermeister Uwe Ermisch würdigte Zireners Verdienste. „Für die Firma Frank geht eine Ära zu Ende. Ihr berufliches Lebenswerk ist beeindruckend.“ Er erinnerte an seinen ersten Besuch im Betrieb im Frühjahr 1989. „Ich dachte, ich bin in einem Museum zur Geschichte der industriellen Revolution.“ Doch das habe sich nach der Übernahme durch Zirener und Georg verändert. „Sie haben an den Standort geglaubt.“ Die Investitionen der vergangenen Jahre seien für einen Betrieb dieser Größenordnung in der Region ohne Vergleich. Das bedeute auch Arbeits- und Ausbildungsplätze. „Die Kunden standen stets im Zentrum ihres Denkens und Handelns“, sagte Rudolf Vervoorst vom Landmaschinenhersteller Lemken. Auch weitere langjährige Geschäftspartner dankten Gerhard Zirener für die langjährige Zusammenarbeit. „Einen Gerhard Zirener kann man nicht austauschen“, sagte Georgi Köfalusi von der ungarischen Frank-Tochter. Betriebsrat Bernd Kuhn dankte, „dass Sie den Mut hatten, den Betrieb weiter zu führen“. Zirener habe dem „Hammer“ den Ruf verschafft, ein guter und zuverlässiger Partner zu sein. Mitarbeiterin Gertrude Schmidtmann-Langer las ein Gedicht vor, in dem sie Gerhard Zireners Arbeitsleben zusammenfasste. Der neue Geschäftsführer Andreas Mosler erklärte, Gerhard Zirener sei in den vergangenen Jahren das „Gesicht des Reddighäuser Hammers“ gewesen. „Durch ihren Mut und ihren Unternehmergeist haben sie die Existenz des Betriebs gesichert.“ Sein Optimismus sei selbst während der Wirtschaftskrise ansteckend gewesen. Unter den Abschiedsgeschenken war eine Fahrt im BMW-Sportwagen auf der Nordschleife des Nürburgrings von der Belegschaft und ein Opernbesuch in Verona von der Gesco AG. Zirener bedankte sich: „Ich habe mich immer sehr wohl gefühlt. Diese Veranstaltung erfüllt mich aber auch mit Wehmut, da ich nach so langem beruflichen Wirken loslassen muss.“ Er versprach, den Kontakt zu halten. Spätestens nächstes Jahr wird es wohl ein Wiedersehen geben: Dann wird der „Reddighäuser Hammer“ 175 Jahre alt.

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