Battenberger studiert in Los Angeles

"Richtig heiß" aufs Studium in den USA

Battenberg - Der 29-jährige Schlagzeuger hat den Grad "Associate of Arts" als Jahrgangsbester erreicht. Ein Jahr lang hat er in Los Angeles gelebt und studiert: Eine Zeit, die er nicht missen möchte.

„Ich hatte schon immer den Wunsch, noch ein bisschen mehr mit dem Schlagzeug zu machen“, sagt Christian Seibel. Der 29-Jährige trommelt seit mehr als 20 Jahren. Auf die Idee, in den USA zu studieren, brachte ihn sein Lehrer Andy Latzko: „Der hat mich richtig heiß gemacht.“ Seibel bewarb sich am „Musicians Institute“ in Hollywood, wurde angenommen und begann mit dem Studium.

Warum ausgerechnet eine Hochschule in den USA und kein Musikstudium in Deutschland? „Der praktische Anteil ist dort wesentlich höher“, erklärt der 29-Jährige. „Gehörbildung, Theorie und Klavierspiel gehörte auch zur Ausbildung, aber nicht in dem Umfang wie in Deutschland.“

Täglich war Christian Seibel zehn bis zwölf Stunden am College. Unterricht in Klassen, Proben mit Bands, Auftritte und mindestens vier Stunden Üben füllten jeden Tag aus. Das College befindet sich in Hollywood, ganz in der Nähe der Schule hat Christian Seibel auch gewohnt.

Ihm ging es nicht um einen Abschluss, sondern um die persönliche Entwicklung als Musiker. „Ich wollte am Schlagzeug weiterkommen.“ Das sei ihm gelungen: „Ich habe ein wesentlich breiteres musikalisches Verständnis.“ Nicht nur die Ausbildung, sondern auch die Kontakte zu vielen anderen Musikern haben ihn weitergebracht: „Ich würde es sofort wieder tun.“

Von 150 Schlagzeugern am Anfang haben etwa 60 zusammen mit Christian Seibel den Abschluss als „Associate of Arts“ - Christian Seibel mit einem besonderen Erfolg: Er war Jahrgangsbester. „Das war für mich schon eine Überraschung“, gibt er zu. Vor mehr als tausend Menschen wurde er bei der Zeugnisübergabe auf die Bühne gebeten - „und das Schlimmste in dem Moment war, dass ich auch noch etwas sagen musste“. Auch die Stadt Los Angeles hat es Christian Seibel angetan - vor allem wegen der unzähligen Clubs, „in denen jeden Abend die besten Musiker spielen“, sagt er. „Musiker siehst du überall.“ Der Battenberger hat viele Kontakte geknüpft und auch Seminare bei namhaften Schlagzeugern besucht, die ihn nicht nur musikalisch weitergebracht haben: „Das Interessanteste war, sich mit ihnen zu unterhalten.“

Musik hat zwar schon immer eine große Rolle gespielt. Sie zum Beruf zu machen, war aber für Christian Seibel bislang kein Thema. Nach der mittleren Reife machte er eine Ausbildung zum Industriekaufmann, es folgten das Fachabitur und ein Studium in Wirtschaftspädagogik in Kassel, anschließend ein zweijähriges Referat an der Berufsschule.

Im Oktober 2010 war Christian Seibel Berufsschullehrer. „Entweder jetzt oder nie“, dachte er - und bewarb sich am Musicians Institute in Los Angeles. Das private College bildet Musiker und Sänger aus, der Schwerpunkt liegt auf Popular-Musik: „Das reicht von Jazz bis Metal“, sagt Christian Seibel. Er mag viele Stile, „nur Metal ist nichts für mich. Aber den Jazz habe ich lieben gelernt“.

Begonnen hat seine musikalische Laufbahn im Battenberger Musikzug. Bei Markus Dauber lernte er als kleiner Junge Schlagzeug. Weil er aufgrund des großen Schlagwerkregisters nicht oft zum Spielen kam, lernte er auch noch Posaune und pausierte einige Jahre mit dem Schlagzeug: „Leider“, sagt er rückblickend - bezogen auf die Drums, denn „das Posaunespielen bereue ich keinesfalls“. Zwischen durch bekam er noch Unterricht bei Ralf Winter, der damals im Heeresmusikkorps in Kassel spielte und in Battenberg ausbildete.

In der Band des 150-Ps-Gospelchors begann er vor zehn Jahren wieder, zu trommeln. Die hatte sich damals neu gegründet - und es war zugleich der Startschuss für Christian Seibel, sich intensiver mit dem Schlagzeug zu beschäftigen. „Ich habe dann viel autodidaktisch gelernt und schließlich beschlossen, noch mal professionellen Unterricht zu nehmen.“ 2006 kam er an die Modern Music School in Marburg und lernte bei Andy Latzko: „Bis der Wunsch aufkam, noch mal ein bisschen mehr zu machen.“

Jetzt sucht er einen Job als Berufsschullehrer im Raum Kassel, weil dort auch seine Freundin arbeitet. Die Musik soll Hobby bleiben - wenn allerdings mehr daraus wird, hat Christian Seibel nichts dagegen. Derzeit sucht er noch Bands. Mit einem Bassisten aus Mainz, der mit ihm zusammen in Los Angeles studiert hat, will er zudem ein Jazz-Projekt ins Leben rufen. Und wenn die Musik irgendwann doch einmal mehr werden sollte als „nur“ein Hobby, „dann habe ich da nichts gegen“ sagt der 29-Jährige.

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