Frankenberg: Kinder erkunden, ob Ausstellungsstücke im Dunkeln „lebendig“ werden

Rittertanz zu König Davids Klängen ?

- Frankenberg (sg). Im Dunkeln, nur im Schein einer Taschenlampe, gingen Kinder und Eltern durch das Frankenberger Museum.

Was passiert eigentlich, wenn im Kreisheimatmuseum abends die Lichter ausgehen? Erwachen die Ausstellungsstücke zum Leben wie in der Hollywood-Filmkomödie „Nachts im Museum“? Plaudert die steinerne Justitia vom Rathaus mit dem Engel vom Portal der einstigen Totenkirche am Linnertor? Necken sich der Löwe und das Käuzchen an Soldans Balkenköpfen für die Liebfrauenkirche? Wandelt die Gnadenmadonna aus der Marienkapelle wie das „Gespenst von Canterville“ durch den einstigen Kreuzgang der Zisterzienserinnen und sucht ihren Kopf, den ihr calvinistische Glaubenseiferer vor 400 Jahren abgeschlagen haben?

Scheppert der Ritter in seiner Rüstung durch den einstigen Schlafsaal der Nonnen und fordert eine Trachtenfrau zum Tänzchen auf? Stimmt König David mit seiner Harfe in der Mauritiuskapelle ein Liedchen an und fordert die Engel auf, mit ihren Posaunen mit einzustimmen? Führen Tyles steinerne Propheten aus dem Alten Testament theologische Debatten mit Jesu Jünger Petrus?

Museumsleiter Heiner Wittekindt und sein Mitarbeiter Hans Papenfuß forderten Kinder am Mittwochabend auf, doch einfach einmal nachzuschauen. Wie im Film hatten sie ihre besondere Führung „Nachts im Museum“ genannt, etwa 50 Interessenten schlossen sich ihnen gespannt an – meist Kinder in Begleitung von Müttern, auch ein paar Väter oder auch Großmütter waren dabei. Wegen der großen Resonanz bildeten die beiden Museumsmänner zwei Gruppen. „Das wird eine Überraschung“, versprach Hans Papenfuß. „Ich bin selber gespannt, was passiert.“ Er sei auch schon abends im „geheimnisvollen Museum“ gewesen und habe das Licht nicht angemacht.

„Ich kenne alle Sachen, die hier rumstehen – aber es war trotzdem anders. Ich habe Geräusche gehört, die ich sonst nie gehört habe.“ Werden die Stücke also doch lebendig, wenn sie sich unbeobachtet fühlen? „Machen wir gemeinsam ein großes Experiment“, rief Papenfuß und ging los.Er öffnete die Tür zum finsteren Kreuzgang. Kaum ein Lichtschimmer fiel durch die steinernen gotischen Maßwerk-Fenster, draußen nieselte es. „Ihr müsst ganz leise sein und ganz vorsichtig“, raunte Papenfuß. „Wir wollen doch nichts kaputt machen.“ Er ließ seine Taschenlampe aufleuchten, im schmalen Kegel tauchten Philipp. Soldans kunstvolle Schnitzereien an den Balkenköpfen auf.

Plötzlich ließ er in der Finsternis eine Glocke erklingen. Sein Lichtstrahl fiel auf die steinerne Figur einer leicht lächelnden Frau mit Waage und Schwert in den Händen. Papenfuß fragte: „Habt ihr die schon mal gesehen?“ Ein Kind kannte die Antwort: „Die Justitia vom Rathaus!“ Richtig: Die Kopie der Statue steht an der Nordseite und kündet davon, dass die Stadt einst Gerichtsverfahren abhalten dur­fte. „Das hier ist das Original,“ erklärte Papenfuß. Schwere Kriegskasse Schräg gegenüber steht eine massive hölzerne Truhe mit schweren eisernen Beschlägen und einem komplizierten Schließmechanismus: eine Kriegskasse, aus der Soldaten einst ihren Lohn erhalten haben. Sie war schwer zu transportieren. Die Truhe allein wiege schon einige Kilo, sagte Papenfuß. Und dann noch all die Goldmünzen, die damals darin aufbewahrt wurden .

Papenfuß leuchtete eine weitere Sandsteinfigur an – den Engel vom Portal der Totenkirche am Alten Friedhof, die in den 1970er-Jahren abgerissen worden ist. Ein paar der Mütter erinnern sich noch an sie. – Dann ging es ein paar Stufen hinab in den einstigen Speisesaal der Zisterzienserinnen, ins Refektorium. Das Handwerk und die Landwirtschaft stehen dort im Mittelpunkt der Ausstellung. Papenfuß führte seine Gruppe zu einem ungewöhnlichen Gespann: Der in Frankenberg einst bestens bekannte und nach seinem Tod ausgestopfte Hund Axel ist vor einen Hundekarren aus Allendorf geschirrt. Die Einwohner waren damals so arm, dass sie ihre in Handarbeit geflochtenen Körbe mit solchen Wägelchen zum Verkauf transportierten. „De Ahlendorfer Hunnebürn“ hießen sie deshalb, die „Hundebauern“, die sich keine Pferde oder Rinder als Zugtiere leisten konnten.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Freitag, 30. Dezember

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