Bürgerinitiative Bachwiesen gegründet

Röddenauer protestieren gegen geplantes Neubaugebiet

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Die Bürgerinitiative Bachwiesen hat innerhalb weniger Tage zahlreiche Unterstützer gefunden. Die Röddenauer protestieren gegen ein mögliches Neubaugebiet mit fast 50 Häusern.Foto: Treude

Frankenberg-Röddenau - Aus einem Feldweg wird eine Rennstrecke, seltene Tierarten werden gefährdet: Das sind nur zwei der Bedenken, die die Mitglieder und Unterstützer der Röddenauer Bürgerinitiative Bachwiesen äußern. Sie sind gegen ein dort geplantes Neubaugebiet.

Am Dienstag kommt ein Kamerateam des Hessische Rundfunks nach Röddenau. Dann sollen einige Bürger ihr Heimatdorf von der besten Seite präsentieren. Viele Röddenauer beschäftigt derzeit aber ein ganz anderes Thema. Vergangenen Sonntag haben Heinz-Willi Bornscheuer, Thomas Baumann, Marco und Tanja Gaydos sowie Monica Güttinger die Bürgerinitiative Bachwiesen ins Leben gerufen. Innerhalb von fünf Tagen haben sie auf auf einer Liste weit mehr als 200 Unterschriften von Menschen gesammelt, die die BI unterstützen.

Stein des Anstoßes ist ein mögliches Neubaugebiet in den Bachwiesen zwischen Mühlenweg, Kastanienallee, Mühlenstraße und Umgehungsstraße. Die Stadtverordnetenversammlung hat der Aufstellung des Bebauungsplans und der Änderung des Flächennutzungsplans zugestimmt. Auch der Röddenauer Ortsbeirat stimmte mehrheitlich für das Projekt. Nach Informationen der Bürgerinitiative sollen dort 47 neue Häuser entstehen. Vorentwurf des Bebauungsplans und Flächennutzungsplan liegen ab heute bis zum 4. Juli beim Stadtbauamt aus. Bürger können in dieser Zeit Stellungnahmen dazu abgeben, ebenso Träger öffentlicher Belange. Mit den Einwänden werden sich dann noch einmal die Stadtverordneten auseinandersetzen.

Eine Stellungnahme wollen auch die Sprecher der BI abgeben. Sie haben erhebliche Bedenken, was die Situation der Anwohner sowie die von Tieren und Pflanzen betrifft. Sie fühlen sich zudem von der Stadt Frankenberg nicht ausreichend informiert. Diese Punkte bereiten den Protestlern besondere Bauchschmerzen:

  1. Derzeit führt lediglich ein Feldweg vom Muschelweg zum Kreisel an der Umgehungsstraße. Aus dem Feldweg könnte ein 8,50 Meter breite Straße mit Gehwegen werden. Es wird befürchtet, dass Autofahrer diese künftig als Rennstrecke zum Beispiel ins obere Edertal nutzen. „Die Bachwiesen sind die letzten Grünflächen, die in Röddenau zu Fuß erreicht werden können. Vor allem im Sommer halten sich dort sehr viele Kinder und Spaziergänger auf“, merkt Monica Güttinger an. Der Muschelweg könne keinen zusätzlichen Verkehr aufnehmen.
  2. Die Bürgerinitiative sieht durch ein Wohngebiet mehrere Tierarten gefährdet. Dazu zählen Falken, die seit vielen Jahren dort in einem Horst brüten, die Schmetterlingsart Ameisenbläuling, die unter besonderem Schutz steht, sowie unter anderem Rotmilan und Grünspechte.
  3. Manche der Anwohner erwarten, dass eine Enteignung auf sie zukommt. Ein Landwirt fürchtet durch den möglichen Verlust einer Fläche seine Viehhaltung einschränken zu müssen. Eine Streuobstwiese und alte Bäume könnten verschwinden. Zudem würden die neuen Häuser direkt an den alten Ortskern mit einem denkmalgeschützten Gebäude grenzen.
  4. Außerdem haben die Unterstützer der Bürgerinitiative die Sorge, dass durch die Versiegelung der Goldbach bei Hochwasser nicht mehr absickern könne. Nach Regen seien die Grünflächen häufig überschwemmt. Wie das Problem gelöst werden soll, dazu habe es von der Stadt keine Informationen gegeben. „Es ist schade, dass den Leuten nicht direkt reiner Wein eingeschenkt wird“, ärgert sich Monica Güttinger. Informationen gebe es nur Stück für Stück.

Den Sprechern der BI fehlt das Verständnis für das geplante Projekt. Sie fordern vielmehr die Bekämpfung des Leerstandes im Ortskern und die Entwicklung unproblematischerer Baugebiete. „Oder wollen wir in zehn bis 15 Jahren einen verwaisten Ortskern mit einem Ring von Neubaugebieten drum herum“, verweist Güttinger auf bereits leer stehende Häuser.

In der Bekanntmachung der Stadt Frankenberg heißt es, das Ziel sei, der konstanten Nachfrage nach Wohnbaugrundstücken gerecht zu werden. Die BI Bachwiesen zeigt sich kompromissbereit. Das Baugebiet solle auf zehn bis 15 Häuser beschränkt werden, um die Bachwiesen als Erholungsgebiet für Menschen und als Raum für Pflanzen und Tiere zu erhalten. (tt)

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