Frankenberg

Rosco erteilt Eder-Galerie eine Absage

- Frankenberg (jos). Die Bad Hersfelder Investorengruppe Rosco hat dem Projekt Eder-Galerie eine definitive Absage erteilt. Aus betriebswirtschaftlichen Gründen sei der Bau des Einkaufszentrums nicht umzusetzen, teilte Geschäftsführer Herbert Kramer gegenüber WLZ-FZ mit.

Damit setzt Kramer den Schlusspunkt unter die mehrjährigen Planungen seines Unternehmens. Bürgermeister Christian Engelhardt hatte bereits vor mehreren Wochen mitgeteilt, dass er nicht mehr mit der Umsetzung der Baupläne durch die Firma Rosco rechne. Der Rathauschef hat stattdessen Verhandlungen mit anderen, potenziellen Investoren aufgenommen.

„Der Rückzug des Investors stand für uns zu erwarten“, kommentierte André Kreisz die Erklärung von Projektentwickler Herbert Kramer. „Wir haben mit dieser Entscheidung gerechnet“, sagte der Geschäftsführer des Modehauses Eitzenhöfer, der Vorsitzender des Kaufmännischen Vereins Frankenberg (KVF) ist. Für die weitere Planung formulierte er einen Wunsch: „Wir hoffen, dass man zukünftig mit Augenmaß vorgeht und die Potenziale Frankenbergs hinsichtlich zusätzlicher Flächenansiedlungen realistischer einschätzt.“

Einen ausführlichen Bericht sowie Hintergründe und Meinungen lesen Sie in der gedruckten Ausgabe der Frankenberger Zeitung.

Die vollständige Erklärung der Investorengruppen Rosco:

Entwicklung des Projektes „EDER GALERIE“ aus der Sicht der ROSCO

Die ROSCO ist ein bundesweit engagiertes Projektentwicklungsunternehmen, das sich in den zurückliegenden 25 Jahren erfolgreich u.a. mit der Entwicklung von innerstädtischen Handelseinrichtungen, hauptsächlich in Mittelzentren, befasst hat. Häufig, jedoch nicht ausschließlich, wurden im Rahmen städtebaulicher Maßnahmen, im zentralen Einkaufsbereich oder in dessen unmittelbarer Nähe gelegene Industriebrachen revitalisiert und dort Versorgungseinrichtungen für die Kommune selbst oder deren Einzugsbereich zum Wohle der Bürger neu errichtet.

Auch in Frankenberg (Eder) war von ROSCO eine solche Maßnahme beabsichtigt, als sinnvolle Ergänzung der bereits vorhandenen Branchen und Sortimente und zur Schließung der zweifelsohne vorhandenen erheblichen Angebotslücke.Bereits im Jahr 2004 wurde durch ROSCO der Standort Frankenberg (Eder) einzelhandelsbezogen analysiert, mit den Vertretern der Stadt in Frage kommende Baufelder bewertet und anschließend Kontakte zu den Grundstückseigentümern aufgebaut. Die anschließenden intensiven Verhandlungen konnten in den Jahren 2005 bis 2007 erfolgreich abgeschlossen werden. Sämtliche für die Realisierung des Projektes „EDER GALERIE“ notwendigen Grundstücke konnten notariell gesichert werden. Die vereinbarten Kaufpreise entsprachen den damaligen Gegebenheiten.

Was nun noch fehlte war das für ein solches Projekt erforderliche Baurecht. Nach geduldiger Vorbereitung stellte die Stadt Frankenberg (Eder) beim Regierungspräsidium Kassel im zweiten Halbjahr 2007 den Antrag für ein landesplanerisches Verfahren nach § 12 Hess. Landesplanungsgesetz. Ziel dieses kommunalen Antrages war die Abweichung vom Regionalplan Nordhessen zugunsten eines Sondergebietes zum Bau eines Einkaufszentrums mit maximal 10.000 m² Verkaufsfläche im Kreuzungsbereich Röddenauer Straße/Siegener Straße in Frankenberg (Eder). Es folgte die Zeit der Anhörung von betroffenen Nachbargemeinden und sonstigen Trägern öffentlicher Belange sowie die Auswertung derer Stellungnahmen. In der Sitzung des Zentralausschusses der Regionalversammlung Nordhessen am 18.03.2008 wurde dem Abweichungsantrag der Stadt Frankenberg (Eder) dem Grunde nach entsprochen, allerdings mit erheblichen Auflagen bezüglich der branchen- und sortimentsbezogenen Nutzung. Mit Datum 11.11.2008 wurde die am 25.03.2008 veröffentlichte Abweichungszulassung geringfügig modifiziert.

Spätestens mit dieser dirigistischen Verfügung war ROSCO bewusst, dass die Realisierung der „EDER GALERIE“ einen neuen, nicht erwarteten Schwierigkeitsgrad erreicht hat, da die auferlegte Nutzungsbeschränkung zum Schutze des damals bestehenden Einzelhandelsangebotes im zentralen Versorgungsbereich von Frankenberg (Eder) nur äußerst begrenzte Möglichkeiten bei der Auswahl der Mieter einräumt. Entsprechend war hierzu die veröffentlichte Meinung der ROSCO.Trotz dieser nach Auffassung der ROSCO zu harten Auflagen und der zwischenzeitlich weltweit grassierenden Finanz- und Wirtschaftkrise hielt ROSCO an der Absicht der Realisierung der „EDER GALERIE“ fest und investierte weiterhin Zeit und Eigenkapital in das Projekt. Die Geduld zahlte sich in Form der Erreichung des Anfang 2010 veröffentlichten, rechtsverbindlichen Baurechts für die „EDER GALERIE“ aus. Fünf Jahre mühevoller Arbeit wurden mit einem Etappenziel belohnt. Weitere ordnungspolitische Auflagen wurden dem Baufeld für die „EDER GALERIE“ durch die Integration in das neue Sanierungsgebiet III „Bahnhofstraße“ zugemutet.

Unverdrossen arbeitete ROSCO an der Zielverfolgung, der Realisierung der „EDER GALERIE“, gab es durch das rechtsverbindliche Baurecht erstmals die Basis für die konkrete Ansprache von potentiellen Mietinteressenten. Auch bauvorbereitende Maßnahmen konnten nun auf gesicherter Grundlage beauftragt werden. Inzwischen hatte ROSCO bereits eine hohe sechsstellige Summe aus Eigenkapital in das Projekt investiert, insbesondere für den Grunderwerb, die Ausgleichszahlungen an Grundstückseigentümer, die Wohnungsbeschaffung und Umzüge von Mietern, die Gutachten und Gebühren zur Schaffung des Baurechts, die Architekten- und Ingenieursleistungen. Nicht in Vergessenheit geraten soll in diesem Zusammenhang, dass die Finanz- und Wirtschaftskrise tiefgreifende Spuren sowohl bei der Bauwirtschaft und den Kreditinstituten als auch bei den Handelsfilialisten und Einzelkaufleuten hinterlassen hat, die auch heute noch fortdauern und auf das Projekt „EDER GALERIE“ einwirken.

Fortlaufend neue Erkenntnisse aus den gutachterlichen Berichten im Zusammenhang mit der Bauvorbereitung und die aktuellen Standortanalysen der von ROSCO angesprochenen potentiellen Mietinteressenten erweiterten den projektspezifischen Erkenntnisstand der ROSCO im Jahr 2010. So waren einige national und international bekannte Filialisten unter dem Eindruck der wirtschaftlichen Entwicklungen der vorangegangenen Jahre zwar noch zur Anmietung bereit, jedoch einhergehend mit deutlichen Reduzierungen der in den Jahren 2008 und 2009 vorabgestimmten Mietkonditionen. Andere Mietinteressenten kamen gar zu dem Ergebnis ihre Expansionsabsichten bezüglich des Standortes Frankenberg (Eder) auf unbestimmte Zeit zu verschieben oder diese ad acta zu legen. Wegen der bereits oben erwähnten branchenübergreifenden Nutzer- und Nutzungsbeschränkungen war für ROSCO die Auswahl an Mietern in den zulässigen Branchen und Flächengrößen nachhaltig eingeschränkt, sodass es für den Standort Frankenberg (Eder) Ersatzlösungen nicht gab.

Nicht unerwähnt soll in diesem Zusammenhang bleiben, dass einerseits die Ertragssituation sich erheblich verschlechterte andererseits die Baukosten, insbesondere für die technische Gebäudeausstattung, zweistellig prozentual anstiegen. Den Geboten eines ordentlichen Kaufmanns folgend, führte ROSCO in den zurückliegenden Wochen nochmals tiefgründige Gespräche mit den abschlussbereiten Mietinteressenten. Gleichzeitig wurden die Baukosten von in 2010 fertiggestellten Projekten und solchen, die sich derzeit im Bau befinden nochmals einer gründlichen Analyse unterzogen. Es wurden von ROSCO alle Bewertungsmöglichkeiten ausgeschöpft, die für die Realisierung der „EDER GALERIE“ von Bedeutung sind. Danach wurde bilanziert mit folgendem Ergebnis: Die nicht veränderbaren strukturellen Voraussetzungen sind nicht geeignet - derzeit - das Projekt „EDER GALERIE“ in Frankenberg (Eder) unter betriebswirtschaftlichen Bedingungen zu realisieren. ROSCO bedauert, dass trotz jahrelangem, intensivem Einsatz das gesteckte Ziel nicht erreicht werden kann. Der Dank der ROSCO geht vor allem an die Grundstückseigentümer für deren uneingeschränktes Vertrauen in das Unternehmen und das Projekt. Lobend zu erwähnen ist die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den politischen und kommunalen Gremien der Stadt Frankenberg (Eder) in den vergangenen fünf Jahren. Das Vertrauen der ROSCO in den Einzelhandelsstandort Frankenberg (Eder) ist ungebrochen. Die weitere Entwicklung wird ROSCO mit wachem Auge verfolgen, mit dem Ziel, das heute noch unmöglich Scheinende zu einem späteren Zeitpunkt zu erreichen zum Wohl der Stadt und ihrer Bürger.

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