Gegen Zentralisierung am Frankenberger Kreiskrankenhaus

Rosenthaler demonstrieren für ihren ärztlichen Bereitschaftsdienst

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Rosenthal - Mehr als 800 Rosenthaler und Patienten der Rosenthaler Gemeinschaftspraxis sind am Samstag auf die Straße gegangen und haben lautstark gegen die geplante Zentralisierung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes am Kreiskrankenhaus demonstriert. Sie fordern von der Kassenärztlichen Vereinigung eine Ausnahmegenehmigung für „ihr Rosenthaler Modell“: „Solange unsere Ärzte bereit sind, unsere notärztliche Versorgung zu übernehmen, muss dies möglich sein“, forderte Dieter Wegener vom VdK.

Der weite Weg nach Frankenberg, ein volles Wartezimmer im Kreiskrankenhaus: Ihre Erwartungen an einen zentralen ärztlichen Bereitschaftsdienst empfinden die Patienten der Gemeinschaftspraxis als eine Horrorvorstellung. „Die Kassenärztliche Vereinigung will uns aus Kostengründen ein Stück Lebensqualität nehmen“, sagt Rosenthals Bürgermeister Hans Waßmuth.

140 Patienten an einem Wochenende sind laut Dieter Wegener vom Rosenthaler VdK-Ortsverband keine Seltenheit in der Gemeinschaftspraxis der drei Ärzte Dr. Gerhard Seidel, Dr. Carsten Nordmann und Dr. Markus Schraub. Die Patienten kommen nicht nur aus Rosenthal, sondern aus der Region: von Langendorf bis Roda, von Willersdorf bis Gemünden. Allein die Zahlen sind für Wegener ein Beweis, dass das „Rosenthal Modell“ des hausärztlichen Bereitschaftsdienstes funktioniert. Das soll auch so bleiben.

Solange es die Ärzte wollen

„Sicherlich“, sagt Bürgermeister Hans Waßmuth. Das Ansinnen der Kassenärztlichen Vereinigung sei nachvollziehbar, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Landärzte ein schwieriges Unterfangen sei. Und er kann auch nachvollziehen, dass die Zentralisierung dieses Notdienstes am Kreiskrankenhaus für den ein oder anderen Arzt eine Befreiung sei. Und doch sei nicht zu verstehen, warum sich die KV einfach über die Interessen in Rosenthal hinwegsetze. „Wir sind für unsere Gemeinschaftspraxis. Und solange unsere Ärzte dieses Modell auch wollen, sollten wir sie dabei unterstützen.“

Auch der VdK-Vorsitzende kann nicht verstehen, warum den drei Rosenthaler Ärzten die Wahlfreiheit genommen werden soll. „Es muss doch die Möglichkeit geben, die notärztliche Versorgung im Ort beizubehalten, wenn es die Ärzte doch wollen.“ Er empfindet dies jedenfalls als eine Bevormundung.

Waßmuth macht jedenfalls keinen Hehl daraus, dass er ein Verfechter des „Rosenthaler Modells“ ist. Bei der Abschlusskundgebung vor dem Rathaus am Samstagnachmittag stellt er klar. „Wir sind nicht gegen etwas, sondern für etwas: für unsere ärztliche Versorgung in Rosenthal.“ Der weite Weg nach Frankenberg, die vollen Wartezimmer. „Für uns Menschen ist das ein Schlag ins Gesicht.“

Rund 800 Menschen sehen dies genauso. Sie sind dem Aufruf des Sozialverbands VdK gefolgt und haben sich um 14 Uhr an der Gemeinschaftspraxis der drei Ärzte versammelt. In Begleitung der Polizei, die Feuerwehr sperrt mehrere Straße ab, marschieren sie durch die Burgwaldstadt und lassen ihrem Unmut freien Lauf: „Liegt der Notdienst erst in Scherben, kann es schnell geh‘n mit dem Sterben“, steht auf einem orangen Transparent, das der Rosenthaler Künstler Karl Klingelhöfer gefertigt hat.

„Ein fremder Notdienst ist nicht besser – nur teurer“, heißt es auf einem weiteren Spruchband. Schrille Töne von Trillerpfeifen mischen sich bei strahlendem Sonnenschein in den Vogelgesang. Die Demonstration verläuft nach Angaben der Polizei friedlich. Und doch wird bei der Abschlusskundgebung vor dem Rathaus deutlich, dass die Nerven blankliegen.

Die Patienten der Gemeinschaftspraxis wollen sich nicht an den Gedanken gewöhnen, nachts und an den Wochenenden nicht mehr die 456 anrufen zu können. Bisher könne man sich darauf verlassen, „dass man in fünf Minuten beim Arzt sein kann oder der Arzt in Minuten bei einem ist“, sagt Waßmuth. Und die Stadtverordnete Eva Golde ergänzt: „Wir wissen, was wir an unseren Ärzten haben.“ Der Bürgermeister fordert deshalb dazu auf, „für unsere Ärzte zu kämpfen, dass sie ihre Dienste weiter abrechnen können“.

Enttäuscht über die Politik

Bereits seit geraumer Zeit treten die Rosenthaler für ihre Interessen. Eine Ausnahmegenehmigung ist seit September vergangenen Jahres ihr Ziel. Sie haben Unterschriften gesammelt, die Kommunalpolitiker setzen sich mit all ihrer Macht für die Beibehaltung des medizinischen Versorgung im Ort ein.

Und zumindest etwas Unterstützung habe er auch von den Politikern auf Kreisebene erwartet, sagt Wagener. Doch die hätten ihn durchweg enttäuscht. Der für das Gesundheitswesen in Waldeck-Frankenberg zuständige Erste Kreisbeigeordnete Jens Deutschendorf habe ihm auf eine Einladung hin geantwortet, dass er an der Kundgebung nicht teilnehmen könne, weil er einen Termin habe. Landtagsabgeordnete Reinhard Kahl habe mitgeteilt, dass er für die Zentralisierung des Bereitschaftsdienstes plädiere, „er sich aber der besonderen Bedeutung in Rosenthal bewusst sei und er sich eine Sonderlösung vorstellen könne“, zitiert Wegener aus einem Brief. Und Landrat Dr. Reinhard Kubat habe mitgeteilt, „dass er die Solidarität der Rosenthaler Ärzte mit ihren Kollegen erwarte“. Erst gar nicht geregt hätten sich das Ministerium und die Kassenärztlichen Vereinigung. „Wenn die KV unsere Sorgen nicht ernst nimmt, dann darf die heutige Demonstration nicht das Ende sein. Die werden von uns hören“, gibt sich der VdK-Vorsitzende kämpferisch.

Seine Enttäuschung artikuliert auch Ernst Boltner, Geschäftsbereichsleiter Altenhilfe des Elisabeth-Vereins, der in Rosenthal ein Pflegeheim mit 33 Betten errichtet. Gezielt hätten sie sich für Rosenthal entscheiden, „auch, weil wir fest mit den Ärzten gerechnet haben“. Über diese Entwicklung sei der Elisabeth-Verein jedenfalls „not-amused“. Ihr Konzept sehe eine wohnortnahe Pflege der Menschen vor: „Dort, wo die Menschen ihr Leben lang gelegt haben“. Und fester Bestandteil des Konzeptes sei auch, dass die Menschen auch im Alter weiter von dem Arzt behandelt würden, der sie ihr Leben lang behandelt habe.

„Bei Drei kommt Bestatter“

Kämpferisch gibt sich Parlamentschef Konrad Trust. „Diese Veranstaltung heute ist nicht das Ende, sondern erst der Anfang der Willensbekundung. Wir werden standhaft bleiben und für unser ,Rosenthaler Modell‘ kämpfen“, ruft er den Demonstration zu, die mit Applaus antworten.

Auch Wegener kündigt an, „der Politik jetzt erst „echt auf die Nerven zu gehen“. Denn seine (Horror)-Vorstellung eines zentralisierten Bereitschaftsdienstes dürfe sich nicht erfüllen. Er fürchte die bekannten Bandansagen: „Wenn Sie Bauchschmerzen haben, drücken Sie die Eins. Wenn Sie Probleme mit dem Herz haben, drücken Sie die Zwei. Und wenn es zu spät ist, drücken Sie die Drei. Dann werden Sie mit Bestatter Möbus in Gemünden verbunden.“

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