Frankenberg

Rotary-Club sammelt Spenden für eine poliofreie Welt

- Frankenberg (rou).Es gibt Länder, in denen entscheiden schon 50 Cent über Leben und Tod: Denn so viel kostet eine Ampulle Impfstoff gegen Kinderlähmung. Der Frankenberger Rotary-Club beteiligt sich an einer weltweiten Sammlung.

Erkrankten 1985 weltweit 350 000 Menschen an Polio, ist die Zahl der Infektionen auf weniger als 1700 Fälle zurückgegangen. In den westlichen Industrienationen wie Deutschland gilt der Kampf gegen Kinderlähmung als erfolgreich beendet. Weltweit werden noch vier Länder als epidemiegefährdet eingestuft: Parkistan, Indien, Afghanistan und Nigeria. Doch auch sie sollen poliofrei werden. Ein schwieriges Unterfangen: Allein im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh werden jährlich fünf Millionen Kinder geboren – und alle Kinder sollen geimpft werden.

Für dieses Ziel arbeiten seit 25 Jahren die Weltgesundheitsorganisation WHO, das Kinderhilfswerk UNICEF, die US-amerikanische Gesundheitsbehörde CDC und Rotary International. Mehr als 800 Millionen US-Dollar wurden von Rotary seitdem an Spenden zusammengetragen, die von der WHO für Massenimpfungen verwendet wurden. Der beinahe vollständige Sieg über die Kinderlähmung ist somit auch ein Erfolg dieses Zusammenschlusses. 99 Prozent des großen Versprechens „Eine Welt ohne Polio“ sind eingelöst. Um auch das letzte Prozent zu erreichen, wirbt auch der Frankenberger Rotary-Club für die Aktion „End Polio Now“.

Während deutschlandweit mehr als 43 000 Rotarier im Vorfeld des Welt-Polio-Tages auf die Straße gehen und über die Aktion informieren und um Spenden bitten, hat der Frankenberger Club um den Präsidenten Karl-Heinz Schleiter eine vierwöchige Sammlung initiiert. Mit 1000 Flyern und Spendendosen in Arztpraxen, in Apotheken, in Firmen, Banken und in Einzelhandelsgeschäften will der Rotary-Club den Aufruf unterstützen. „Polio geht uns alle an. Wir denken, viele Menschen werden spenden, obwohl sie hier augenblicklich nicht unmittelbar gefährdet sind“, sagt Schleiter. Die Kinderlähmung könne sich aber schnell wieder weltweit ausbreiten, erklärt er und verweist unter anderem auf die von Touristen geknüpfte Infektionskette aus den Polioländern nach Deutschland. „Deshalb müssen wir diese Geißel der Menschheit ausrotten.“

Die Weltgesundheitsorganisation rechnet in den nächsten vier Jahren mit Impfkosten in Höhe von 2,14 Milliarden US-Dollar, von denen ein Teil bislang noch nicht gegenfinanziert ist. Rotary International hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2012 insgesamt 200 Millionen US-Dollar aufzubringen, um einen weiteren Anteil zur weltweiten Poliounterbrechung zu leisten. Einen prominenten Mitstreiter hat Rotary in Bill Gates gefunden. Der Microsoft-Gründer hat bereits 2007 insgesamt 100 Millionen US-Dollar für die Polio-Aktion gespendet. Im Januar hat er den weltweiten Serviceclub in die Pflicht genommen. Über seine Stiftung will er 255 Millionen US-Dollar für den globalen Einsatz spenden. Im Gegenzug hat sich Rotary verpflichtet, diese Summe bis Juni 2012 durch weitere 200 Millionen US-Dollar zu ergänzen.

Während alle Mitglieder des Rotary-Clubs persönlich spenden, hofft Karl-Heinz Schleiter auch auf eine möglichst breite Unterstützung aus der Bevölkerung. Allen Spendern versichert er, dass „jeder Cent zu 100 Prozent der Polio-Plus-Aktion zugutekommt.“ Und der Frankenberger Mediziner Dr. Hans-Jürgen Otto verweist auf die große Wirkung der kleinen Spenden. „Eine Ampulle Impfstoff kostet nur zirka 50 Cent, mit 25 Euro können schon 50 Kinder vor einer Polioinfektion geschützt werden.“

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