Kompaniechefs und Kommandeur berichten bei Bataillonsappell über Arbeit der Soldaten in Afghanistan

Rückblick auf zehn Jahre ISAF-Einsatz

Rückblick auf zehn Jahre Einsatz in Afghanistan: Oberstleutnant Maik Kotthoff, der das erste Frankenberger ISAF-Kontingent führte, Bürgermeister Rüdiger Heß, Hauptmann Andreas Schneider, der dem 26. Kontingent vorstand, das im Januar vom Hindukusch zurück

Frankenberg - Im Januar ist das 26. Kontingent des EloKa-Bataillons 932 aus dem Auslandseinsatz in Afghanistan zurückgekehrt. Bei einem Appell haben die Soldaten auf den jüngsten Einsatz am Hindukusch, vor allem aber auf die Entwicklung seit 2002 zurückgeblickt - als die ersten Frankenberger nach Afghanistan flogen.

350 Soldaten traten auf dem Exerzierplatz in der Burgwald-Kaserne an, um mit Bataillonskommandeur Oberstleutnant Elmar Henschen auf den nun seit zehn Jahren andauernden Einsatz Frankenberger Soldaten in Afghanistan zurückzublicken. Henschen erinnerte an den 11. September 2001 und die Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon. „Viele von uns haben die Bilder noch gut in Erinnerung, denn sie haben sich tief in unser Bewusstsein eingebrannt.“ Keine vier Monate später befanden sich die ersten Frankenberger Soldaten mitten im Krieg gegen Al Kaida und die Taliban.

Die Operation Enduring Freedom unter Führung der USA sei von allen Angehörigen des damaligen Fernmelderegiments 320 aufmerksam verfolgt worden, sagte Oberstleutnant Maik Kotthoff gestern. Eine mögliche Beteiligung an diesem Konflikt sei aber nicht vorstellbar gewesen, berichtete er. Bis November 2011, als er gemeinsam mit anderen Soldaten zu einer Besprechung nach Daun bestellt wurde. „Männer, wir müssen umplanen“, mit diesen Worten wurden die Fernmelder empfangen. Nicht im Rahmen des SFOR-Mandats nach Bosnien-Herzegowina, sondern im Rahmen des ISAF-Mandats nach Afghanistan sollten sie sich aufmachen. Und am 18. Januar 2002 setzte Kontingentchef Kotthoff mit zwei weiteren Frankenbergern den ersten Fuß in das „Camp Warehouse“, das Basislager in Kabul. Bis Anfang März war das erste ISAF-Kontingent komplett.

Im Januar ist das 26. ISAF-Kontingent aus Afghanistan zurückgekehrt. Aktuell sind ebenfalls wieder rund 30 Frankenberger am Hindukusch und sind ein wichtiger Pfeiler in der insgesamt 98 Soldaten umfassenden EloKa-Kompanie. „Vieles hat sich in zehn Jahren Einsatz verändert, aber gleich geblieben ist, dass es auch für uns im Juli 2011 eine Reise in die Ungewissheit war“, sagte Hauptmann Andreas Schneider. Er berichtete über die aktuelle Situation und die Arbeit in Afghanistan. „Unsere Fähigkeiten sind begehrt.“ Die EloKa kämpfe mit der Kampftruppe auf Augenhöhe und erarbeite sich besondere Reputation. „Dieses Kämpfen war in den vergangenen sechs Monaten unseres Einsatzes wörtlich zu verstehen. 14 verliehene Gefechtsmedaillen in unserer Kompanie sprechen eine eindeutige Sprache. Hinzu kommen in Gefechte verwickelte Kameraden, die diese Medaille in einem früheren Einsatz bereits erhalten hatten.“

Füreinander einstehen

Diese Eindrücke hinterlassen Spuren, stellte Schneider klar. „Ich hoffe sehr, dass alle die Erlebnisse des Einsatzes abschließend verarbeiten und in ihren Alltag zurückkehren. Erst dann kann der Einsatz für uns alle abgeschlossen werden.“ Ohnehin seien Auslandseinsätze wie in Afghanistan nur aufgrund der ausgeprägten Kameradschaft innerhalb der Kontingente zu meistern. Jeder habe mal einen schwachen Tag. „Füreinander einstehen, aus eigenem Antrieb heraus den Kameraden entlasten, Aufträge übernehmen, mit dem festen Wissen, dass der andere genau dies für mich auch tut, wenn ich selbst Hilfe und Unterstützung brauche.“ Diese Charaktereigenschaften hätten die Soldaten des 26. Kontingentes ebenso ausgezeichnet wie all ihre Vorgänger. „Das ist der Schlüssel zum gemeinsamen Erfolg der EloKa im Einsatz.“

Vom hohen Ansehen berichtete Henschen. Bei seiner letzten Afghanistan-Reise habe er stets gehört, „dass wir eine hochprofessionelle Truppe sind und dass wir ein wesentlicher Informationsprovider sind“. Ohne elektronische Gegenmaßnahmen, die vor den funkausgelösten Sprengsätzen schützen, verlasse kein Fahrzeug mehr das Lager. „Wir können stolz sein auf unsere Leistung im Einsatz. Unser Auftrag ist sehr fordernd. Aber wenn er leicht wäre, würden andere ihn machen.“

An die bittersten Stunden des Frankenberger ISAF-Einsatzes erinnerte Bürgermeister Rüdiger Heß: den 7. Juni 2003, als in Kabul ein Selbstmordattentäter vier EloKa-Soldaten mit in den Tod riss. Deshalb sei die Freude immer groß, wenn ein Kontingent unbeschadet zurückkehre.

Mehr zu dem ISAF-Einsatz folgt nächste Woche in der FZ-Serie zum Jubiläum der Garnison.

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