Frankenberg

Rüdiger Heß kandidiert erneut als Bürgermeister

+

- Frankenberg (jos). Noch vor wenigen Tagen hat Rüdiger Heß auf Nachfrage der FZ gesagt, eine Kandidatur komme für ihn nicht infrage. Zwischenzeitlich hat der Christdemokrat allerdings bei mehreren Frankenbergern um Unterstützung bei einer Bewerbung als Bürgermeister geworben. Am Freitagmorgen verriet er der FZ: "Ich kandidiere."

Seit Tagen hielt sich das Gerücht hartnäckig, wonach Rüdiger Heß angeblich am heutigen Freitag mit großem öffentlichen Getöse die Bewerbungsunterlagen bei Hauptamtsleiter Manfred Greif abholen will. Zu diesem angeblich anvisierten PR-Termin lag der FZ-Redaktion bis gestern Abend zwar keine Einladung vor und telefonisch zu erreichen war Heß auch nicht. Aber am Freitagmorgen kündigte Heß schließlich an, dass er tatsächlich kandidieren werde. für Freitag Nachmittag hat er zu einem Pressegesprächi bei sich zu Hause eingeladen.

Dass „Kreisel-Rüdi“, wie ihn viele Frankenberger nennen, bei der Bürgermeisterwahl nicht chancenlos wäre – darin sind sich heimische Kommunalpolitiker aller Parteien einig. Vor allem dem CDU-Bewerber Bernd Bluttner könnte eine mögliche Kandidatur von Rüdiger Heß schaden. Immerhin standen die Mitglieder bei der internen Abstimmung nicht geschlossen hinter dem Kandidaten Bernd Bluttner. „Abtrünnige“ aus dem Lager der Konservativen könnten also zu Unterstützern einer Heß-Kandidatur werden.

Just bei den Kritikern der Bluttner-Nominierung hat Heß nach FZ-Informationen in den vergangenen Tagen angeklopft, um sich Gefolgsleute für einen möglichen Wahlkampf ins Boot zu holen. Während die einen das abgelehnt haben, geben andere mittlerweile auch gegenüber der Parteiführung offen zu, dass sie für eine Bewerbung von Rüdiger Heß unterschreiben würden und ihm auch beim Wahlkampf helfen würden – zumindest im Hintergrund.

Weil Rüdiger Heß nach Auskunft des Frankenberger CDU-Vorsitzenden Rainer Hesse noch Mitglied im Stadtverband ist, könnte dem Ex-Bürgermeister ein Parteiausschlussverfahren drohen, wenn er gegen den CDU-Kandidaten Bluttner antritt. Die Definition von „parteischädigendem Verhalten“ sei bei einer Kandidatur von Heß zwar möglicherweise erfüllt. Ob er in diesem Fall tatsächlich einen Parteiausschluss forcieren werde – dazu wollte sich Stadtverbands-Chef Hesse auf FZ-Nachfrage nicht äußern. „An Gerüchten beteilige ich mich nicht. Wir werden uns dann mit dem Thema Rüdiger Heß beschäftigen, wenn er sich tatsächlich beworben hat.“

Rüdiger Heß war von 1998 bis Anfang 2004 Bürgermeister in Frankenberg und ist damit der Vorgänger des ausgeschiedenen Rathauschefs Christian Engelhardt. Zum Ende der Amtszeit von Heß kam es zu Auseinandersetzungen mit dem damaligen CDU-Landrat Helmut Eichenlaub. Da der wiederum durch Dienstreisen-Affäre und zwielichtige Bonuszahlungen im Visier der Staatsanwaltschaft steht, könnte Heß die Animositäten von damals im Wahlkampf sogar für sich nutzen. – Zuletzt war Heß im Frankenberger Land in zwei Funktionen öffentlich in Erscheinung getreten: Bei der HSG Bad Wildungen war er einige Monate lang als Geschäftsführer tätig, bevor er dieses Amt wieder niedergelegt hat. Und bei einer Frankenberger Bürgerinitiative engagiert er sich gegen den Bau der von EGF, Maschinenring und einer Viessmann-Tochter geplanten Biogasanlage an der Kreisstraße 117. In diesem Zusammenhang haben Privatleute wie berichtet mittlerweile eine Klage gegen den Bebauungsplan eingereicht, den die Stadtverordneten geändert haben, um die Biogasanlage genehmigungsfähig zu machen.

In einer anderen Funktion hat Rüdiger Heß indes schon einmal gegen die Stadt geklagt: Als Chef des Europeade-Komitees zog der Ex-Bürgermeister vor Gericht, weil die Frankenberger Stadtverordneten aus Kostengründen die Ausrichtung der Europeade abgesagt hatten.Das Folklore-Fest hätte 2005 in Frankenberg gefeiert werden sollen, den Vertrag dafür hatte Heß als Bürgermeister im Jahr 2002 unterzeichnet. Nachdem die Stadt davon im Jahr 2004 zurückgetreten war und die Europeade kurzfristig in einer Stadt in Frankreich ausgerichtet wurde, kam es 2006 vor Gericht zu einem Vergleich. Ergebnis: Die Stadt zahlte 100 000 Euro an das Europeade-Komitee.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare