Frankenberg: Im Wald ist im Winter Hochsaison

Sägen und Fällen bei Minusgraden

Frankenberg - Das Thermometer zeigt 20 Grad unter null. Es dämmert, und die Uhr zeigt 7.30 Uhr: Arbeitsbeginn für die beiden Forstwirte Wilfried Gerke und Thomas Pärnt. Sie sollen an diesem Morgen Rotbuchen einschlagen, wie sie es in der ganzen vorigen Woche schon getan haben.

Die Forstwirte sind warm nach dem Zwiebelprinzip gekleidet: mehrere Schichten übereinander. Die dicke schnittfeste Schutzhose bietet zumindest auf der Vorderseite einigermaßen Schutz auch gegen die Kälte. Die Arbeitsgeräte machen Probleme. Die Motorsägen werden vorgewärmt im Auto mitgebracht. Aber wenn die Säge einige Zeit steht, friert die Kette fest, und es gibt Schwierigkeiten beim Anlassen. Das hart gefrorene Holz lässt die Sägeketten zudem wesentlich schneller stumpf werden.

Dieselmotor streikt, Petroleum hilft

Ulrich Dienst, der mit seinem schweren Rücke­gerät die tonnenschweren Stämme an die Wege ziehen soll, hat Schwierigkeiten, die Dieselmaschine zu starten. Schließlich hilft der Zusatz von Petroleum zum Kraftstoff. „Das ist schon extrem bei den Temperaturen“, schildert Thomas Pärnt später am Vormittag. Da scheint schon die Sonne durch die lichten Kronen des Buchenaltholzes und wärmt ein wenig. Aber die Kälte hat auch ihr Gutes, weiß Revierförster Bernd Hömberg. Denn der Boden ist hart gefroren und wird bei den Fäll- und Rückearbeiten viel weniger geschädigt. Er zeigt als Beispiel eine feuchte Senke, in der eine etwa 150 Jahre alte Buche gefällt werden soll: „Hier hätten wir bei mildem Wetter unmöglich arbeiten können.“

Dann wird es spannend: Der Baumriese soll durch eine Sonderfällung in die Waagerechte gebracht werden. Ulrich Dienst fährt mit seinem Fahrzeug daneben, klettert auf den höchsten erreichbaren Punkt und befestigt dort ein Stahlseil.

Krachen und Bersten lassen die Erde erzittern

Während Wilfried Gerke mit seiner Kettensäge, ausgerüstet mit einem mächtigen Schwert, den Keil für die Fallrichtung heraussägt, bewegt sich die Maschine mit dem Seil in eben diese Richtung – weit genug entfernt, um nicht von der herabkrachenden Krone getroffen werden zu können. Das Seil spannt sich, und der Fällschnitt wird auf der anderen Seite ausgeführt. Ein Keil wird eingesetzt, und nach wenigen Schlägen mit Thomas Pärnts Vorschlaghammer gerät Bewegung in den Stamm. Es kracht laut: das sogenannte „Scharnier“ ist gesplittert. Es ist die schmale, nicht durchtrennte Holzleiste im Stamm, über die der Baum abkippen soll.

Dann geht alles ganz schnell. Die Kräfte der Erdbeschleunigung nehmen den Riesen in ihre Arme, und mit einem Krachen und Bersten, das die gefrorene Erde erzittern lässt, landet er zwischen zwei jüngeren Artgenossen, die noch einige Jahrzehnte stehen bleiben dürfen, bevor sie das gleiche Schicksal ereilen wird.

Von Werner Ebert

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