Hallenberg

Sänger Carsten Hesse hat als Freddy Albers ein Festengagement auf der Reeperbahn

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- Hallenberg (mba). Ein Festengagement im „Veermaster“ auf der Hamburger Reeperbahn, das ist für einen Schlagersänger eine Auszeichnung für großes Können: Carsten Hesse alias Freddy Albers hat sie bekommen.

Es ist Deutschlands berühmteste Amüsiermeile, hier ist jeden Abend große Show: St. Pauli, Reeperbahn. Hier haben die Beatles mal angefangen, hier ist die Große Freiheit, der Star-Club, hier spielt die Musik. Hier hat – zumindest im Film – der große Hans Albers gesungen: „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins...“

Auf der Reeperbahn an einem Freitag oder Samstag gegen neun kann man ihn öfter noch mal singen hören, live und in voller Lebensgröße steht er auf der Bühne im „Hamborger Veermaster“. Zumindest glauben das die Ohren. Wenn man genauer hinsieht, steht da ein kräftig gebauter Mann am Mikrofon, in Seemannsoutfit und mit Kapitänsmütze. Aber die Hakennase vom „ollen Albers“, die hat er nicht. Doch zumindest der Nachname stimmt: Albers – Freddy Albers.

Beim nächsten Song verschwimmt das Bild: „So schön, schön war die Zeit ...“ Albers ist weg, jetzt singt der Kapitän eine Freddy-Quinn-Nummer. Albers, Freddy, Freddy Albers, na klar – ein Künstlername. Und der ist Programm: Wer sich die Show im „Veermaster“ anhört, kriegt alle Hits der beiden, die Schlager, die Seemannslieder, von „La Paloma“ über „In Hamburg sind die Nächte lang“ bis zu „Junge komm bald wieder“. Da wird einem ganz schön warm ums Herz. Einem alten Mann kamen vor lauter schönen Erinnerungen schon mal die Tränen: „Mensch Freddy, Du hast mir heute Abend ein Stück Jugend zurückgegeben“, bedankte er sich bei dem Künstler.

Elvis-Interpret

Der Künstler heißt bürgerlich Carsten Hesse, ist 38 Jahre alt und lebt tatsächlich ganz weit weg von der „Waterkant“, nämlich in Hallenberg, Hochsauerlandkreis. In seiner Heimat ist er schon seit vielen Jahren als Musiker bekannt, mit Swing und Rock'n'Roll, als Elvis-Interpret.

Im Frankenberger Land war er lange mit den erfolgreichen Bands „Replay“ und „The Wanderers“ eine feste Größe. Regelmäßig tritt er noch in einem Winterberger Hotel mit seiner Show „A touch of Las Vegas“ auf, lässt die großen Entertainer wieder auferstehen: Sinatra, Dean Martin, Bobby Darin, Engelbert.

Doch die Freddy-Albers-Show kennen hier noch nicht viele. Auf der Reeperbahn hat er sich damit schon einen Namen gemacht. Im „Veermaster“, dem ältesten Stimmungslokal am Ort, hat er ein Festengagement. Bei einem anderen Auftritt wurde er schon mal als „Kapitän der guten Laune“ angekündigt, eine treffende Bezeichnung, denn Hesse verbreitet sie mit großer stimmlicher Souveränität.

Die Stücke von Albers und Quinn singt er aus drei Gründen: weil das Publikum sie liebt, weil es sonst kaum einer macht und, vielleicht am wichtigsten, weil es ihm selbst am meisten Spaß macht. „Ich habe von Hans Albers so ziemlich alles auf CD, was es gibt. Ich laufe auch schon seit Jahren mit 'ner Kapitänsmütze rum“, beschreibt er seine Leidenschaft.

Auch Freddy Quinn füllt eine ganze Reihe im CD-Regal. Durch Zufall und übers Internet ist er an die original Begleitmusik von Freddy, die Halbplaybacks ohne Gesang, gekommen. Hesse: „Ich habe schnell gemerkt, das liegt mir stimmlich, da müsste man was mit machen.“ Schlagersänger, die gäbe es wie Sand am Meer, so Carsten Hesse, aber Quinn und Albers, das sei eine Marktlücke.

Freddys rollendes R und den wehmütigen Klang, das hat er drauf. Und auch Albers eigentlich wenig treffsichere Intonation kann er perfekt imitieren. Doch Hesses Perfektionismus geht noch weiter: Für die Albers-Stücke lässt er sich – in Ermangelung der Originale – die Playbacks eigens von einem Profimusiker produzieren. Der spielt die Instrumente komplett neu ein. Und damit auch der optische Eindruck passt, ließ er bei einem Hamburger Mützenmacher mehrere Kapitänskappen mit aufwendigen Accessoires anfertigen.

Melancholisch

Sein Publikum teile sich altersmäßig und vom Temperament her entlang der beiden Namen, versteht sich aber untereinander ausgezeichnet: „Freddys Stücke sind sehr ernst und melancholisch, er singt von Heimweh. Das ist mehr was für die Generation 60 Plus“, beschreibt Hesse die Vorlieben.

„Die Albers-Schiene ist fröhlicher, volkstümlicher.“ Seine Schunkellieder seien bei den 30- bis 40-Jährigen Kult. In die Show kämen dann schon mal zwei Generationen. Für die Gäste im „Veermaster“ sei das aber keine Begleitnummer zum Fischgericht, die kommen wegen der Musik: „Die Leute hören wirklich zu, viele sind gerührt. Sie wünschen sich teilweise Lieder, wo ich gar nicht dachte, dass die noch einerkennt“, freut sich Hesse.

Der Hallenberger ist ein musikalisches Multitalent und Autodidakt: Er hat sich das Gitarrespielen, Ukulele und Klavier selbst beigebracht. „Im Musikunterricht lernt man nicht, was einem Spaß macht. Das muss man sich selbst beibringen“, findet Hesse.

Die Musik liegt bei ihm in der Familie: Die Oma hat gesungen und Gitarre gespielt, die Mutter trat mit verschiedenen Bands auf, und mit dem Musikvirus so richtig infiziert hat sich Hesse wohl an der riesigen Plattensammlung seines Vaters. Dem eifert er unermüdlich nach, zwei Regalwände nehmen die Schallplatten und 2000 CDs zu Hause bei Hesse schon ein.

Allein von der Musik leben, das will Carsten Hesse alias Freddy Albers bislang allerdings nicht. Hesse: „Da ist man auf jeden Auftritt angewiesen, auch wenn man mal keine Lust hat. Das ist mir zu stressig.“ Zu seiner bürgerlichen Exis-tenz gehört deshalb auch ein „normaler“ Job.

Die Freddy-Albers-Show

An den Wochenenden setzt er dann die Kapitänsmütze auf. Die Freddy-Albers-Show läuft richtig gut, sein Herbst ist schon lange ausgebucht.

Vor kurzem hatte er damit auch in seiner Heimatstadt den ersten Auftritt, bei der Eröffnung des Naturbades.

Wer Freddy Carsten Hesse Albers mal live erleben will, dafür aber nicht unbedingt bis Hamburg fahren möchte, sollte sich den Hansetag in Medebach am Sonntag, 23. August, rot im Kalender anstreichen. Ab 15.20 Uhr heißt es dort: „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins ...“

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