Haina

Sandstein aus dem Kellerwald für die Sanierung der Klosterkirche

- Haina (Kloster) (apa). Plötzlich fällt der Waldboden an einer Kante ab und man blickt in einen kleinen, mehr als vier Meter tiefen Steinbruch: In den vergangenen Tagen hat ein Bagger tonnenschwere Steine aus dem Waldboden bei Haina gehoben. Das Material soll zu fünf Zentimeter dicken Bodenplatten für die Hainaer Klosterkirche verarbeitet werden – es ist exakt dasselbe, das die Zisterziensermönche vor mehr als 800 Jahren beim Bau der Kirche verwendet haben.

Bei dem Gestein handelt es sich um mittleren Buntsandstein, der etwa 230 bis 240 Millionen Jahre alt ist. Noch heute sind im Wald rund um Haina die Schluchten zu erkennen, durch die sich die Mönche ihren Weg zu den Steinbrüchen gesucht haben. Und auch in den Nachbardörfern finden sich Überreste: In Haubern etwa sind Fachwerkhäuser auf diesem Sandstein aufgebaut worden. Der Zahn der Zeit hat an den Bodenplatten in der Kirche genagt, ebenso wie die Witterung und nicht zuletzt zahlreichen Füße, die im Laufe der Jahrhunderte über den Stein gelaufen sind. Risse, Sprünge, Brüche – die Bodenplatten haben so manchen Schaden genommen und müssen ausgebessert oder ganz ersetzt werden. „Wir haben hier die einmalige Chance, dasselbe Material benutzen zu können“, sagt Uwe Poppe, Architekt vom Hessischen Baumanagement (Bad Arolsen). Normalerweise würde Sandstein für solche Reparaturen aus bestehenden Steinbrüchen genommen. Zuvor wurde für Reparaturen Weser-Sandstein benutzt. Doch diese Platten sind deutlich härter und nur zwei Zentimeter dick, zudem ist der optische Unterschied deutlich auszumachen. Doch nun bot sich eine andere Lösung an: Vor Jahren hatten Forstmitarbeiter riesige Löcher im Waldboden entdeckt, aus denen Sandstein hervorlugte. „Damals wurde ein Bruchstück abgebaut und mineralogisch untersucht“, berichtet Uwe Poppe, „und es zeigte sich, dass es die gleichen Werte aufwies wie die Fußbodenplatten in der Klosterkirche.“ Seitdem stand fest, dass für die anstehende Sanierung des Kirchenbodens dieser Stein verwendet werden sollte. Dies sei sowohl mit dem Landesamt für Denkmalpflege als auch mit dem Landeswohlfahrtsverband als Eigentümer des Waldes, in dem der Sandstein sich befindet, abgesprochen worden. „Es ist immer positiv, dasselbe Material zu nehmen“, bestätigte Danilo Augustin, Werkstattleiter der beauftragten Firma Nüthen aus Erfurt. „Man sieht sonst die Unterschiede in Festigkeit, Körnung und Farbe.“ Am Voßberg, einem Waldstück zwischen Altenhaina und der Bundesstraße zwischen Dainrode und Löhlbach, war am Mittwoch ein Bagger am Werk. Mehr als vier Meter tief ist der Abgrund, an dem der Bagger den gebrochenen Stein nach oben hebt. Die Bruchstücke, die mehrere Meter lang und teilweise auch meterdick sind, sind schwer. „Der da wiegt etwa vier Tonnen“, verweist Karl Kornemann von der Firma Mütze auf einen großen Brocken, der mitten im Wald abgelegt wurde. Das sei für den Bagger jedoch kein Problem: Bis zu sechseinhalb Tonnen Gewicht kann das Gerät mit dem Baggerlöffel heben. Schwierig ist allerdings der Transport der großen Sandstein-Brocken. Denn zum Bearbeiten sollen sie nach Erfurt gebracht werden. Doch der Transport könnte schwierig werden, wie Werkstattleiter Danilo Augustin prophezeit. Dem Unternehmen fehlen möglicherweise die passenden Fahrzeuge, zudem muss der Sandstein verladen werden, ohne dass er bröckelt oder bricht. Die Arbeiten in der Klosterkirche beginnen am Montag. Aus früheren Untersuchungen weiß Poppe, dass die Sandsteinplatten auf der Unterseite ganz uneben gelassen wurden. Auch die bald entstehenden Platten sollen nicht wie perfekte Fliesen aussehen: Sie müssen in Farbe, Oberflächenstruktur und auch bei der Verfugung den vorhandenen alten Platten genau angepasst werden. Spannend ist aber die Frage, wie das Kirchenfundament unter den Bodenplatten aussieht, sagte Poppe. „Wir müssen erstmal gucken, was da drunter ist“.

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