Planer stellten Beginn der Restaurierung am Kirchturm vor

Sandsteine an der Frankenberger Liebfrauenkirche bröseln

Abplatzende Sandsteinschalen: An einigen Stellen des Kirchturms der Liebfrauenkirche müssen die Steinblöcke aufwändig saniert werden, wie die Voruntersuchungen in den vergangenen Wochen ergeben haben. 

Frankenberg. Der Zeitplan für die Sanierung des Kirchturms der Frankenberger Liebfrauenkirche steht fest. Die ersten fünf Gewerke in den Bereichen Dachdecker, Blitzschutz, Schallluken, Verglasung, Metallbau und Natursteinbearbeitung sind vergeben, im März wird das Gerüst aufgestellt.

Unter Leitung von Pfarrer Christoph Holland-Letz stellten jetzt im Gemeindehaus auf der Burg vor vielen interessierten Zuhörern Architekt Johann Heinrich Berghöfer (Münchhausen) und Diplom-Restaurator Sven Raecke (Erfurt) das mit rund 500 000 Euro Kosten veranschlagte Projekt vor. Es soll bis Ende Oktober 2018 abgeschlossen sein.

Eine gründliche Erfassung der am Turm befindlichen Schäden, teils unter Einsatz einer Fotodrohne, war in den vergangenen Wochen vorausgegangen (HNA berichtete). Dabei waren auch bisher unzugängliche Stellen des Kirchturms untersucht worden. Architekt Berghöfer hatte davon eindrucksvolle Fotos mitgebracht, die teilweise erschreckende Schäden an der Sandsteinfassade sichtbar machten.

Hier kommen auf den Restaurator Raecke komplizierte Maßnahmen zu: „Im Gegensatz zu den an den Chorfassaden in den Jahren 2010 und 2012 durchgeführten Maßnahmen werden am Turm weitergreifende Instandsetzungen und Reparaturen erforderlich“, erklärte er. Aufgrund der vergleichsweise höheren Witterungsbeanspruchung und schweren Zugänglichkeit müssten die Reparaturen am Turm äußerst dauerhaft ausgeführt werden.

In einige der zerbröselnden Sandsteine wolle man so genannte „Vierungen“, mindestens 15 Zentimeter dicke Neuteile aus einem farblich identischen Mainsandstein, einsetzen und mit einem mineralisch gebundenen Mörtel „eingießen“. Die Fugen der wasserführenden Gesimse werden als Bleifuge mit einem flüssig eingebrachten Gießblei dauerhaft verfugt, erläuterte Raecke.

Bei der Fassadenbefahrung im Dezember deutete sich an, dass die ab 1978 aufgebrachte Hydrophobierung (wasserabweisend eingestellte Imprägnierung der Fassade) auf der Westseite noch intakt ist. „Die Werksteinfugen hingegen nicht. Daher ist die Neuverfugung zwingend erforderlich, um dafür zu sorgen, dass das Wasser nicht durch die desolaten Fugen hinter die wasserabweisend eingestellten Steinoberflächen eindringt und diese schädigt“, sagte der Restaurator.

Als erste Baumaßnahmen kündigte Architekt Berghöfer die Sanierung des Turmumgangs mit einem neuen Belag aus Kupferblech und einem neuen Geländer innerhalb der Steinbrüstung an. Die Schallluken werden instandgesetzt. Renoviert werden auch die bleiverglasten Fensterelemente auf der Westseite. Auch der der Blitzschutz muss an verschiedenen Stellen ergänzt werden, sodass er den heutigen Vorschriften entspricht.

Die evangelische Kirchengemeinde ist sehr dankbar dafür, dass bereits mehr als 28 000 Euro für die rund 60 000 Euro notwendige Eigenleistung durch Spenden eingegangen sind.

Da künftig der Turmumgang unterhalb der Türmerstube eine Absturzsicherung erhält, kann er auch von Besuchern wieder betreten werden. „Alle, die eine Spende von mehr als 100 Euro überweisen, erhalten mit der Spendenbescheinigung eine Eintrittskarte für zwei Personen für eine Turmbesteigung“, kündigte Pfarrer Holland-Letz an. Zusätzliche Karten für den Aufstieg mit „Turmführer“ würden verlost.

Weitere Spenden seien unter dem Stichwort „Turmsanierung Frankenberg“ beim Kirchenkreisamt Korbach unter der Bankverbindung IBAN DE 29 5235 0005 0000 002659 möglich, gab Holland-Letz bekannt.

Auch in der Stadt wird man etwas von der Turmrestaurierung spüren: Wochentags werden die Glocken zu den normalen Zeiten, so lange Handwerker auf dem Gerüst arbeiten, wegen des enormen Schalldrucks schweigen. Lediglich bei Beerdigungen werden die Glocken auch tagsüber bei Bedarf erklingen.

Von Karl-Hermann Völker

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