Arbeiten an der Hainaer Klosterkirche

Sanierung in luftiger Höhe

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Diesen Blick können nur wenige genießen: Vom Turm der Klosterkirche aus ist der Kreuzgang des Hainaer Klosters von oben zu sehen. Dahinter steht das Verwaltungsgebäude von Vitos Haina.

Haina (Kloster) - Um den Turm der Klosterkirche zu stabilisieren, arbeiten Handwerker etwa 50 Meter über dem Boden. Den Blick über Haina und das historische Kloster können sie dabei nur gelegentlich genießen: Planen schützen die Baustelle rund um die Glockenstube vor Wind und Wetter.

Im nächsten Jahr feiert Haina ein besonderes Jubiläum: Die Grundsteinlegung für die Klosterkirche jährt sich zum 800. Mal. Pünktlich zu diesem Anlass soll das Bauwerk fit für die Zukunft sein – dazu dienen der 27. und 28. Bauabschnitt in einer zwei Millionen Euro umfassenden Sanierung, die 198x begonnen hat und seither sukzessive fortgesetzt wird.

Derzeit läuft die Sanierung des jüngsten Teils der Kirche: Der insgesamt 70 Meter hohe Turm, dessen hohe Spitze erst 1887/1888 gebaut wurde. Vorher hatte die Kirche eine Welsche Haube. Bei der Turmsanierung, die auf 200000 Euro beziffert ist, werden Feuchtigkeitsschäden im Inneren behoben und die Statik langfristig gesichert, indem der Turm ausgesteift wird.

Feuchtigkeit hat die innere Konstruktion beschädigt

Seit Februar ist der Kirchturm teilweise eingerüstet. Stück für Stück werden die Dachhaut und die Schalung heruntergenommen, die auf der oberen Nordseite teilweise noch aus der Bauzeit um 1888 stammt. Dabei arbeiten sich die Fachfirmen langsam immer weiter nach oben.

Bei der Abnahme der Schalung sind in den vergangenen Monaten jedoch größere Schäden im tragenden Teil des Turms zum Vorschein gekommen als vorher angenommen. Vor allem in den eingerückten Bereichen rund um die Uhren hat Regenwasser das Holz in der Hauptkonstruktion geschädigt.

Die Balken, die nicht mehr genug Standfestigkeit versprechen, werden ausgetauscht. Dafür verwenden die Baufirmen zum Teil alte Balken, die schon in anderen Bauwerken gesorgt haben.

Die Schäden seien trotz sorgfältiger Sondierung im Vorfeld der Sanierung nicht abzuschätzen gewesen, sagt Ulf Wissemann aus der Revision des Landeswohlfahrtsverbandes. „Das ist nun mal die Symptomatik eines solchen historischen Bauwerks.“

Außerdem wird der Kirchturm im Rahmen der Arbeiten neu verschiefert. Ebenso wie bei der Schalung sollen möglich, sollen dabei die noch brauchbaren Materialien wieder eingesetzt werden.

Der untere Teil des Turms, der von Eichenholz getragen wird, ist bereits fertig saniert. Bis Dezember sollen auch die Arbeiten auf Höhe der Glockenstube abgeschlossen sein.

Die Arbeiten am Kirchturm kommen indirekt auch der Natur zugute, genauer: den Uhus und Wanderfalken in den Stiftungsforsten Kloster Haina (SKH).

Neues Heim für ein Wanderfalken-Paar

Beide Vogelarten leben ganz in der Nähe der Hainaer Kirche, allerdings zu dicht beieinander – und das hat Nachteile, sagt Forstamtsleiter Manfred Albus: „Wenn der Uhu brütet, brütet der Wanderfalke nicht.“ Aber auch wenn der Wanderfalke brütet, gibt es Probleme: Denn der Falkennachwuchs ist Beute für den Uhu. Der Versuch, den Wanderfalken ein alternatives „Zuhause“ in einem Korb in einer Lärche anzubieten, war fehlgeschlagen – die Falken nahmen ihn nicht an.

Ein Nistkasten an der Südseite des Turms oberhalb der Uhr soll den Wanderfalken ein Ausweichquartier bieten. Der NABU übernimmt die Finanzierung des knapp einen Quadratmeter großen Kastens, die Idee stammt von Manfred Albus. Aber auch dabei ist der Erfolg nicht garantiert. Denn mal werden solche Kästen sofort angenommen, mal gar nicht, ergänzt Frank Dach von „Aktion Wanderfalken- und Uhu-Schutz“ (AWU). „Aber nach welchen Kriterien das passiert, ist nicht zu durchschauen.“ So seien beispielsweise Nistkästen an ICE-Brücken sehr beliebt bei den Vögeln, während manche Kirchtürme unbewohnt bleiben.

Bis der Kasten, der inklusive Landeplattform eine Grundfläche von knapp einem Quadratmeter haben soll, am Hainaer Kirchturm installiert ist, wird es noch eine Weile dauern. Nach Angaben von Bauleiter Ralf Gockel vom Büro HAZ wird die Sanierung erst im Frühsommer 2015 beendet sein.

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