Interview mit Burgwalds Bürgermeister Lothar Koch zum Stand der Planungen für B252-Umgehung

Schafterbach als Wunsch-Alternative

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Burgwald - Im Nachbarlandkreis soll der Bau der jahrzehntelang geforderten Umgehungsstraße im nächsten Jahr beginnen, in Burgwald herrscht noch Unzufriedenheit über die geplante Trasse. Bürgermeister Lothar Koch sieht die größten Chancen im Schafterbach.

Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat eine Million Euro für den Baubeginn der B252-Umgehung im Marburger Nordkreis im nächsten Jahr bereitgestellt. Freuen Sie sich für Ihre Bürgermeisterkollegen? Ja, absolut! Aber nicht nur für sie, sondern auch für die direkten Anlieger der Bundesstraße.

Dennoch müsste Sie Unbehagen überkommen: In Marburg-Biedenkopf geht der lang ersehnte Bau der Umfahrungen los, in der Gemeinde Burgwald wird noch über den Trassenverlauf gestritten. Das ist so, das muss man ganz klar sagen.

Welche Bedeutung messen Sie den neuerlichen Forderungen nach Nutzung des Schafterbaches als Trasse bei? Im Grunde kann keiner oder nur wenige verstehen, warum die Trasse im Schafterbach nicht in irgendeiner Form in die Umgehung eingebaut werden kann. Das erschließt sich keinem. Wenn es eine Variante gäbe, die um Ernsthausen herum auf verträgliche Weise auf den Schafterbach und von da am Waldrand auf die K117 führt, bin ich sofort dabei – und alle anderen wahrscheinlich auch. Denn dann hätten wir viele, viele Probleme, die die aktuelle Planung manchen Ortsteilen verständlicherweise bereitet, vom Tisch. Denn damit wäre ein Viertel, vielleicht sogar ein Drittel der Trasse bereits vorhanden, was auch die Baukosten reduzieren würde. Ich könnte mir auch vorstellen, dass sich die Naturschutzverbände dabei auch kooperativ zeigen würden, wie sie es in Marburg-Biedenkopf ja auch getan haben. Das sollte wirklich noch mal überprüft werden!

Wenn der Bau im Süden vorangeht, droht die Belastung für Anlieger in Ernsthausen und Bottendorf größer zu werden. Teilen Sie diese Befürchtung? Ich weiß nicht, das Verkehrsaufkommen müsste das gleiche sein. Vielleicht nehmen manche dann die B 236 und fahren über Berghofen und entlasten die Strecke über Bottendorf und Ernsthausen so.

Wie ist der aktuelle Planungsstand in Ihrer Gemeinde? Die Aussage vom ASV ist: Das Verfahren für den technischen Vorentwurf steht kurz vor dem Abschluss. Dann soll es im nächsten Schritt dem Verkehrsministerium vorgelegt werden. Das bisherige Verfahren hat sich verschoben, was eventuell auch der Umstrukturierung bei Hessen Mobil geschuldet war. Wir haben inzwischen eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich aus Vertretern aller Fraktionen zusammensetzt, um hier offen und transparent über alle möglichen Veränderungen zu diskutieren und zu informieren. Denn es gibt ja nach wie vor den Beschluss der Gemeindevertretung.

Warum hat die Arbeitsgruppe bisher noch nicht getagt? Wir treffen uns in Kürze zu einer Begehung. Dabei werden die verschiedenen Bedenken aus den Ortsteilen erläutert. Die Arbeitsgruppe hat auch den Zweck, zu dokumentieren, dass wir uns nicht zurücklehnen, sondern die Bedenken aus den Ortsteilen ernst nehmen. Dass wir bisher noch nicht aktiv wurden, hat zwei Gründe: Erstens sind alle berufstätig, da muss ein passender Termin gefunden werden. Zudem gab es ja seit der Gründung auch noch keine Veränderung an der Planung.

Wann ist mit den nächsten Schritten der Planungsbehörde Hessen Mobil zu rechnen? Die letzte Aussage von Hessen Mobil war: im ersten Halbjahr 2013. Aber ob das eingehalten wird, ist fraglich.

Vor allem die Bürgerlisten Ernsthausen und Burgwald kritisieren den Straßenverlauf und die Arbeit von Hessen Mobil. Wäre es nicht an der Zeit, größtmöglichen politischen Konsens in der Gemeinde zu erzielen, um die Planung nicht weiter zu gefährden? Wie soll der aussehen bei der vorhandenen Trasse? Wenn es uns gelingen würde, noch mal alle zusammen an einen Tisch zu holen, und zwar die Gemeinde, den Landkreis, das ASV, den NABU und den BUND, und – ganz wichtig – auch den Arbeitskreis der Wirtschaft für Kommunalfragen, und gemeinsam noch mal eine Alternativplanung mit Einbeziehung des Schafterbachs zu besprechen, vielleicht gelingt es uns dann, eine vernünftige Variante hinzu zu bekommen. Damit wären die Bauchschmerzen für alle weg, die mit der jetzigen Trasse nicht einverstanden sind.

Was ist denn das „Totschlagargument“ der Entscheidungsträger gegen die von Ihnen gewünschte Trasse? Gute Frage! Ich habe einen Artikel von 1957 bekommen, darin heißt es, die seinerzeit für den Ausbau des Schafterbachs gewählte Form in Breite und Art gilt als Beispiel für die gesamte B 252. Ich habe mit dem ASV gesprochen: Die Straße durch den Schafterbach soll auf Wirtschaftswegeniveau zurückgebaut werden, weil der Burgwald nicht an zwei Stellen zerschnitten werden soll, also durch die B 252 und die K 117. Wenn dann aber an der Bundesstraße Bauarbeiten durchgeführt werden, haben wir dann keine Umleitungsstrecke. Das ist nur ein Punkt von vielen, die aus meiner Sicht dagegen sprechen, den Schafterbach zurückzubauen. Mir erschließt sich das nicht. Und so geht es allen.

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