75. Geburtstag von Klaus Scharf

"Scharf hat alles"

Frankenberg - Krankheit, Feuer und Überschwemmung zum Trotz: Klaus Scharf ist stets seinen Weg gegangen. Heute wird der Chef des Eder-Kaufmarkts 75.

Der Frankenberger Kaufmann Klaus Scharf ist über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt. Mit seinem Eder-Kaufmarkt in der Auestraße verbindet sich der Slogan: „Scharf hat alles!“ Und das ist keineswegs übertrieben. Kunden aus Frankenberg und der angrenzenden Regionen entdeckten bei Scharf schon mal Dinge, die sie sonst nirgendwo finden konnten.

Der Jubilar hat erfolgreiche, aber auch von Krankheit geprägte Jahre hinter sich. Von Geburt an muss er mit der unheilbaren Krankheit Epilepsie fertig werden. Ein schweres Los, das ihn bis heute beeinträchtigt. Geboren wurde er am 13. September 1939 in Maltsch an der Oder in der Nähe von Breslau. Seine Eltern Herbert und Hildegart Scharf hatten dort 1937 ein Kolonialwaren- und Feinkostgeschäft gründet.

Familie auf der Flucht

Im September 1939 begann der Zweite Weltkrieg. Vater Scharf musste von Anfang an Kriegsdienst leisten. Im Februar 1945 floh die Mutter mit Klaus und seiner drei Jahre jüngeren Schwester Monika Richtung Westen. Denn von Osten rollte die Rote Armee der Sowjets unaufhaltsam heran. Über Umwege gelangten die Scharfs in einem mit Flüchtlingen überfüllten Eisenbahnwaggon nach Ernsthausen im Burgwald. Dort fand die Familie eine erste Bleibe.

1948 kehrte der Vater aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück. Die Familie zog 1950 in die Jahnstraße nach Frankenberg und der Familienchef eröffnete einen Süßwarengroßhandel. Das Geschäft florierte. Von Anfang an half Klaus mit. Ostern 1950 - inzwischen elf Jahre alt - kam er in die Mittelschule, die heutige Ortenbergschule. Er galt als guter, ehrgeiziger Schüler, und seine Mitschüler wählten ihn zum Klassensprecher und später sogar zum Schulsprecher.

Am 1. April 1956 trat er im Korbacher Feinkostgeschäft Vesper eine Kaufmannslehre an, die er mit 19 Jahren erfolgreich beendete. Bei der Entlassfeier erhielt er eine Auszeichnung „für besondere Leistungen“. Doch Ärzte rieten ihm wegen seiner Krankheit vom Kaufmannsberuf ab. Klaus Scharf aber blieb fest entschlossen auf seinem eingeschlagenen Weg.

1970 zog sich sein Vater aus gesundheitlichen Gründen aus dem Geschäft zurück. Er starb 1980 nach langem Krebsleiden mit 67 Jahren. Nun lebte Klaus allein mit seiner Mutter, der Seele des Betriebs. Sie nahm immer wieder Anteil an seinen krankheitsbedingten seelischen Turbulenzen. Scharfs Mutter starb 2004 im Alter von 92 Jahren.

Inzwischen waren in Frankenberg moderne Supermärkte gebaut worden. Da wollte Klaus Scharf nicht hinten anstehen. Er modernisierte und vergrößerte den Eder-Kaufmarkt. Der Durchbruch kam 1985, als er der Einkaufsgenossenschaft Bielefeld beitrat. Nun lief der Laden mit „Top-Angeboten“. Bereits 1982 hatte Scharf „mit Mut zum Risiko“, wie er sagt, auch ein Fahrradgeschäft eröffnet.

Herbe Rückschläge

Doch es gab auch herbe Rückschläge. Im Januar 1986 trat die Eder über ihre Ufer, eine Überschwemmungskatastrophe bahnte sich an. Im Industriegebiet in der Aue wurde „Land unter“ gemeldet. Es entstand Schaden in Millionenhöhe, damals noch in D-Mark. Auch Scharfs Eder-Kaufmarkt war „abgesoffen“ und wurde arg in Mitleidenschaft gezogen.

Aber es sollte noch schlimmer kommen. An einem Morgen im Februar 1988 stand der gesamte Eder-Kaufmarkt in Flammen: Totalschaden bis auf die Grundmauern, verursacht durch defekte Elektro-Öfen. Doch Klaus Scharf gab nicht auf und wagte den Neustart. Denn nun konnte er den Eder-Kaufmarkt seiner Vorstellungen gestalten. Bereits im August 1988 wurde der neue Markt eröffnet. „Scharf hat wieder alles“, hieß es in Frankenberg und Umgebung.

Zunächst nahm er sämtliche frische Lebensmittel aus dem Sortiment. Süßwaren, Kosmetika sowie Spirituosen und Weine füllten fortan die Regale; außerdem eine reiche Auswahl an Spiel- und Haushaltswaren. 2001 baute Scharf auf 250 Quadratmetern noch einen sogenannten Happy-Baby-Markt.

Dank zollt Klaus Scharf seiner 15-köpfigen Belegschaft: „Alle sind fleißig, ehrlich sowie freundlich und zuvorkommend zu unseren Kunden. Ich bin stolz auf mein Team.“ Trotz seiner 75 Jahre wird Klaus Scharf weiterhin Chef bleiben: „Solange ich die Kraft dazu habe.“ Seine Nachfolge ist allerdings geregelt, will heißen: Der Eder-Kaufmarkt bleibt auf jeden Fall erhalten.

Von Horst Giebel

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