Erste Ergebnisse der Grabung am Campus Firmanei in Marburg vorgestellt

Scherben aus Eisenzeit

Das Grabungsgelände hinter der HNO-Klinik: Die Grabungsstätte ist durch viele neuzeitliche Bodenarbeiten - etwa Versorgungsleitungen - gestört. Fotos: Schmidt

Marburg. Während die Ausgrabungen an der Elisabethkirche bald beendet sind, hat das Hessen-Archäologie-Team unter Leitung von Christa Meiborg erste Ergebnisse der Grabungen auf dem Gelände des künftigen Campus Firmanei in Marburg vorgestellt.

Die Bedeutung dieser Funde hob Katharina Krause, Präsidentin der Philipps-Universität, hervor: „Durch den Bau der Universitätsbibliothek bietet sich die einmalige Gelegenheit, an diesem historischen Ort Grabungen durchzuführen, die sonst unmöglich gewesen wären“, sagte sie.

Meiborg und ihr Team von HessenArchäologie lieferten mit ihrer Arbeit „tiefere Einsichten in die Vergangenheit des Ortes“. Zugleich biete sich die Möglichkeit, einen „Blick in die größte Innenstadtbaustelle Marburgs zu werfen“, an der gerade „Kampfmittelsondierung und archäologische Grabungen“ parallel liefen.

Landesarchäologe Professor Egon Schallmayer hob die partnerschaftliche Zusammenarbeit auf der Baustelle hervor. „Wir fühlen uns hier sehr gut aufgenommen.“

„Schauer der Geschichte“

Die Elisabethkirche spiele nicht nur baugeschichtlich eine große Rolle. „Wir ziehen wirklich ins Zentrum der Geschichte Hessens hinein, da Elisabeth quasi die Stamm-Mutter aller Hessen gewesen ist. Und hier haben wir das Umfeld, in dem sie sich bewegt hat.“ Selbst er spüre noch den „Schauer der Geschichte“, wenn er Mauerreste berühre, die „Elisabeth vielleicht auch berührt hat.“

Die Grabungen auf dem alten Klinikgelände zwischen Deutschhausstraße und Altem Botanischen Garten gehören laut Christa Meiborg zum Randbereich der Deutschordensniederlassung. „Danach kam wahrscheinlich nur noch Garten“, so die Archäologin. „Die Fundamentreste sind die Überreste von Stallungen, von Wohngebäuden und einer Schmiede“, sagte Meiborg.

Die Mauern seien jedoch von zahlreichen „Störungen“ getrübt. Als solche bezeichnen die Archäologen moderne Bodeneingriffe - wie etwa das Verlegen von Versorgungsleitungen. Auch auf Schuttauffüllungen sind die Archäologen gestoßen, die sowohl von der Zerstörung der Frauenklinik durch einen Brand im Jahr 1932 als auch durch die Luftangriffe in den Jahren 1944 und 1945 rühren. Die Reste seien nur schlecht erhalten.

Neben Gebäuden wurden auch bisher unbekannte Mauerzüge gefunden. Bei den Grabungen traten Keramikscherben aus unterschiedlichen geschichtlichen Epochen zu Tage. Einige lassen auf eine späteisenzeitliche Ansiedlung in unmittelbarer Nähe schließen. Andere datieren aus der Zeit Elisabeths, aus dem 17. und dem 19. Jahrhundert.

„Die vorgeschichtlichen Scherben haben uns überrascht“, sagt Grabungshelferin Renate Blum. Diese seien immer dann aufgetaucht, wenn man in tieferen Schichten gegraben habe.

Von Andreas Schmidt

Quelle: HNA

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